Kennen Sie eigentlich die Blue Ocean Strategie? Dabei handelt es sich um einen vielbeachteten strategischen Ansatz, der Wege aufzeigt, aus einem hart umkämpften Markt auszubrechen, indem neue Märkte geschaffen werden. Die neuen Märkte sollen dabei durch einen fundamental neuen Kundennutzen geschaffen werden. Am besten veranschaulichen kann man diesen strategischen Ansatz am Beispiel von Nintendo. Nintendo wird häufig als Beispiel für die Blue Ocean Strategy herangezogen. Mit der Wii hat Nintendo ein komplett neues Steuerungskonzept eingeführt und sich damit nicht nur von Wettbewerbern klar differenziert, sondern auch neue Zielgruppen erschlossen. Menschen, die bisher nie oder kaum Computerspiele spielten, stürzten sich in Massen auf die neue Konsole und sorgten für den gewünschten Erfolg. Könnte so etwas auch in der Bankenwelt funktionieren? Und wenn ja, was wäre der Wii-Controler der Bankenwelt?

Zuerst aber noch ein bisschen Theorie der Vollständigkeit wegen. Die Blue Ocean Strategy geht auf den gleichnamigen Beststeller von W. Chan Kim und Renée Mauborgne zurück. Sie definieren die Blue Ocean Stragey wie folgt:

Blue Ocean Strategy is a way to make the competition irrelevant by creating a leap in value for both the company and its customers.

Eine schöne Zusammenfassung und Erläuterung liefert das folgende Video:

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Was bedeutet dieser Ansatz nun für das Retail Banking? Ist es möglich, den Ansatz der Blue Ocean Strategy in der Bankenwelt umzusetzen? Nintendo hat ein neues Steuerungskonzept eingeführt und damit die Videospielwelt revolutioniert. Ist es möglich, dieses Prinzip auf die Bankenwelt zu übertragen, indem man einen neuen Zugangsweg zum Thema Finanzen schafft?

Neue Kunden zu erreichen ist sicherlich schwierig. Zumindest wenn man Kunden so definiert, dass dies Menschen sind, die Finanzprodukte besitzen oder benötigen. Aber wenn man Kunden nun anders definieren würde, z.B. als Menschen, die sich für Finanzen interessieren und sich gerne damit beschäftigen, dann scheint es doch ein Steigerungspotenzial zu geben. In jedem Fall kann ich in meinem privaten Umfeld feststellen, dass sich viele Menschen nicht mit Finanzen auseinander setzen wollen. Zu kompliziert, zu intransparent, zu langweilig lautet das einstimmige Credo. Könnte man also einen komplett neuen Weg einschlagen, um Menschen dazu zu bewegen, sich gerne mit Finanzen zu beschäftigen?

Wie könnte so ein Ansatz im Retail Banking aussehen? Erste zarte Ansätze wachsen langsam. Die noch nicht gestartete Bank Simple hat sich z.B. auf die Fahne geschrieben, das „Personal Banking neu zu erfinden“. Auf www.banksimple.com kann man deren Vision zumindest schon mal nachlesen. Ob sich hinter den Aussagen nur Marketing-Phrasen oder revolutionäre Ansätze verbergen, bleibt wohl vorerst abzuwarten.

Im Finance 2.0 Blog von Boris Janek wurde ich vor kurzem auf die Movenbank.com aufmerksam. Ein von Brett King gestartetes Projekt. Brett King ist Autor des Buches „Bank 2.0“ und geschätzter Experte rund um das Thema Banking 2.0. Auf der Homepage von Movenbank erwartet uns folgender Slogan in großen Lettern: „No paper. No plastic. No hidden fees. We are creating the third generation of banking experience. Built from the ground up for mobile and online.“ Auch hierbei ist fraglich, ob es sich nur um kantige Marketing-Sprüche handelt oder den Ankündigungen Taten folgen. Brett King wäre es in jedem Fall zuzutrauen, dass er zahlreiche seiner Ideen für potenziell disruptive Innovationen verwirklichen möchte.

Über zahlreiche andere Ansätze, die den Zugang zu Finance-Themen erleichtern sollen, haben wir in diesem Blog schon öfters berichtet. Payoff.com, bobberinteractive.com, die breeze wihlist oder andere PFM-Tools wie mint.com sind nur einige Beispiele dafür. Aber was könnte denn nun die Zauberformel sein, die das Retail-Banking im Internet neu erfindet?

Extrem einfach, transparent, mobil, sexy und verspielt könnte die Antwort lauten. Fast alle dieser neuen Ansätze versuchen die Komplexität zu reduzieren und setzen auf wahnsinnig übersichtliche und stylische Oberflächen. Nach dem Motto „mobile first“ werden die Dienste meistens von Grund auf für die mobile Nutzung designt und spielerische Elemente werden in immer mehr Anwendungen integriert. Aber reicht das für einen blauen Ozean oder ist „einfach, transparent, mobil, sexy und verspielt“ nur eine weitere Nische in der Bankenwelt? Springt die Generation google+ auf solche Bankmodelle an? Was denken Sie?