In dem Blog-Beitrag meiner Kollegin Meike Boj ging es vor zwei Wochen um die These: „Wird die Bankfiliale überleben?“ (Link zum Artikel). Meiner Ansicht nach wird die Filiale überleben, sie muss sich nur neu erfinden. In diesem Beitrag möchte ich mal eine persönliche Zukunftsvision zur Diskussion stellen, wie könnte die Filiale der Zukunft eigentlich aussehen. Manches existiert schon, manches ist (noch) unvorstellbar. Aber waren das nicht viele Dinge, die für uns heute alltäglich sind?

Stand heute:
In den meisten Filialen der Gegenwart wird man durch einen Vorraum, meist der SB Bereich mit Geldautomaten, Kontoauszugsdruckern und anderen SB-Geräten direkt in den Schalterbereich geleitet. Dort wird man dann durch das Servicepersonal betreut oder von einem Kundenberater zum Termin abgeholt. Überall hängen Werbeplakate, es liegen Flyer aus, ab und zu gibt es auch einen Fernseher, auf dem Nachrichten oder aktuelle Angebote der Bank angezeigt werden.

Zukunftsvision:
Stellen Sie sich vor, Sie schlendern durch die Einkaufsstraße direkt an Ihrer Bank vorbei. Auf einmal wird im Schaufenster eine Animation eines Einfamilienhaus eingeblendet. Da Sie sich ja bekanntlich dafür interessieren, bleiben Sie stehen. Sofort beginnt der virtuelle Rundgang durch das Haus und durch den großzügig angelegten Garten und Sie geraten ins Träumen. Da Sie das Haus gerne Ihrem Mann, der momentan noch bei der Arbeit ist, zeigen wollen, sprechen Sie einfach „Bitte meinem Mann schicken“. Sofort darauf wird auf dem Bildschirm die Frage eingeblendet, ob an die geschäftlichen oder die privaten Kontaktdaten Ihres Mannes. Mit „geschäftlich“ bestätigen Sie den Auftrag. Sofort erscheint eine persönliche Nachricht: „Vielen Dank Frau Mustermann, wir haben das Exposé an Ihren Mann verschickt!“.

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(Das ist heute schon möglich – Video vom Besuch des GAD Innovationsforums 2011)

Mithilfe des Iris-Scanners wird es in Zukunft sehr einfach sein, direkt auf den Kunden einzugehen. Vertrieblich als Bank würde man Sie im nächsten Schritt über aktuelle Fördermöglichkeiten informieren (schließlich sind Sie aktuell ja schwanger und erwarten das erste Kind). Des weiteren werden Sie gefragt, ob Sie einen Termin zusammen mit Ihrem Mann bei einem Baufinanzierungsberater wünschen. Da Ihr Mann ja für gewöhnlich in einer halben Stunde mit der Arbeit fertig würde, könnte man Ihnen einen Termin in einer Stunde anbieten. Damit Sie nicht extra wieder nach Hause fahren müssen und um die Zeit angenehm zu überbrücken, wird Ihnen ein Bekleidungsgeschäft ganz in der Nähe empfohlen (diese Information hat man aus Ihren Interessen bei Sozialen Netzwerken), bei dem Sie als Genossenschaftsmitglied einen 15%igen Rabatt bekommt. Ihren Mann benachrichtigt man natürlich umgehend über den anstehenden Termin per Sofortnachricht an sein Mobile Gerät. Diesen Tipp nehmen Sie natürlich gerne an und finden auch etwas in dem empfohlenen Geschäft. Als Sie das Geschäft verlassen, erscheint an der Glasscheibe als Projektion „Vielen Dank für Ihren Einkauf Frau Mustermann – Ihr Rabatt wurde berücksichtigt – Ihre Volksbank“. Bezahlt wird in Zukunft weder an Kartenzahlungsterminals und weder per Handy. Am Ausgang jedes Geschäftes stehen Iris Scanner und jedes Produkt ist mit einem Sensor ausgestattet, somit geht das Bezahlen mit Verlassen des Geschäftes ohne lästiges Anstehen.

Auf einmal leuchtet Ihre Uhr auf und das Ziffernblatt verschwindet, um Sie zu informieren, dass Ihr Mann soeben bei der Bank angekommen ist. Als Sie auf Ihn treffen, betreten Sie die Bank, der SB Bereich ist verschwunden, Geldausgabeautomaten gibt es nicht mehr, da Bezahlungen nur noch bargeldlos erfolgen. Kontoauszugsdrucker sind auch schon lange nicht mehr vorhanden, da man auf alles elektronisch und von zu Hause aus Zugriff hat. An den Wänden hängen auch keine Plakate mehr, sondern Displays, die Sie mit Namen begrüßen, die Animation des Einfamilienhauses mit spielenden Kindern noch einmal zeigen und Sie darauf hinweisen, dass der Berater benachrichtigt wurde und Sie gleich empfängt. Dieser wird natürlich mit Bild und Namen eingeblendet. Nachdem er Sie im Foyer abgeholt und in eine separates Beratungszimmer gebracht hat, setzen Sie sich an einen Tisch mit großem versenktem Display. Ihr Lieblingsgetränk steht schon bereit. Der Raum ist modern, aber schlicht eingerichtet und strahlt dezent in Ihrer Lieblingsfarbe. An den Wänden sind wieder Displays zu sehen, bei denen das Haus jetzt nicht in einer Animation läuft, sondern auf jedem ein anderer Teil des Hauses statisch eingeblendet ist, versehen mit jeweils einem anderen Wort, wie z.B. Unabhängigkeit, Lebensfreude, Kinderträume. Dazwischen sehen Sie einen großen Bildschirm, der Sie im Namen der Volksbank persönlich mit Namen begrüßt.

Die Beratung erfolgt anhand des überdimensionalen Touchdisplays, welches versenkt im Tisch ist. Sie sind angehalten dort bestimmte Details der Finanzierung gemeinsam mit Ihrem Berater an Ihre Wünsche anzupassen. Dies passiert alles völlig frei von vorhandenem Fachwissen, einfach, aber intuitiv dargestellt. Eingaben erfolgen entweder per Touch oder per Sprachbefehl. Die Ergebnisse werden grafisch schön aufbereitet auf dem großen Monitor auf der Wand gezeigt.
Da Sie nun in Echtzeit auch eine Empfehlung von einem Ihrer Freunde aus einem Sozialen Netzwerk eingeblendet bekommen, dass dieser mit dem Berater bei seiner Finanzierung sehr zufrieden war, fassen Sie Vertrauen in den Berater und bestätigen die Annahme seines Vorschlages per Sprachbefehl. Die Identifizierung erfolgt wieder für Sie nicht sichtbar per Iris Scanner. Eine Kopie der soeben zugestimmten Vertragsunterlagen und eine Animation der eben erworbenen Immobilie erhalten Sie gerade auf Ihr mobiles Endgerät. Eine Prüfung der Kreditfähigkeit und bankrelevanter Daten erfolgte in Echtzeit und für Sie nicht sichtbar vollautomatisch im Hintergrund.
Mittlerweile haben sogar schon zwei Freunde zu Ihrer neuen Immobilie gratuliert.

Da ein guter Berater eine gesamtheitlichen Beratungsansatz wählt, bittet er Sie um Zugriff auf Ihre bisherigen Versicherungsunterlagen, um Ihre bisherigen Unterlagen auf die neue Situation (Immobilie / erstes Kind) anzupassen. Ihr Mann gestattet dem Berater unbeschränkten Zugriff auf Ihre Daten per Sprachbefehl. Durch den Iris Scan wird er wieder einwandfrei identifiziert. Denn in der Zukunft wird es keine Versicherungsordner mehr geben, sondern alle Daten liegen zentral abgespeichert in der Cloud. Somit hat der Berater nun die Möglichkeit alle Daten in sein Beratungsprogramm zu übertragen. Da die Beratung nun doch schon etwas länger gedauert hat, möchten Sie die weiteren Dinge in einem Folgetermin besprechen. Dieser wird automatisch im Hintergrund abgestimmt und mit allen drei Kalendern abgeglichen, kein Mensch braucht sich in Zukunft mehr darum zu kümmern.

Als Sie sich verabschieden und wieder durch das Foyer laufen, sehen Sie unbewusst auf den Bildschirmen an der Wand spielende Kinder im Garten. Dazu erscheint das Foyer nun in einem dezenten, aber doch saftigen grasgrün. Eine Bestätigung für Sie, alles richtig gemacht zu haben. Die automatischen Türen, auf denen ein „Liebe Familie Mustermann, wir gratulieren Ihnen recht herzlich zu Ihrer neuen Immobilie – Ihre Volksbank“ steht, öffnet sich und Sie gehen zufrieden nach Hause.

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(Das ist heute schon möglich – Video vom Besuch des GAD Innovationsforums 2011)

Was meinen Sie, wird es soweit kommen? Werden wir irgendwann nur noch bargeldlos zahlen? Werden wir überall erkannt und persönlich angesprochen werden? Und vor allem, spielt denn der Datenschutzbeauftragte da überhaupt mit?
Ich freue mich, über Ihre Meinungen!