Location Based Services 2.0?!

Die Entwicklung des Internets ist sehr rasant verlaufen und es ist nicht zu bestreiten, dass diese auch enormen Einfluss auf unser Kommunikationsverhalten genommen hat. Früher musste man noch in ein Café oder eine Bar gehen, um Freunde zu treffen oder neue Menschen kennen zu lernen, heute findet der Großteil von Kommunikation über die sozialen Netzwerke statt. Der Begriff „sozial“ kommt von lateinisch „socius“ und bedeutet so viel wie gemeinsam oder verbunden. Diese Verbundenheit fand in den Zeiten vor dem sozialen Netzwerkboom auf klassische Weise „face-to-face“ statt. Beim heutigen Netzwerken wird hauptsächlich über Bildschirme kommuniziert. Die moralische Frage dahinter ist, ob das auch der Sinn von sozialem Umgang ist, beziehungsweise ob die virtuelle Kommunikation über dem direkten Miteinander stehen sollte.

Neben dem privaten Bereich ist es gerade in der Dienstleistungsbranche in manchen Situationen doch sehr wichtig, mit dem Kunden vor Ort und direkt zu kommunizieren. Denn die persönliche Wirkung in einem Gespräch macht doch das gewisse Etwas aus, das über einen Bildschirm nicht unbedingt übermittelt werden kann. In der realen Welt ist es ja auch so, dass man sich zwar über die sozialen Netzwerke vielleicht kennen lernt, der entscheidende Eindruck entsteht allerdings erst bei einem realen Treffen. Ein großer Vorteil der sozialen Netzwerke ist, dass man selbst darüber entscheiden kann, wie viel Information über einen selbst man einem bestimmten Personenkreis zur Verfügung stellt. Entsprechend ist demnach der Zugang zu diesen Informationen von Interesse, da man auf einen Blick bestimmte Gemeinsamkeiten entdecken kann, was einem Gespräch ein geebneten Fundament bereiten kann. Das wiederum kann die Erfolgsquoten einer erfolgreichen Zusammenkunft deutlich erhöhen.

Die TechCrunch Distrupt Cup Gewinner 2011 Applikation „Shaker“ bietet diese Entscheidungsfunktion, sprich wie viele Informationen über die eigene Person gebe ich in diesem Fall „Fremden“ zur Verfügung um in ein Gespräch zu kommen. In einer virtuellen Bar ist es möglich neue Leute kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Bei der Wahl seines virtuellen Ichs, entscheidet man sich gleichzeitig für einen bestimmten „sharing level“, sprich welcher Teil des Profils sichtbar ist. Dieser reicht von den Basic Infos bis hin zu vollständigen Alben.

Shaker:

Ob der virtuelle Drink eine ähnliche Zufriedenheit bringt, sodass man sagen kann: „Wow war das ein Abend auf Shaker!“ , ist allerdings eine andere Frage und wird allenfalls den ganzen Partnervermittlungsportalen in die Quere kommen. Die Idee dahinter ist meiner Ansicht aber genial. Es wäre eine denkbar kluge Sache, die sozialen Portale dazu zu benutzen, dass Menschen mit gemeinsamen Interessen zueinander finden und sich im realen Leben zusammensetzen. Gerade bei Geschäftsmodellen, bei denen es auf die Kundennähe ankommt, wie beispielsweise den Regionalbanken. Aber auch andere ortsansässige Kleinbetriebe, die ihre Kundschaft hauptsächlich aus der näheren Umgebung generieren, könnte dies eine Chance sein, mehr Kunden anzusprechen oder auf sich aufmerksam zu machen.   Die ersten Entwicklungen und damit Unterstützungen haben die bereits vorgestellten standortbasierten Dienste (sogenannte Location Based Services, kurz LBS) dahingehend geleistet, dass mobile Menschen via Smartphone auf bestimmte  Angebote in ihrer Umgebung aufmerksam gemacht worden sind oder auch sehen konnten, wer vielleicht von seiner Freundesliste diese gerade nutzt und wo er sich befindet.

Die ständige Konnektivität hat mehr als alle anderen Trends dazu beigetragen, dass soziale Netzwerke integriert werden. Egal wohin man geht, Smartphones helfen uns jederzeit mit Familie und Freunden oder auch Geschäftspartnern und Kollegen in Verbindung zu bleiben. Aber „staying connected“ ist nicht dasselbe, wie sich Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen. Auch der Branchenprimus Foursquare bei den Location Based Services bleibt hinter seinen Erwartungen zurück, wenn es darum geht, die Verbindung von online Kontakten in direkte Interaktion von Mensch zu Mensch umzuwandeln. Der sogenannte „Check-In“ beruht auf dem Mythos der glücklichen Verbindung. Man checkt sich sozusagen an einem Ort ein, ein sich in der Nähe befindender „Freund“ sieht dies und entschließt sich dazu, sich dieser Person anzuschließen. Allerdings geschieht dies in der realen Welt leider noch viel zu selten, da es noch zu viele Hürden gibt wie zum Beispiel schlechte Netzverbindungen, fehlendes Interesse an der permanenten Nutzung dieser Dienste oder verpasste Chancen im Sinne von zu spät bemerken.Wie sieht also einerseits die Weiterentwicklung der sozialen Netzwerke und wie andererseits die der User aus?

Die letzte Periode war geprägt davon, dass Facebook und andere soziale Netzwerke sich darauf fokussiert haben, dass der Nutzer seine Beziehungen und Verbindung dokumentiert hat und mitteilt. Das, was er gerade macht oder gemacht hat, weitergibt. Diese Beschäftigung ist nun auch als neues Highlight bei Facebook als Chronik (Timeline) zu bewundern. Auch Twitter und Foursquare sind darauf bedacht zu berichten, was gerade passiert. Die Vergangenheit und Gegenwart ist also bereits im Netz, daher ist der Fokus der sozialen Netzwerke jetzt auf die Zukunft des Users zu richten. Wohin wirst du gehen? Wen willst du treffen? Was willst du dir kaufen? Beim Teilen der eigenen Pläne und Wünsche ermöglichen wir die real-world Interaktionen. Zum Beispiel, wenn man einen Check-In ankündigen kann, schieben wir das Paradigma „Ich bin jetzt hier“ in „Ich werde später hier sein“. Das steigert die Wahrscheinlichkeit der direkten Interaktion. Die Applikation foreca.st von Hurricane Party. ermöglicht es den Nutzern, ihren Freunden und Bekannten ihre Absichten in naher Zukunft (bis eine Woche im Voraus) mitzuteilen. Sozusagen Foursquare 2.0, denn man teilt nicht nur seine Orte an denen man sich aller Voraussicht nach befinden wird, sondern kann dann zu dem gewünschten Zeitpunkt auch via Anwendung einchecken. Im Gegensatz zu den standortbasierten Anwendungen der ersten Generation wie Gowalla, Foursquare und Co., könnte dieser Dienst ein erster Schritt in Richtung zukunftsorientierter Kommunikation sein. Kommunikation einerseits im Sinne von zwischenmenschlichen Unterhaltungen und vor allem andererseits im Sinne zukunftsorientiertem Marketing, da man weis, wann der Kunde an welchem Ort ist.  In das Bemerkungsfeld können genauere Informationen eingetragen werden. Es besteht zudem die Möglichkeit, sein Dasein über Facebook oder Twitter bekannt zu geben. Anmelden kann man sich in die bei foreca.st per Foursquare Account oder man registriert sich einfach neu. Genaue Informationen oder Beispiele finden Sie aber auch unten in dem Video:

Die Weiterentwicklung der LBS ist also im vollen Gange und das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Die Chancen sind enorm gerade für die Unternehmen, die schon auf den standortbasierten Marketingtrend aufgesprungen sind. Denn zukunftsorientierte Check-Ins ermöglichen ganz neue Werbestrategien. In wie weit dahingehend eine Anpassung und Umsetzung datenschutzrechtlich möglich ist, bleibt allerdings auch abzuwarten. Aber nicht nur im Marketingbereich ist der Trend interessant, auch auf kultureller und sozialer Ebene. Ist der Trend stark genug um von der „screen-to-screen“-Kommunikation zurück zur klassischen Unterhaltung zu kommen? Meiner Meinung nach sehr wage, da ein Großteil der Unterhaltungen nur kurz sind und somit enorm Zeit und Kosten eingespart werden. Aber andererseits ist eine entsprechende Kombination von beidem der goldene Schlüssel, bei dem in vielen Unternehmen noch gewaltiges Potential und Optimierungsmöglichkeiten vorhanden sind. Wie ist Ihre Meinung zum Thema Future Check-Ins? Wie wird sich Ihrer Meinung nach das Kommunikationsverhalten weiterentwickeln?

MTJ

geschrieben am: 01.02.2012 von: MTJ



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