Wie nutzen Sie heute das Internet Angebot Ihrer Bank? Sehr wahrscheinlich gehen Sie auf die Webseite Ihrer Bank und klicken dann auf den Link, der zum Online-Banking führt. Jedenfalls machen das die meisten Kunden so. Aber ist die Trennung von Online-Banking und Internetpräsenz eigentlich sinnvoll? Und welche Rolle spielen in Zukunft Personal Finance Management Tools?

Brett King hat in seinem Blog kürzlich einen interessanten Artikel veröffentlicht. In „Let´s get rid oft he Internet Banking“ beschreibt er, warum sich seiner Meinung nach das Online-Banking als Transaktionskanal und die Internetpräsenz als Informationskanal separat voneinander entwickelt haben. Er stellt die These auf, dass diese gewachsenen Strukturen aus Kundensicht nicht optimal sind.

„The problem with these two separate views of the world, is that it no longer makes sense for the customer. 90% of daily traffic to most bank website goes to the login button, so conceivably your most attractive targets (i.e. existing customers) are ignoring all of the marketing spend on nice sales messages, flashy graphics and landing pages, and they’re going straight through to the tasks they want to complete behind the login. Behind the login, most banks adopt a quite sterile marketing environment, with very limited sales communications, largely focusing on execution”

Hat Brett King recht? Ich meine ja. Aus der Perspektive einer Bank liegen die Gründe auf der Hand. Aber auch aus Kundensicht könnten sich aus der Integration von Webseite und Online-Banking 3 gravierende Vorteile ergeben: zielgruppenorientierte Informationen, Individualisierung und Kontextabhängigkeit.

Zielgruppenorientierte Informationen: Wenn Sie heute die Webseite einer Bank besuchen, bekommen Sie das ganze Portfolio an Informationen zu ganz unterschiedlichen Zielgruppen (z.B. Privatkunden, Firmenkunden, Junge Kunden) angeboten. Das kann je nach Webseite schon mal ziemlich unübersichtlich werden. Durch die Integration von Webseite und Online-Banking könnten dem Kunden passendere Informationen angezeigt werden, da sich der Kunde durch seine Anmeldung zuvor authentifiziert hat.

Individualisierung: Aber warum kann der Kunde eigentlich nicht selbst definieren, zu welchen Themengebieten er Informationen möchte?  Die Individualisierung geht dabei noch ein Stück weiter als das zielgruppenorientierte einblenden von Informationen und gibt dem Kunden selbst die Möglichkeit zu entscheiden, zu welchen Themengebieten er Informationen möchte. Das steigert natürlich die Relevanz der Informationen für den Kunden und macht die Webseite übersichtlicher und attraktiver.

Kontextabhängigkeit: Dem Kunden werden die Informationen in Abhängigkeit vom Kontext aufbereitet. Brett King führt als Beispiel die Suche nach einer Baufinanzierung auf. Gelangt der Besucher auf die Webseite, erkennt diese, ob der Besucher bereits Kunde ist oder nicht. Ist der Besucher z.B. bereits Baufinanzierungskunde der Bank, so könnten ihm passende Informationen für eine mögliche Prolongation angezeigt werden (z.B. ab wann und zu welchen Konditionen diese möglich ist).

Natürlich müssen im Zusammenhang mit den oben genannten Beispielen Themen wie Datensicherheit und Datenschutz thematisiert werden. In Europa gehen wir mit diesen Thema ja etwas anders um als in Amerika. Dennoch glaube ich, dass die Integration von Online-Banking und Internetpräsenz dem Kunden – und somit auch der Bank – einen Mehrwert bietet.

Und wo wir gerade beim Thema Mehrwert für Kunden sind: Personal Finance Management Tools (PFM) sind ja spätestens seit der Finnovate auch ein großes Thema in Europa. Mit PFM-Tools behält der Kunden den Überblick über seine Finanzen. Einnahmen und Ausgaben werden automatisch kategorisiert. Üblicherweise bieten die onlinebasierten Tools grafische Auswertungen und Statistiken dazu. Auch einfache Finanzplanungen lassen sich bei mit den meisten PFM-Diensten erstellen. Beispiele für solche PFM-Dienste sind mint.com, kontoblick.de. oder meniga.com (welches bei der diesjährigen Finnovate Europe übrigens einen „Best-of-Show-Award“ gewann). Am Beispiel von mint.com zeigt das folgende Video typische Funktionen eines PFM-Dienstes.

[vsw id=“rK6WLHNYjwM“ source=“youtube“ width=“425″ height=“344″ autoplay=“no“]

Ich glaube, dass die meisten Banken solche PFM-Tools in den nächsten Jahren anbieten werden. Wobei ich mich in Bezug auf die Integration den Worten von Herrn Dr. Leichsenring anschließen möchte:

„Das Beispiel „Kontoblick“ zeigt, dass Stand-alone PFM-Lösungen keine ausreichende Akzeptanz finden. Die Zukunft hierzulande liegt im Angebot der Banken. Und die sollten aufpassen, aus den anderswo gemachten Fehlern zu lernen und nur solche Lösungen zu implementieren, die einen echten Kundennutzen abdecken.“

Also wohin entwickelt sich das Internet-Banking? Was meinen Sie? Ist das Internet-Banking der Zukunft eine Kombination aus Online-Banking, Internetseite und PFM-Tool in einer Plattform? Oder entwickeln sich besagte Dienste losgelöst voneinander weiter?