Interview mit Boris Janek

In den nächsten Wochen und Monaten werden wir in diesem Blog auch das ein oder andere Interview mit Managern, Unternehmensberatern, Autoren oder Bloggern veröffentlichen. Bevor wir mit dem ersten Interview starten, möchte ich Ihnen Boris Janek zuerst vorstellen. Boris arbeitet als Manager Digital Marketing bei der VR-Networld GmbH. Im Mittelpunkt seiner Tätigkeit stehen strategische Innovationsprojekte im Internet und insbesondere im Online Marketing Umfeld. Neben seiner Tätigkeit bei der VR-Networld betreibt Boris einen empfehlenswerten Social Media und Finance 2.0-Blog (www.finance20.de) und hält Vorträge zu den Themen Social Banking und Finance 2.0. Boris hat sich zu einem kurzen Interview bereit erklärt.

1. Wie beurteilst du die Social Media Aktivitäten der Banken im Allgemeinen und wie beurteilst du die Social Media Aktivitäten der Genossenschaftsbanken?

Ob  eine Bank erfolgreich ist oder nicht, kann sie ja eigentlich nur alleine bewerten. Zumindest dann, wenn sie im Vorfeld Ziele definiert hat. Bevor man mit Social Media startet sollte man festlegen, was Erfolg für die Bank ist. Im Zweifelsfall können dies auch qualitative Maßstäbe sein.

Wir befinden uns ja noch in einer recht frühen Phase von Social Media bzw. des sozialen Internets. Wir alle können noch nicht sagen, was gut oder was schlecht ist. Soweit wir aber heute wissen sorgt das soziale Internet für zahlreiche neue Herausforderungen. Transparenz, Authentizität und Qualität sind hier nur 3 Schlagwörter. Und offensichtlich tun sich viele Banken hiermit schwer. Mein Eindruck: Die meisten Banken bespielen die sozialen Medien genauso wie die klassischen Offline- und Online-Medien. Zuhören steht dabei nicht oder nur kaum auf der Tagesordnung. Und selbst die aktiven Zuhörer können zumeist nicht aus ihrer Haut: Im Dialog rechtfertigt man sich dann meistens und zeigt kaum Bereitschaft zur Veränderung. Grundsätzliche Fragen der Verbraucher werden überhaupt nicht diskutiert. In den Köpfen der Social Media Verantwortlichen dominieren die Sachzwänge.

Die Genossenschaftsbanken versuchen etwas stärker den Dialog zu suchen. Viele haben erkannt, dass die sozialen Medien eine Chance darstellen. Leider fehlt es im Vorfeld aber häufig an strategischen Überlegungen. Viele Verantwortliche innerhalb der Banken scheinen die Kunden nicht richtig ernst zu nehmen und denken Gewinnspiele, Veranstaltungstipps oder auch Produkthinweise, würden schon zu Dialog führen. Dies ist aber – wie man sehen kann – nur sehr selten der Fall. Warum sollten Verbraucher, deren Aufmerksamkeit ohnehin schon sehr stark beansprucht ist – Social Media Destinationen von Banken oder auch Volksbanken aufsuchen, wenn man Ihnen dort dasselbe bietet, wie in den anderen Kanälen. Warum sollte ein iPad Gewinner Kunde einer Bank werden? Zudem werden auch alle Zielgruppen über einen Kamm geschoren. Insgesamt besteht auch hier noch sehr viel Nachholbedarf.

2. Wo liegen deiner Meinung nach die großen Trends in 2011 und welche Trends kommein den nächsten Jahren auf uns zu?

Ein Trend wird sicherlich die fortschreitende Veränderung sein. Und das Tempo der Veränderung wird weiter hoch bleiben oder sogar noch steigen. Für die Banken werden Regulierungsauflagen wichtig bleiben und ich denke auch Krisen werden häufiger und fast normal werden. In technologischer Hinsicht werden die Banken vor allem die Smartphones und ipads entdecken. Ob es Ihnen aber wirklich gelingen wird, sich an Kundenwünschen zu orientieren halte ich für fraglich. Die Veränderung durch Wünsche der Kunden wird aber wesentlich werden. Das ist nicht einfach für die Banken, da sie sich bisher eigentlich immer an eigenen Interessen ausgerichtet haben. Wenn diese Haltung aber fortdauern würde, dann wird dadurch die Bedeutung der Non- und Nearbanks größer und ich bin mal gespannt, was passiert, wenn Facebook ab dem 01. Juli in den Payment Markt einsteigt.

Social Media wird in den nächsten Monaten normaler werden. Es geht dann vor allem um eine integrierte Betrachtung dieser erweiterten Form des Internets. Messen wird wichtiger werden. Es werden neue Tools entstehen, welche WebControlling und Social Media Monitoring zusammen bringen. Wir werden es stark mit rechtlichen Verwerfungen zu tun bekommen. Es wird zunächst viele Urteile geben, welche das soziale Internet bremsen und einschränken werden, dann werden aber auch gesellschaftliche Diskussionen entstehen – z.B. über Privatheit, Sicherheit und Datenschutz – die viele unserer veralteten Denk- und Handlungsweisen obsolet machen werden. Wir sollten die jungen Menschen beobachten, damit wir lernen können, was uns die Zukunft bringt.

3. In 2011 werden die ersten Smartphones NFC-Chips enthalten und somit mobile Payment Lösungen mittels iPhone & Co. ermöglichen. Siehst du hierin eine Gefahr für Banken oder handelt es sich um einen Trend, der von den Banken schnell adoptiert werden wird?

Ich sehe keine kurzfristige Gefahr. In Deutschland geht es doch meistens etwas langsamer. Wir sind darüber hinaus bei neuen Technologien zunächst eher skeptisch. Sicherheitsbedenken werden die Entwicklung ebenso bremsen, wie zu erwartende Widerstände der durch mobile Payment bedrohten Unternehmen und den entsprechenden Schutz durch die politischen Institutionen. Man wird mobile Payment aber nicht aufhalten kommen. Natürlich ist es möglich, dass Banken auf den Zug aufspringen. Am ehesten erwarte ich dies noch von Visa oder Master Card, denn zunächst sind ja diese Anbieter bedroht. Aber gerade die Telekommunikationsanbieter und große Internetunternehmen wie Apple, Google, Facebook und Co. werden ein gewaltiges Tempo vorlegen. Momentan sehe ich aber noch keinen klaren Sieger.

4. In welchen internetbasierten Geschäftsmodellen siehst du Chancen für Genossenschaftsbanken? Wie beurteilst du das Potenzial dieser Geschäftsmodelle für regional agierende Genossenschaftsbanken? Welche Geschäftsmodelle stellen ein Risiko dar?

Da bin ich ehrlich gesagt sehr sehr skeptisch. Ich sehe nicht, dass Genossenschaftsbanken mit wirklich neuen internetbasierten Geschäftsmodellen aufwarten könnten. Denkbar wäre jedoch, dass man Geschäftsmodelle nachahmt oder Unternehmen kauft. Prinzipiell wüsste ich aktuell auch nicht woher diese neuen Geschäftsmodelle oder auch Ideen kommen sollten. Da müsste man erst einmal eine entsprechende Einheit etablieren oder sich nach außen öffnen, um die Ideen der Kunden und Mitglieder einholen zu können.

5. Mal abgesehen von den Geschäftsmodellen, wo liegen deiner Meinung nach weitere Chancen für Genossenschaftsbanken im Internet? Mit welchen davon sollte man sich schon heute beschäftigen, mit welchen erst in (naher) Zukunft?

Die Genossenschaftsbanken werden gezwungen sein, dass Internet in ihre Geschäftsmodelle zu integrieren. Dies ist eine Notwendigkeit aus der zunächst einmal kaum neue Chancen entstehen. Geringere Kosten, das veränderte Kundenverhalten und die Erfordernis die eigene Kundenstruktur stark zu verjüngen, sind nur einige Gründe, die man hier ins Feld führen könnte.

Aufgrund der hohen Kunden- und Mitgliederzahl sehe ich aber durchaus Chancen in der Nutzung von Crowdsourcing Initiativen. Man sollte sich neuen Formen der Finanzierung p2p Kredite oder auch neuen Formen der Unternehmensfinanzierung widmen. Eventuell könnten –aufgrund der regionalen Nähe und der Kundenstruktur – auch Elemente des Time Bankings integriert werden. Grundsätzlich ist es ja so, dass das Internet Nischenmärkte unterstützt. Solche Nischenmärkte könnten für viele Genossenschaftsbanken sehr spannend sein und für einige möglicherweise auch die einzige Chance.

Ich denke Social Banking und Nachhaltigkeit werden zukünftig eine noch größere Rolle spielen. Hier sehe ich Chancen, aber dafür müssen die Geschäftsmodelle auf den Prüfstand. Genossenschaftliche Werte müssen wieder stärker in den Fokus gestellt werden und andererseits muss aber auch eine Modernisierung erfolgen, denn ich bin skeptisch, dass man junge Leute in 5 -10 Jahren allein dadurch zum Interessenten oder Kunden machen kann, dass man soziale Medien nutzt. Da muss schon wesentlich mehr kommen.

Boris, herzlichen Dank für dieses Interview.

Bei diesem Interview handelt es sich um die persönliche Meinung von Boris Janek und nicht um eine offiziellen Meinung der VRNW oder der genossenschaftlichen Gruppe.

fsw

geschrieben am: 22.03.2011 von: fsw



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