Von disruptiven Innovationen wird in der Finanzdienstleistungsbranche in den letzten Jahren sehr häufig gesprochen. Darunter versteht man Innovationen mit – im wahrsten Sinne des Wortes – zerstörerischem Charakter. Zum Beispiel für das eigene Geschäftsmodell. Aber welche disruptive Innovationen bedrohen das Geschäftsmodell der Banken? Und was ist eigentlich genau das Problem mit diesen disruptiven Innovationen?

Clayton Christensen (Professor Harvard Business School) wird häufig als einer der Vordenker genannt, der den Begriff der disruptiven Innovationen maßgeblich geprägt hat. In seinem  Buch „The Innovator´s Dilemma“  beschreibt Christensen das Konzept der disruptiven Innovationen und geht auf das Dilemma im Umgang mit diesen Innovationen ein. Aber bevor ich an dieser Stelle sein Buch mehrfach zitieren muss, um das Konzept der disruptiven Innovationen zu erklären, lassen wir ihn lieber selbst zu Wort kommen.

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Eine disruptive Innovation ist also keine Innovation, die ein bestehendes Produkt einfach nur verbessert. Eine disruptive Innovation basiert häufig auf einer Technologie,…

… die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung möglicherweise vollständig verdrängt. Disruptive Innovationen sind meist am unteren Ende des Marktes und in neuen Märkten zu finden. Die neuen Märkte entstehen für die etablierten Anbieter in der Regel unerwartet und sind für diese, besonders aufgrund ihres zunächst kleinen Volumens/ Kundensegmentes uninteressant. Sie können im Zeitverlauf ein starkes Wachstum aufweisen und vorhandene Märkte bzw. Produkte und Dienstleistungen komplett oder teilweise verdrängen. (Quelle: Wikipedia)

In der Geschäftswelt gibt es zahlreiche Beispiele, die deutlich machen, vor welchen Herausforderungen Unternehmen beim Umgang mit disruptiven Innovationen bestehen. Einige Beispiele wurden von Christensen im Video genannt. Ein häufig zitiertes Beispiel ist der Wettbewerb zwischen Kodak und Fuji. Kodak hatte im Wettbewerb gegen Fuji sogar die besseren Karten in der Hand. Beide Unternehmen haben den radikalen Wandel auf sich zukommen sehen, aber Kodak hat es nicht geschafft, sein bestehendes und hochprofitables Geschäftsmodell so radikal in Frage zu stellen, wie es vielleicht notwendig gewesen wäre (ein paar weitere Infos zu diesem Fall gibt es z.B. hier und hier).

Aber was sind denn nun potenzielle disruptive Innovationen für die Finanzdienstleistungsbranche? McKinsey hat in einer kürzlich veröffentlichten Studie 12 potenzielle disruptive Technologien untersucht und deren wirtschaftliche Auswirkungen geschätzt.

Quelle: McKinsey Global Institute

Und alleine die ersten beiden aufgeführten Technologien, das Mobile Internet und die Automatisierung von Wissensarbeit, haben es in Bezug auf mögliche Auswirkungen für die Finanzdienstleistungsbranche in sich. Beide Themen sind heute zwar schon in der Finanzwelt angekommen und Banken bemühen sich zumindest um Mobile Banking Services oder z.B. Selbstberatungstools bzw. Do-it-yoruself-Banking-Tools im Internet. Viele dieser Angebote kommen aber von Start-Ups oder von Non- und Near-Banks und nicht von den Banken selbst. Warum eigentlich? Vielleicht weil es schmerzt, das eigene Geschäftsmodell radikal in Frage zu stellen?

Insbesondere die Automatisierung von Wissensarbeit dürfte die Finanzdienstleistungsbrache in den nächsten 10-20 Jahre noch vor einige Herausforderungen stellen. Andrew McAfee hat einen spannenden Vortrag zur Automatisierung von Wissensarbeit gehalten. Er geht darauf ein, warum uns nach der „Revolution der Muskelarbeit“ (industrielle Revolution) die „Revolution der Wissensarbeit“ bevorsteht.

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Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen, Trends und neuen Technologien forderte Gunter Dueck vor kurzem in unserem Blog, dass sich Banken neu erfinden müssten. Die spannenden Fragen werden sein:

  • Wie groß ist das disruptive Potenzial hinter den Trends Mobiles Internet und Auotmatisierung von Wissensarbeit wirklich?
  • Stellen die betroffenen Akteure in diesem Kontext ihre bestehenden Geschäftsmodelle radikal genug in Frage?
  • Richten Banken vor dem Hintergrund der Finanzkrise, neuen regulatorischen Anforderungen (SEPA, Basel III usw.)  und schwierigen Wettbewerbsbedingungen überhaupt ihren Fokus darauf, diese Trends zu identifizieren und haben sie die Kultur sowie die Ressourcen, um entsprechend reagieren zu können?