Obwohl Experten weiter davon ausgehen, dass das Wachstum des FinTech-Sektors im Jahr 2019 weiter anhält, ist der Hype um diese jungen Finanzunternehmen lange nicht mehr so groß, wie noch vor ein paar Jahren. Vor einiger Zeit tat sich ein neues Schlagwort auf, dem bisher aber noch lange nicht die gleiche Aufmerksamkeit zukam, die RegTechs. Unter diesem Stichwort verschmelzen die Begriffe Regulatory und Technology. Mit diesem Begriff sind innovative Software-Lösungen gemeint, mit deren Hilfe die Digitalisierung der Regulierungsprozesse vorangebracht werden soll. Während „FinTech“ das Verschmelzen von Finanzdienstleistungen und Technologien beschreibt, bezieht sich „RegTech“ auf den Bereich Regulierung und Compliance.

Regulierung – eine Chance der Differenzierung

Hintergrund für die zunehmenden Regulierungsforderungen und die Wichtigkeit einer gelebten Risikokultur sind die Nachwirkungen der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise. Diese Krise hat nicht nur hohe Verluste, sondern auch schwerwiegende Vertrauens- und Reputationseinbußen mit sich gebracht. Auch wenn fehlendes Risikobewusstsein und eine „Kultur der Leichtsinnigkeit“ nicht das Phänomen einer einzelnen Branche sind, so waren die Folgen der Finanzkrise aufgrund der gravierenden Schadenshöhe immens. Seit der Krise sind Initiativen und große Anstrengungen in Form von Regulatorik und internen Kontrollverfahren im Bankenwesen als Folge zu erkennen.

Diese Bemühungen allein können jedoch nicht ausreichen, wenn das Risikobewusstsein und die Beschäftigung mit der eigenen Risikokultur nicht in den Fokus rücken. Doch nicht nur die Finanzbranche führt bis in die heutige Zeit einen Kampf mit einer Flut neuer Regularien. Auch Bereiche wie Chemie, Pharma, Kosmetik, Medizintechnik und viele weitere werden fast täglich mit neuen regulatorischen Initiativen konfrontiert. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen leiden unter dem damit verbundenen zunehmenden Druck, der hohen Komplexität und den wachsenden Aufwänden.

Nach Zahlen des Global Risk Report 2018 der Boston Consulting Group haben die größten Banken Europas und der USA bis 2017 rund 345 Milliarden US-Dollar an Strafgeldern bezahlen müssen. Zwei Drittel der Summe entfiel auf US Banken. Durch das härtere Durchgreifen amerikanischer Regulierer als Reaktion auf diese Strafsummen, sind diese Banken bei der Umsetzung der Vorschriften auch besser aufgestellt. Laut dieser Studie hinke Europa bei der Bankenregulierung etwa drei Jahre hinterher.

Vor diesem Hintergrund ist das Risikomanagement stärker als strategischer Wettbewerbsfaktor zu verstehen und in die Geschäftsprozesse zu integrieren. Unternehmen, die in diesem Bereich fortschrittlich arbeiten und neue Regulierungsanforderungen schnell umsetzen, haben dadurch Vorteile. Vorhandene analytische Fähigkeiten und Datenbestände der Risikofunktion in Banken sollten breiter genutzt werden. Der Digitalisierung kommt bei dieser Aufgabe wieder eine wichtige Rolle zu. Durch die konsequente Anwendung digitaler Lösungen und automatisierter Prozesse können Banken die Kosten von Aufwendungen für operative Risiken senken. Die Zusammenarbeit mit FinTechs und RegTechs ist eine wichtige Möglichkeit, die Analysequalität sowie Prozesse im Risikomanagement zu verbessern.

Doch wie haben sich die RegTechs entwickelt seit sie auf dem Markt sind? Und welche Service-Leistungen sind wirklich nützlich?

Entwicklung der RegTechs

Die RegTechs halten sich nun schon einige Zeit auf dem Markt. RegTech-Services ermöglichen Instituten die notwendige Agilität, um die hohe Anzahl neuer Regulierungen schnell und effizient umzusetzen. Zu Beginn bestand der Fokus hauptsächlich auf einfachen Prozessen zur schnellen Umsetzung der Regulierungsanforderungen. Mittlerweile kommen immer weitere Services und Schnittstellen dazu.

Sie nutzen standardisierte Ansätze und innovative Technologien, wie Big Data und Datenvisualisierungstechniken, Cloud-basierte Services sowie einzelne Bausteine künstlicher Intelligenz. Weitere Vorteile sind ein verbessertes Risikomanagement und die sofortige Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Zunehmend sorgen RegTechs auch für ein besseres digitales Kundenerlebnis. Sie schaffen durch die Beseitigung langer, manueller Prozesse neue Geschäftsmöglichkeiten und stellen damit unter Beweis, dass die Compliance-Funktion dazu beitragen kann, die Einnahmen bei Finanzdienstleistungen zu steigern.

Quelle: Global Risk Report 2018 (Report zum Download)

Zurzeit sind RegTechs bevorzugt in drei Regionen ansässig. Etwa 130 arbeiten in den USA, 80 in Großbritannien und 25 in Australien. Das Angebot fokussiert sich auf sieben Service-Cluster: Datenerfassung und -integration, allgemeine Compliance, Überwachung, behördliche Analyse und Kontoverifizierung. Zudem bieten sie Fertigstellungen des Berichtsystems und Risikoanalysen an.

 RegTech-Services im Überblick

Werden die Regulierungsvorschriften konsequent und schnell umgesetzt, kann dies ein wichtiger Faktor für mehr Qualität und Effizienz im Vergleich zu anderen Instituten sein. Zwei Faktoren haben das RegTech-Wachstum beflügelt: Die zunehmende Anzahl und Komplexität regulatorischer Anforderungen und die Fähigkeit der RegTech-Unternehmen, aufkommende neue Technologien einzusetzen, die effizienter oder effektiver bei der Erfüllung derartiger Regularien sind.

Folgende Schritte werden hierbei genannt, um die Risikokultur zu optimieren:

  • Implementierung eines strategischen und einheitlichen Programms, um globale und lokale Vorschriften einzuhalten und neu auftretende Risiken zu erkennen
  • Daten- und Analysefunktionen nutzen, um die interne Entscheidungsfindung der Banken zu verbessern und die Geschäftschancen und den Kundenservice zu erweitern
  • Automatisierung und Digitalisierung der Risikofunktionen sorgt für freie Ressourcen und eine höhere Effizienz
  • höhere Datensicherheit und eine detaillierte Auswirkungsanalyse von regulatorischen Anforderungen auf Basis institutseigener Daten
  • digitale Unterstützungsmöglichkeiten für Banken, in dem die Compliance-, Berichts- und Regulierungsaufgaben übernommen und erfüllt werden

Quelle: Deloitte (Report zum Download)

Die große Menge an regulatorischen Vorschriften und die begrenzte Umsetzungszeit führen sehr häufig zu kurzfristigen Übergangslösungen, die kostenintensiv sein können. Dadurch ist eine vollständige Standardisierung der Prozesslinie ein sehr hoch gegriffenes Ziel.

Ausblick

Bisherige Prognosen sagen, dass die RegTech-Branche weiter wachsen und bis Ende 2020 weltweit Umsätze von 6,46 Milliarden US-Dollar generieren wird. Unternehmen können die bereitgestellten Datenanalysen und die damit verbundenen Erkenntnisse für die Verbesserung bestehender Produkte und Dienstleistungen nutzen. Auch für Aktivitäten und Prozesse innerhalb einer Organisation lassen sich die neuen RegTech-Services nutzen, um dadurch die Kundenbedürfnisse und das Marktumfeld besser zu verstehen.

Die Implementierung von RegTech-Services allein reicht nicht aus, um die regulatorische Effizienz von Banken zu optimieren. Voraussetzung ist vor allem eine ausgebaute IT-Struktur, um im zweiten Schritt die regulatorische Effizienz innerhalb der gesamten Organisation zu optimieren.

Die Angebote der RegTechs passen nicht zu jeder Unternehmensstruktur. Eine schnelle und konsequente Umsetzung der Vorschriften kann ein wichtiger Hebel für mehr Qualität im Risikomanagement und effizientere Prozesse insgesamt sein. Damit differenzieren sich Vorreiter vom Wettbewerb und behaupten sich besser am Markt. Wie diese konsequente Umsetzung aussieht, muss jede Bank individuell entscheiden.

Quellen:

Global Risk Report 2018, Boston Consulting Group (Report zum Download)

RegTech_Banken_2018, Deloitte (Report zum Download)

IT Finanzmagazin

Risk Culture, a blurry spot?, PWC Studie