Redesign Geld- Die Finanzdemokratie 2.0

Ein sehr spannendes Thema. Und dabei geht es nicht um neue Farben oder Formen für unsere Euronoten. Redesign Geld geht viel weiter! Dies konnte ich auf der Republica 2011 auf dem Vortrag von Nina Schoenian in Berlin life miterleben.

Im Mittelpunkt stehen zunächst drei relevante Bereiche: Die Systemtheorie, der Design Thinking Prozess und das Finanzsystem.

Quelle: http://www.scribd.com/doc/53267579/Nina-Schoenian-Resign-Geld

Die Systemtheorie: Die Systemtheorie ist ein interdisziplinäres Erkenntnismodell, in dem Systeme zur Beschreibung und Erklärung unterschiedlich komplexer Phänomene herangezogen werden. Systemtheorien gehen analytisch von zusammenhängenden, sich selbst erhaltenden Einheiten wie “Gesellschaft”, “Justiz”, “Haushalt” aus und erklären die beobachteten Phänomene durch die Verortung des Phänomens innerhalb der Einheit. So erklärte ein systemtheoretischer Ansatz das Handeln von Individuen nicht durch Charakteristiken desselben (wie “böse”, “rational” o.ä.), sondern durch seine Position in der “Gesellschaft” und die sich daraus ergebenden sozialen Zwänge. Das Ziel des Systemtheorie: Die Analysen von Strukturen und Funktionen im System sollen Vorhersagen über das Systemverhalten erlauben.

Der Design- Thinking- Prozess: Design entwirft zukünftiges Handeln. Design- Thinking ist entwerfendes Denken. Dieser Prozess ist eine Methode zum Lösen komplexer Probleme und zur Entwicklung innovativer Ideen. Es basiert auf der Überzeugung, dass herausragende Innovationen entstehen, wenn sich interdisziplinäre Gruppen zusammenschließen und ausgehend von der richtigen Fragestellung sowie erkannten Bedürfnissen und Motivationen von Nutzern in einem iterativen, anwendungsorientierten Prozess Konzepte entwickeln, testen und umsetzen.

Quelle: http://www.hpi.uni-potsdam.de/presse/download/allgemeine_fotos.html

Das Finanzsystem: „Das Finanzsystem im engeren Sinne umfasst die Finanzintermediäre mit den Banken als Hauptakteuren, die Finanzmärkte sowie die Zahlungsverkehrs- und Wertpapierverrechnungssysteme. Im weiteren Sinne gehören auch die Ausgestaltung der Finanzmarktaufsicht und des rechtlichen Rahmens einschließlich der Rechnungslegungsvorschriften dazu.“ (Deutsche Bank)

Im Kern des Themas Redesign Geld geht es um die gemeinsame Schnittmenge der Bereiche und den daraus folgenden Ergebnissen bezogen auf unser Finanzsystem.

Quelle: http://www.scribd.com/doc/53267579/Nina-Schoenian-Resign-Geld

Hieraus ergeben sich drei Leitfragen: Lässt sich Design Thinking auf das Finanzsystem anwenden? Welchen Beitrag kann die Systemtheorie diesbezüglich leisten? Und wer kommt als Anwender für diese Methode infrage?

Mit der Innovationsmethode Design- Thinking und ihrer Weiterentwicklung mithilfe der Systemtheorie wird diese Methode  auf das Finanzsystem anwendbar. Nina Schoenian bezeichnet diesen neuen Prozess als Redesign- Thinking. Der Redesign- Prozess des Geldes ist eine Demokratisierung des Finanzsystems, da es Menschen die Möglichkeit gibt, sich gemeinsam, fundiert, zielgerichtet mit dem System auseinanderzusetzen und ihre eigenen Innovationen zu schaffen. Das gab es schon immer – denken Sie nur an die Regionalwährungen oder die Zeitbanken -, allerdings waren die meisten Ideen entweder räumlich, zeitlich, rechtlich oder inhaltlich beschränkt. Die Wahrscheinlichkeit einer “erfolgreichen”, also umsetzbaren Innovation kann durch Redesign- Thinking steigen. Ebenso soll es mit Redesign- Thinking einem anderen System, der Politik, möglich werden, nicht mehr nur regulierend, sondern kreierend auf das System einzuwirken.  

Als Anwender dieser Methode sollten mehrere Akteure fungieren: Zum Einen die Banken an sich, wie die Weltbank, Großbanken bis hin zu kleineren Banken,  Rating-Banken, Unternehmen, aber auch Spekulanten und vor allem Haushalte und Individuen.

Wer kommt als Geld Redesign- Thinker infrage? Innerhalb des Finanzsystems kann nicht innoviert werden. Es bedarf der Anschlussfähigkeit und der Kommunikation nach „draußen“.  Innovationen müssen von relevanten Umwelten umgesetzt werden. Eine Community kann Ideen liefern, aber es braucht einen Akteur mit Macht, der diese Innovation umsetzen kann. Das Internet ermöglicht hier kollaborative Innovationsprozesse bei gleichzeitiger Generierung von Wissen.

Bringt also redesigntes Geld mehr “Finanzdemokratie 2.0″ oder bleibt dies eine soziale Fiktion?

Hier teile ich die meine Meinung von Nina Schoenian. Geld wird nicht einfach vom Staat oder den Banken nach unseren Vorstellungen redesignt werden. Der Clou ist, dass durch den Redesign- Prozess “alle” Menschen befähigt werden, ihr Wissen und ihre Ideen über und zu Geld einzubringen. Das kann man gut und gerne Finanzdemokratie 2.0 nennen. Ob die Idee sich systemisch durchsetzen kann, wird von der Art der Ideen abhängen und u.a. politisch bedingt sein.

mboj

geschrieben am: 27.04.2011 von: mboj



7 Comments

  1. MM

    MM

    28.04.2011 um 18:19

    Leider sind uns die beiden Kommentare abhanden gekommen. Wir arbeiten an der Wiederherstellung.

  2. mboj

    mboj

    28.04.2011 um 18:22

    Hallo Herr Peter,

    im Kern geht es darum Geld weg von Zentralbankpolitik, Währungs- oder Finanzmarktkrisen hin zu anderen Wertebenen, wie zum Beispiel der Zeitbank, zu entwickeln. Das Geld an sich beinhaltet mehrere Funktionen gleichzeitig: Es ist ein Wertmaßstab, ein Tauschmittel und ein Wertspeicher. Genau diese Eigenschaften gilt es mittels Design- Thinking weiter zu entwickeln. Das ist Redesign Geld. Die dazugehörige Vorgehensweise ist die Kombination aus den oben beschriebenen Methoden, übertragen auf den Finanzmarkt. Die Anfänge solcher Entwicklungen sehen wir heute schon auf Plattformen wie Kickstarter, Smava oder der GLS Bank.

    Gruß
    Meike Boj

  3. MM

    MM

    29.04.2011 um 11:06

    Die Wiederherstellung der Kommentare ist leider nicht geglückt. Hier nochmals die 2 Kommentare.

    Frank schrieb:

    toll geschriebener Artikel zu einem, wie ich finde, recht schwer zu greifenden Thema. Aber spannend, keine Frage.

    ———-
    Alex Peter schrieb:

    Hallo Frau Boj,
    ich habe Ihren Beitrag gelesen und nicht wirklich verstanden. Daraufhin habe ich mir den Foliensatz des Vortrags angeschaut und noch weniger verstanden. Das macht mich mißtrauisch, denn aus meinem Studium weis ich, dass immer dann, wenn die Vorträge extrem theorielastig werden die Bodenhaftung verloren geht und häufig dem Publikum “heiße Luft” verkauft wird.

    Bis zum dem Zeitpunkt, an dem ich hier eines Besseren belehrt werde, gehe ich davon aus, dass Frau Schoenian “heiße Luft” verkauft.

    Schöne Grüße
    AP

  4. Alex Peter

    29.04.2011 um 16:38

    Hallo Frau Boj,
    Ich habe den Eindruck, dass die Notenbanken rund um den Globus sich einen Wettkampf liefern. Das Ziel ist den Wert des Geldes zu zerstören. Nimmt man Realgeld wie z. B. Gold als Maßstab, dann sehen wir den immensen Wertverfall der Fiatwährungen. Der Goldpreis entwickelte sich seit dem Ende des Bretton-Woods-System von 35 $ auf über 1500 $. Daran läßt sich sehr leicht zeigen, dass es sich bei dem Finanzsystem um ein instabiles System handelt. Gerade die Ereignisse der letzten Jahre legen einen möglichen Kollaps nahe.

    Möglicherweise ist das bestehende Finanzsystem so korrupt, dass es sich nicht weiterentwickeln läßt.

    Ich denke, dass viele der neuen Ansätze, die ja auch von Ihnen genannt wurden, das nicht ausreichend berücksichtigen. Sie greifen möglicherweise zu kurz und werden bei einem Kollaps des alten Systems mitgerissen.

  5. fsw

    fsw

    02.05.2011 um 10:14

    Im Blog von Herrn Lochmaier findet sich ein interessantes Interview zu diesem Thema mit weiteren Informationen: http://lochmaier.wordpress.com/2011/05/02/interview-wie-real-lasst-sich-geld-redesignen/

    Viele Grüße
    Franz Welter

  6. [...] Ein weiterer Artikel zum Redesign von Geld mit einigen interessanten Leserkommentaren ist auf dem Blog der Volksbank Bühl erschienen. Und heute erschien ebenfalls dort eine Buchreview und ein Interview mit mir zu den [...]

  7. Horst

    01.06.2011 um 16:27

    “Ideen generieren”, “iterative Prozesse”, “redesign” machen das nicht alle normalbegabten Leute schon immer?
    Ist nicht unser Finanzsystem etwas Anderes als das Ergebnis eines Gestaltungsprozesses?
    Gestalten kann man allerdings nur, wenn auch Standpunkte bezogen werden, oder tatsächlich etwas _gewollt_ wird. Davon ist hier nicht viel zu bemerken. Oder hab ich was übersehen?

    “Indem dieses entwerfende Denken – eben Design Thinking – auf das Finanzsystem angewendet wird, werden Ideen generiert, die(…)”

    Leute, das ist doch nicht euer Ernst?



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