„Alexa, buche mir eine Safari in Tansania. Zeitraum vom 1. bis 15.7.“

„Ich buche eine Safari in Tansania. Zeitraum vom 1. bis 15.7. Kunden, die diesen Wunsch geäußert haben, haben ebenfalls ausgesucht: Unfallversicherung, Reiseversicherung und Landeswährung.“

„In Ordnung Alexa. Bitte Angebote für beide Versicherungen für 2 Personen anfordern. Bestelle 200 US-Dollar in bar, bezahle über Amazon-Cash.“

So könnte es bald aus den heimischen vier Wänden ertönen. Amazons KI-gestützter Lautsprecher „Alexa“ ist in aller Munde.
Bei dem einen oder anderen ist Alexa ein fest integriertes Familienmitglied und bietet Shoppingerlebnisse der Sonderlative.
Wer möchte nicht mal schnell und ganz bequem in der heimischen Badewanne, nur mit seiner Stimme, shoppen gehen oder sich über verschiedene Produkte ohne großen Stress informieren?
Kundenorientierung pur und ein echter Mehrwert – „Bank of Amazon“.

Für die Finanzbranche jedoch ein wahr gewordener Alptraum.

In den letzten Jahren erhöht Amazon stetig das Tempo. Wachstum über alles. Auch bei den Finanzdienstleistungen. In Zusammenarbeit mit Visa gibt es eine Amazon-Kreditkarte, über Amazon Cash können Kunden Bargeld auf ihr Amazon-Konto laden und mit Amazon Allowance bekommen Eltern eine wiederaufladbare Kreditkarte für ihre Sprößlinge an die Hand. In Mexiko bietet Amazon ebenfalls einen Bezahlservice und in Indien holt der Konzern das Geld bei den Kunden zu Hause ab und zahlt es auf ihr Amazon-Konto ein. Medien berichteten, das Amazon wohl schon mit Bankinstituten wie JP Morgan erste Sondierungsgespräche geführt haben soll. Weder bestätigt noch bestreitet Amazon diese Meldungen.

Die Sorgen der Bankenwelt sind durchaus berechtigt. Amazon hat alles, was es für eine erfolgreiche Platzierung am Markt braucht. Die Kundenbindung, die Kundendaten, das nötige Cash – und vor allem den richtigen Chef dafür. Jeff Bezos will eins: immer weiter, immer mehr…
Seit der Übernahme der Supermarktkette „Whole Food“ ist der Begriff „Amazoned“ ein geflügelter Ausdruck dafür, dass eine Branche von Amazon gekapert und dominiert wird.

Widerstände gibt es nicht, gesetzliche Untiefen werden umschifft. Sollten alle Stricke reißen gibt Amazon in seinem digitalen Ökosystem einfach seine eigene Währung aus. Für Amazon wäre die technische Entwicklung einer eigenen Währung auf Grundlage der Blockchain-Technik einfach zu meistern. Kapazitäten, Wissen und Erfahrung des Konzerns sind genug vorhanden.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass Amazon nicht der einzige Global Player ist, der sich ein Stück „vom Kuchen“ sichern möchte. Auch Techkonzerne wie Google, Apple und Alibaba versuchen ihre Bezahlsysteme zu etablieren. So kann man in der USA sogar mit dem Facebook-Messenger schon Geld versenden.

Für die Banken und Sparkassen wird es schwer werden, in diesem Szenario seinen Platz zu finden. Eines ist sicher: Wenn wir uns nicht ständig technologisch weiterentwickeln, werden wir das Rennen verlieren.

Quellen:

Süddeutsche Zeitung

Handelsblatt