…nein, ich rede nicht von den Getreidekörnern der Pflanzengattung Oryza, auch wenn ich deren Erfolg nicht schmälern möchte, sie macht mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung satt.

Ich rede von einer technischen Errungenschaft, nicht größer als ein Reiskorn, dem RFID -Chip. Eigentlich nichts anderes als eine Mikro – Speicherkarte. Er funktioniert ohne Batterie, hat eine geschätzte Lebensdauer von 100 Jahren und ist so lange inaktiv bis ein NFC-Leser, z. B. ein Handy, an ihn heran geführt wird. Ein Magnetfeld entsteht und der Chip kann ausgelesen werden, keine aktive Strahlung – keine Gefahr für die Gesundheit. Die Technik des RFID-Chips gibt es mittlerweile schon seit 10 Jahren, es ist EIGENTLICH sogar fast ein alter Hut, die Identifizierung des entlaufende Hundes, das überfällige Päckchen, das Smartphone als Eintrittskarte, das kontaktlose Bezahlen per Handy oder Karte, das Smartphone als Autoschlüssel. Die Einsatzbereiche sind mannigfaltig.

Ok, soweit alles bekannt und wahrscheinlich auch bewußt bzw. unbewußt auch schon im Gebrauch. Worauf ich nun heraus möchte, ist nicht die Technik, sondern die „Transportart“ des Chips.

Was haben ein paar Hippster, die Mitarbeiter der schwedischen Firma Epicenter und mein Hund gemeinsam? Ihr Geheimnis und ihre Gemeinsamkeiten liegen im Inneren. Sie tragen ihren NFC – Chip unter der Haut.

Ein große, dicke Injektionsspritze, ein Chip im Wert von ca. 80 Cent und einen erfahrenen Piercer, mehr braucht es nicht. Nach maximal 2 Tagen ist der kurze Schmerz und die kleine Wunde vergessen und man ist nun offiziell ein Cyborg, per Definiton „ein Mischwesen aus lebendigem Organismus und Maschine.“
Die Firma Epicenter bietet ihren Mitarbeitern die Implantation aktiv an. Sie erfüllen die Aufgabe von Schlüsselkarten. Durch eine Wischbewegung öffnen sich Türen und Schränke, werden Drucker bedient, am PC angemeldet und die Rechnung der Cafeteria beglichen. In der USA werden die Chips für medizinische Notfälle genutzt. Auf ihm sind Unverträglichkeiten vermerkt, Demenzkranke können geortet und identifiziert werden.
Auch für die Bankenwelt würden sich viele spannende Möglichkeiten, allerdings auch Risiken auftun. Schon im Jahre 2013 wurde durch Studierende ein Tan-Verfahren entwickelt, bei dem die TAN durch das Zusammenspiel zwischen NFC-Chip und Banking-App erstellt wurde. Damals dachte man allerdings noch nicht an das implantieren des Chips…keine verlorene Bankarte, kein vergessener Personalausweis, die Kontonummer immer dabei! Zugang zum und Auszahlung am Geldautomat durch ein Wischen mit der Hand.

Technologieberater sagen der NFC-Technologie eine blendende Zukunft voraus. Sie wird Ausweis und Bargeld ersetzen. Noch sehen wir das „Chippen“ als Privatvergnügen an, doch was passiert wenn Druck von Seiten der Wirtschaft und des Staates entsteht und eine Chip-Pflicht ausgerufen wird? Werden „Gechippte“ den „Ungechippten“ in der Arbeitswelt vorgezogen? Bekommen „Gechippte“ eine bessere / kostengünstigere medizinische Versorgung? Welche Gefahren können durch eingebrachte Schadsoftware entstehen? Einheitliche Sicherheitsstandards gibt es noch nicht, d.h. für künftige Einsatzzwecke muß gewährleistet sein, dass die Daten und die Privatsphäre geschützt sind sowie, dass eingebrachte Malware keinen Schaden anrichten kann.

…und wieder kann ich mit den Worten schließen:
Unheimlich? Ja, finde ich auch, allerdings auch unheimlich spannend!