Beim Durchstöbern des App Stores bin ich auf eine App namens ELAXY Vorsorge gestoßen. Da mir das Programm ELAXY aus meinen früheren Beratungstagen noch ein Begriff war und die App kostenlos ist, habe ich sie mir einfach mal geladen. Sinn und Zweck der App ist es, die Steuervorteile aus dem Bürgerentlastungs- und dem Alterseinkünftegesetz zu ermitteln und diese dann steuerbegünstigt in Altersvorsorgeprodukte zu reinvestieren. Da bisher nur wenige Bewertungen und Rezensionen existieren, möchte ich die App anhand meiner Erfahrungen mal vorstellen und bewerten.

Direkt nach dem Start der App, landet man in der Eingabemaske „Ihre Daten“. Dort werden persönliche Daten wie Geburtsdatum, Familienstand, Einkommen und Details zur Krankenversicherung abgefragt. Lobenswert ist, dass das Einkommens wahlweise monatlich oder jährlich, sowie brutto oder netto angegeben werden kann.
 

Nach einem Klick auf „Förderung berechnen“, wird das Förderpotenzial laut Alterseinkünfte- und Bürgerentlastungsgesetz berechnet. Die anschließende Darstellung der „Staatlichen Förderung bis zum Rentenbeginn“ finde ich gut gelungen. Zum einen wird diese in einem Gesamtbetrag und zum anderen in einem durchschnittlichen Monatsbetrag dargestellt. Wenn man auf den Info-Button drückt, erhält man eine kurze Erklärung, woraus sich die beiden Förderbeträge jeweils zusammensetzen. Was mir aber hier fehlt, ist eine Änderung des Renteneintrittsalters. Ich gehe davon aus, dass die App anhand des eingegebenen Geburtsdatums das gesetzliche Renteneintrittsalter hinterlegt, schöner wäre aber, dies auch anzuzeigen und im besten Fall manuell ändern zu können.

   

 Nach dem Drücken auf den Button „Altersvorsorge investieren“ zeigt das Programm die Vorsorgewege an, die es im Hintergrund berechnet (betriebliche Altersvorsorge, Riester-Rente, Rürup-Rente, private Rentenversicherung). Dies geht in der Regel recht zügig, nur bei einem Test dauerte die Berechnung mit etwas über 30 Sekunden doch recht lange, was mit einem schlechten Netzempfang zusammenhängen könnte. Denn hier liegt auch ein Problem dieser App, eine Internetverbindung wird zwingend vorausgesetzt, sonst bricht die App im Erfassungsbildschirm ab.

Auf dem nächsten Bildschirm wird dann der Altersvorsorgeweg (z.B. betriebliche Altersvorsorge) mit dem monatlich in das Produkt zu investierenden Betrag angezeigt, der aufgrund der Steuerersparnisse aus dem Alterseinkünfte-, Bürgerentlastungsgesetz und auch der eigentlichen steuerlichen Absetzbarkeit des Produktes unter dem Strich keinen Eigenbeitrag erfordert. Außerdem wird eine monatliche Rente als „Ihr Geschenk vom Staat“ angepriesen.

Mit einem Klick auf „Jetzt sparen“ wir automatisch eine übersichtliche Email mit allen Steuerersparnissen, Empfehlungen und Grafiken erstellt. Anbei befindet sich auch eine XML Datei, die in das eigentliche ELAXY Programm auf dem Computer importiert werden kann, sowie ein Link zum Erwerb ELAXY Vollversion in der Makler-Edition. Auffällig ist, dass in den meisten meiner Testfälle eine betriebliche Altersvorsorge als Lösungsvorschlag angeboten wurde. Prinzipiell mag das zwar die beste Möglichkeit sein, steuersparend für das Alter anzulegen, wünschenswert wäre hier aber auch abzufragen, welches Altersvorsorgeprodukt man denn schon hat. Da ich persönlich schon eine betriebliche Altersvorsorge habe, wäre für mich interessant, welcher andere Vorsorgeweg sich danach steuerlich noch lohnt. Darüber hinaus kann es ja vorkommen, dass jemand eine betriebliche Altersvorsorge gar nicht möchte, was hier jedoch leider nicht berücksichtigt wird.

In der Betrachtung der Riester-Rente wird die direkte persönliche Förderung (immerhin 154,- EUR jährl.), sowie eventuelle Kinderzulagen (je nach Alter des Kindes 185,-/300,- EUR jährl.), komplett unterschlagen. Gerade bei niedrigeren Einkommen können diese Werte die Gesamtförderung einer betrieblichen Altersvorsorge aber auch schlagen. Grundsätzlich ist das Ziel der App zwar die Betrachtung der Steuerersparnis aus dem Alterseinkünfte- und Bürgerentlastungsgesetz, doch hätte man zumindest die direkte Förderung bei Riester mal erwähnen können.

Ein weiterer negativer Punkt ist die allgemeine Intransparenz der App. Zwar wird einem angezeigt, dass alle Förderwege berücksichtigt werden, aber einen Vergleich zwischen diesen kann man danach nirgendwo finden. Es wäre doch wünschenswert, eine Übersicht einzubauen, bei der man sehen könnte, welcher Vorsorgeweg um welchen Betrag besser ist, um sich vielleicht auch selbst für einen Weg zu entscheiden, der „weniger Ersparnis“ bringt, dafür aber einen Vorteil in der Vertragsgestaltung bietet.

Nicht nachvollziehbar ist leider, wie sich die Höhe der in der Lösung angegebenen monatlichen Rente zusammensetzt. Einzig der Hinweis,  „bei einem Abschuss (kein Schreibfehler meinerseits, so steht es in der App) der empfohlenen Produkte steht Ihnen zu Rentenbeginn eine vollständig durch staatliche Fördermittel finanzierte Rente zur Verfügung“, ist zu finden. Mit welchem Zinssatz die Rente errechnet worden ist, bleibt ein Geheimnis der Entwickler.  Wenn nun als Lösungsweg die Riester-Rente angegeben wurde, kommt es zwangsläufig zu einem groben fachlichen Schnitzer, denn dann kann die Rente aufgrund der unberücksichtigten direkten Zulagen (die bei zwei Kindern mehrere tausend Euro ausmachen kann) sowieso nicht stimmen. Hier wäre, wie oben schon erwähnt, mindestens ein Hinweis angebracht.

Als Fazit sei gesagt, dass diese App für jemanden interessant sein kann, den die Steuerersparnis aus dem Alterseinkünfte- und Bürgerentlastungsgesetz interessiert. Eine Empfehlung, welcher Vorsorgeweg für ihn der Richtige ist, sollte er sich lieber von einem Berater seines Vertrauens errechnen und vergleichen lassen, denn hier hat die App akuten Nachholbedarf. Dennoch, reinschauen lohnt sich, schließlich ist die App (noch) kostenlos.