In meinem letzten Beitrag habe ich über die Generation Y berichtet. Es ging darum, wer sie ist, was sie antreibt und welche Werte für sie gelten. In dem zweiten Teil stelle ich mir nun die Frage, was in den einzelnen Unternehmen bereits getan wird, um die Millenials im Unternehmen zu halten. Wie reagiert man auf diese Generation? Und kann man eventuell verschiedene Modelle auch auf Finanzinstitute übertragen?

Eine sehr interessante Studie zu dem Thema Mitarbeiterbindung bietet der „Gallup Engagement Index.“ Es wurden 1.323 Arbeitnehmer, die mindestens 18 Jahre alt sind und aus diversen Branchen kommen, telefonisch befragt. Der Index wird jährlich erhoben und zeigte für das Jahr 2011 eine erschreckende Erkenntnis. Die Studie ergab, dass sich gerade einmal 14% der Arbeitnehmer in Deutschland mit dem Unternehmen emotional verbunden sehen. Bei ca. 63% gibt es nur eine geringe emotionale Bindung zum Unternehmen und jeder Vierte hätte demnach schon die gefühlsmäßige Kündigung unterschrieben. Überträgt man diese Erkenntnisse nun auf die Generation Y, so würde dies zu den Vorurteilen aus der PwC Studie passen, nämlich sehr wechselbereit und unloyal gegenüber dem Arbeitgeber zu sein. Doch wie kann man diese doch so scheinbar hart umworbenen und wichtigen Nachwuchskräfte und Leistungsträger der Zukunft in den eigenen Reihen halten? Wie stellen sich teilweise schon manche Unternehmen auf die Forderungen nach Flexibilität, Transparenz, Mitspracherecht & Co. ein?

Sehen Sie hierzu einige Beispiele:

Telekom: Für Millennials sind es häufig nicht nur Statussymbole wie das Geschäftshandy, der Laptop oder der Firmenwagen, die den Unterschied bei der Wahl des Arbeitgebers, ausmachen. Immaterielle Dinge wie beispielsweise die flexible Arbeitszeiten, können weitaus ausschlaggebender sein. Der Netzbetreiber Telekom versucht mit einem Vertrauensarbeitszeit-Modell seinen Mitarbeitern genau dies zu bieten.

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Google: Der Internetriese, der auch in diesem Jahr zum IT-Arbeitgeber des Jahres gewählt wurde, strotzt nur so vor Gratifikationen für seine Mitarbeiter. Den Arbeitnehmern soll so viel Spaß wie möglich bei der Arbeit vermittelt werden. Statt Aufzügen kann man direkt über eine Leiter in das nächste Büro krabbeln oder nimmt die Rutsche. Zwischen seinen Meetings ist es zudem möglich, eine Runde Tischtennis zu spielen oder mit dem Hund, den die Mitarbeiter mitbringen dürfen, spazieren zu gehen. Die schmutzige Wäsche kann übrigens auch direkt in der hauseigenen Wäscherei abgegeben werden, um sie nach Feierabend wieder mit nach Hause zu nehmen. Der Hauptsitz in Mountain Few, Kalifornien wird nicht umsonst liebevoll als „funhouse office“ bezeichnet, sehen Sie selbst:

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Microsoft: Der Softwareriese Microsoft belegt im Trendence Graduate Barometer 2012 -Europe Platz 3, hinter Apple und Google. Laut einer firmeninternen früheren Umfrage erfreuen sich die Arbeitnehmer vor allem an einem lockeren Betriebsklima und dem gelebtem Führungsstil. Die Meinung der Mitarbeiter stehe bei den Führungskräften hoch im Kurs, man lobe auch die Transparenz bei der Bezahlung und dem Bonussystem. Neben der Arbeit soll der Spaß auch nicht zu kurz kommen. So bietet Microsoft  in verschiedenen Lounges und Räumen seine XBox-Spielekonsolen zur Nutzung für seine Angestellter an. Aber auch was die Einrichtung der einzelnen Büros angeht, versucht Microsoft mit Kunst und Moderne Zeichen zu setzen. Conference-Call Räume sollen den Mitarbeitern jeder zeit Meetings per Webcam ermöglichen:

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IBM Deutschland: Der Trend „Bring your own device“ beschreibt die Nutzung privater Smartphones, Tablets, Notebooks, etc. am Arbeitsplatz. Dies könnte bald eine Forderung bei den Millennials werden und laut einer Umfrage ist es bereits in einigen Unternehmen in Deutschland möglich, sein privates mobiles Endgerät geschäftlich zu nutzen. Der Vorteil für die Mitarbeiter ist, dass sie beispielsweise ihre gewohnten Smatphones oder Notebooks  benutzen können. Für den Arbeitgeber könnte es Kosten für die Anscaffung neuer Geräte sparen. Neben den Vorteilen, sind der Sicherheitsaspekt und der teilweise enorme IT-Aufwand kritisch zu betrachtende Punkte. Bei dem Trend befinden sich private und geschäftliche Daten auf einem mobilen Endgerät, was ein erhöhtes Risiko an Datenverlust und Datenmissbrauch darstellt.

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Die Herausforderung, Mitarbeitern ein angenehmes Umfeld zu schaffen und sie dadurch an ein Unternehmen zu binden, gibt es sicherlich nicht erst seit der Generation Y. Doch meiner Meinung nach haben sich die Ansprüche und Prioritäten geändert. Es sind nicht nur materielle Güter, die den Mitarbeiter an das Unternehmen binden, sondern vielmehr  Dinge wie Transparenz, Flexibilität und Eigenverantwortung. Aber bestehen nicht auch Risiken darin, den Millennials gleich alle Freiräume zu bieten, nach denen sie verlangen? Zu früh zu viel Verantwortung, kann letztendlich auch schief gehen. Auch im Bereich Flexibilität kommen viele Unternehmen schnell an ihre Grenzen, sei es durch gesetzliche Auflagen, Tarifregelungen oder Kapazitäten. Hinter vielen dieser aufgezeigten Lösungen, beispielsweise einem Fitnessstudio oder kreativen und modernisierten Umbauten stecken enorme Kosten, die für viele Großunternehmen zwar teilweise gut tragbar sind, für viele kleine und mittelständische Unternehmen aber kaum realisierbar sein werden. Wie können also gerade diese Klein- und Mittelbetriebe im sogenannten „War for Talents“ gegenüber den Großunternehmen bestehen? Ein großer Vorteil könnte dabei die Individualität des Einzelnen sein, die deutlich stärker zum Tragen kommt als beispielsweise bei einem großen Unternehmen. Die Tätigkeitsbereiche können in kleineren Betrieben oft umfangreicher sein und es wäre somit früher möglich, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Abschließend hängt es aber von dem einzelnen Arbeitnehmer selbst ab, ob er sich an seinen Arbeitgeber emotional binden kann oder nicht. Dies muss nicht unbedingt von der Größe des Unternehmens und den zur Verfügung gestellten Gratifikationen abhängen. Ein attraktives Anreizsystem zu finden, das eine Art goldenen Mittelweg beinhaltet, ist meiner Meinung nach keine leichte Aufgabe. Was wird in Ihrem Unternehmen bereits getan, um Mitarbeiter (emotional) an das Unternehmen zu binden?