Datenschutz, IT-Sicherheit, Produktivitätsverlust, Kosten…. Die Liste der Gründe dafür, warum Social Media am Arbeitsplatz nicht genutzt werden darf, ist lang und vielfältig. Und so kann man auch beobachten, dass immer mehr Unternehmen ihren Mitarbeitern den Zugang zu den sozialen Medien am Arbeitsplatz sperren. Jedoch es gibt mindestens genau so viele Gründe, die für eine Nutzung sprechen. Das Social Media z.B. dafür geeignet sein könnte, die Innovationsfähigkeit von Unternehmen zu steigern, kann man anhand der Absorptive Capacity Theorie verdeutlichen…

Der Begriff der Absorptive Capacity geht auf die Wissenschaftler Cohen & Levinthal zurück und beschreibt wie (und ob) Unternehmen Wissen aufnehmen, bewerten und anwenden. Die Absorptive Capacity  kann wie folgt definiert werden:

Es handelt sich um eine spezielle organisationale Fähigkeit, die maßgeblich (mit)bestimmt, wie innovativ ein Unternehmen ist. Diese Fähigkeit setzt sich aus dem Zusammenwirken von drei Teilfähigkeiten zusammen: der Fähigkeit, neue externe Informationen zu identifizieren; der Fähigkeit, dieses neuartige und als nützlich bewertete Wissen zu assimilieren und der Fähigkeit, das assimilierte Wissen wertschaffend einzusetzen. (Quelle: Schreyögg)

Social Media eignen sich in diesem Zusammenhang zur Identifizierung neuer Informationen und zumindest teilweise zur Integration im Unternehmen. Die folgende Abbildung stellt das Modell der Absorptive Capacity grafisch dar und zeigt wo soziale Medien unterstützen können.

Natürlich kann man (und wahrscheinlich sollte man auch) „Open-Innovation-Plattformen“ nutzen um Kunden und/oder Partner  in die Wertschöpfungskette eines Unternehmens zu integrieren. Ich glaube aber auch, dass die Social Media Nutzung am Arbeitsplatz die Identifizierung sowie Diskussion von neuen Informationen bzw. externem Wissen unterstützen kann. Wenn ein Unternehmen die Social Media Nutzung am Arbeitsplatz erlaubt und die passenden Rahmenbedingungen zur Verfügung stellt (Social Media Guidelines, Schulungen), ist es wahrscheinlich, dass sich Mitarbeiter in den sozialen Netzwerken nicht nur aus privaten Gründen tummeln, sondern sich auch mit Kollegen, Kunden oder Fachexperten vernetzen. Zumindest kann man davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit für eine berufliche Nutzung der sozialen Netzwerke höher ist, wenn die Nutzung am Arbeitsplatz erlaubt wird.

Mitarbeiter, die soziale Medien wie oben beschrieben nutzen, können den Platz der sogenannten Gatekeeper im Rahmen der Absorptive Capacity Theorie einnehmen. Diese Gatekeeper sind in der Lage, wertvolle Informationen bzw. externes Wissen zu identifizieren und in das Unternehmen einzubringen. So weit, so gut. Schreyögg schreibt weiter:

Insgesamt lässt sich beobachten, dass für ein hohes Akquisitionspotenzial (von wertvollen Informationen) eine hinreichende Vielfalt an Perspektiven erforderlich ist, in den Worten der Kybernetik: eine »requisite variety«. Nachdem nicht vorhersehbar ist, welcher Art und aus welchem Bereich das neue relevante Wissen kommen wird, muss die Vielfalt so ausgelegt sein, dass sie ein möglichst breites Terrain abdecken kann. (Quelle: Schreyögg)

Ein weiteres Argument, das für die Social Media Nutzung am Arbeitsplatz spricht. Wenn viele Mitarbeiter aus unterschiedlichen Fachbereichen Social Media nutzen, wird eine größere Vielfalt an unterschiedlichen Perspektiven ermöglicht, als wenn nur einige Mitarbeiter (z.B. Social Media Manager) Zugriff auf soziale Netzwerke haben. Die Chance wertvolle Informationen zu identifizieren steigt. Natürlich hat ein Unternehmen mit der reinen Identifizierung von Informationen noch nicht viel gewonnen. Die Informationen müssen im Unternehmen verteilt, gegebenenfalls bewertet und genutzt werden.

Nach einem erfolgreichen Transfer des Wissens in das Unternehmen werden Praktiken der Wissensintegration bedeutsam. Jetzt muss sichergestellt werden, dass das Unternehmen das aufgenommene Wissen auch verarbeiten will und kann. Eines der Haupthindernisse ist hier das Abteilungsdenken; von einer anderen (und nicht von der eigenen) Abteilung akquiriertes Wissen wird mit Skepsis behandelt. (Quelle: Schreyögg)

Ich glaube, auch hier können soziale Netzwerke eine große Hilfe sein. Der Einsatz von sozialen Medien im Unternehmen wird unter dem Schlagwort „Enterprise 2.0“ diskutiert. Erlaubt man die Nutzung sozialer Medien am Arbeitsplatz, so wird sich wahrscheinlich auch die Vernetzungdichte der Mitarbeiter untereinander erhöhen (in jedem Fall können wir das in unserem Unternehmen beobachten). Diese Vernetzung geschieht über Hierarchie- und Abteilungsgrenzen hinweg und fördert sowohl die kulturelle Entwicklung als auch die Kommunikation. Wir haben z.B. für zwei Projekte Facebook-Gruppen aufgesetzt (natürlich zu Themen, die in Bezug auf den Datenschutz als unkritisch zu bewerten sind). Beide Gruppen werden sehr intensiv genutzt. In einer der beiden Gruppen diskutieren wir z.B. Trends und Entwicklungen im Internet sowie potenzielle Nutzungsmöglichkeiten in der Volksbank Bühl. Soziale Medien bieten so eine Plattform zur Verbreitung und Diskussion von Informationen (in diesem Sinne eine Bewertung von Informationen) im Unternehmen.

Ein paar abschließende Thesen…
Die Nutzung sozialer Medien am Arbeitsplatz durch viele Mitarbeiter aus unterschiedlichen Fachbereichen kann die Identifizierung von wertvollen Informationen fördern. Der Einsatz von sozialen Medien innerhalb des Unternehmens kann die Verbreitung, Diskussion und Bewertung von Informationen bzw. Wissen fördern. Soziale Medien können so die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens steigern. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass eine Vernetzung zwischen Mitarbeitern, Partnern und Kunden nicht verhindert, sondern gefördert wird. Und vielleicht ist das ja auch einer der Gründe, warum das eine oder andere Unternehmen soziale Medien am Arbeitsplatz nicht gerne sieht. Soziale Netzwerke lassen sich eben nicht kontrollieren… 😉

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Prof. Dr. Kruse über Netzwerke und Hierarchie