Ende letzten Jahres hat Wibke Ziegler über die Blockchain-Technologie gebloggt. In diesem Artikel soll es jedoch nicht wieder über die technischen Hintergründe gehen, sondern darüber was aus dem damaligen Hype um das Startup R3CEV wurde, die vorhatten, mit vielen Großbanken etwas mit der Blockchain Technologie zu machen. Wer mit dem Begriff Blockchain noch nichts anfangen kann , sollte sich vorher definitiv diesen Artikel durchlesen.

„Blockchain hat das Zeug dazu, Swift abzulösen.“ „Ganze Geschäftsbereiche traditioneller Banken könnten durch Blockchain überflüssig werden.“ Solche und ähnliche Aussagen haben  einen riesigen Wirbel um das bei Bitcoin-Transaktionen verwendete System ausgelöst. Als dann 45 Großbanken im R3CEV Startup aktiv wurden, war klar, dass Blockchain kein Hirngespinst von den Anhängern diverser Krypto-Währungen mehr ist, sondern tatsächlich das nächste ganz große Ding werden könnte. Plötzlich wurde es zu einer ernstzunehmenden – für Banken vielleicht sogar bedrohlichen – Technologie erklärt, deren Anwendungsgebiete und Potentiale es zu erkunden galt.

R3 Chefingenieur Richard Gendal Bown hat Anfang April die ersten Details zu „Corda“ gebloggt. Corda, so soll das System heißen, welches R3 auf die Beine stellt und von dem so viel erwartet wird.  Während Blockchain-Anhänger enttäuscht sind, weil sie eine disruptive Innovation erwartet haben, die die Bankenlandschaft durchrütteln sollte, können sich die Banken über ein Buchungssystem freuen, das vor allem die internationale Geschäftsabwicklung auf einen zeitgemäßen Standard bringt. Corda wird uns definitiv keine echte Blockchain bringen, lehnt sich in vielen Punkten aber doch an die Technologie an. Im Gegensatz zum aktuellen Swift System, welches ein Leitungsnetz, ausgehend von 3 großen Rechenzentren unterhält, funktioniert Corda dezentral. Der Gedanke von Richard Gendal Brown war folgender:

„Wenn man immer in der Lage sein möchte sein eigenes Geld auszugeben, dann darf die Kontrolle nicht bei einem zentralen Punkt liegen. Er könnte von Autoritäten heruntergefahren werden…sehr schnell wird klar, dass man ein massiv repliziertes System benötigt.“

Im Gegensatz zur Bitcoin-Blockchain findet der Austausch allerdings nur zwischen regulierten Finanzdienstleistern und nicht direkt zwischen Privatpersonen statt. Corda wird über sogenannte „observer-nodes“ verfügen, also Knotenpunkte für Regulierer und Aufsichtsbehörden. Bei der Bitcoin-Blockchain Technologie sind zwar Transaktionen für alle sichtbar, der verschlüsselte Inhalt jedoch nicht. Wie viel Einsicht diese Knotenpunkte geben, ist im Detail nicht beschrieben, um den Regulierungsanforderungen gerecht zu werden kann man jedoch davon ausgehen, dass es Anonymität auf Niveau einer Bitcoin Transaktion nicht geben wird.

Was uns Corda bringt, ist ziemlich weit entfernt von der prophezeiten Blockchain Revolution. Für die Finanzbranche könnte sich Corda dennoch als einen großen Schritt nach vorne herausstellen.