Die Zukunft des Internet-Bankings. Wohin geht die Reise?

Veröffentlicht von Franz Sebastian Welter / 16. Februar 2011 / , / 14 Kommentare

Wie nutzen Sie heute das Internet Angebot Ihrer Bank? Sehr wahrscheinlich gehen Sie auf die Webseite Ihrer Bank und klicken dann auf den Link, der zum Online-Banking führt. Jedenfalls machen das die meisten Kunden so. Aber ist die Trennung von Online-Banking und Internetpräsenz eigentlich sinnvoll? Und welche Rolle spielen in Zukunft Personal Finance Management Tools?

Brett King hat in seinem Blog kürzlich einen interessanten Artikel veröffentlicht. In „Let´s get rid oft he Internet Banking“ beschreibt er, warum sich seiner Meinung nach das Online-Banking als Transaktionskanal und die Internetpräsenz als Informationskanal separat voneinander entwickelt haben. Er stellt die These auf, dass diese gewachsenen Strukturen aus Kundensicht nicht optimal sind.

„The problem with these two separate views of the world, is that it no longer makes sense for the customer. 90% of daily traffic to most bank website goes to the login button, so conceivably your most attractive targets (i.e. existing customers) are ignoring all of the marketing spend on nice sales messages, flashy graphics and landing pages, and they’re going straight through to the tasks they want to complete behind the login. Behind the login, most banks adopt a quite sterile marketing environment, with very limited sales communications, largely focusing on execution”

Hat Brett King recht? Ich meine ja. Aus der Perspektive einer Bank liegen die Gründe auf der Hand. Aber auch aus Kundensicht könnten sich aus der Integration von Webseite und Online-Banking 3 gravierende Vorteile ergeben: zielgruppenorientierte Informationen, Individualisierung und Kontextabhängigkeit.

Zielgruppenorientierte Informationen: Wenn Sie heute die Webseite einer Bank besuchen, bekommen Sie das ganze Portfolio an Informationen zu ganz unterschiedlichen Zielgruppen (z.B. Privatkunden, Firmenkunden, Junge Kunden) angeboten. Das kann je nach Webseite schon mal ziemlich unübersichtlich werden. Durch die Integration von Webseite und Online-Banking könnten dem Kunden passendere Informationen angezeigt werden, da sich der Kunde durch seine Anmeldung zuvor authentifiziert hat.

Individualisierung: Aber warum kann der Kunde eigentlich nicht selbst definieren, zu welchen Themengebieten er Informationen möchte?  Die Individualisierung geht dabei noch ein Stück weiter als das zielgruppenorientierte einblenden von Informationen und gibt dem Kunden selbst die Möglichkeit zu entscheiden, zu welchen Themengebieten er Informationen möchte. Das steigert natürlich die Relevanz der Informationen für den Kunden und macht die Webseite übersichtlicher und attraktiver.

Kontextabhängigkeit: Dem Kunden werden die Informationen in Abhängigkeit vom Kontext aufbereitet. Brett King führt als Beispiel die Suche nach einer Baufinanzierung auf. Gelangt der Besucher auf die Webseite, erkennt diese, ob der Besucher bereits Kunde ist oder nicht. Ist der Besucher z.B. bereits Baufinanzierungskunde der Bank, so könnten ihm passende Informationen für eine mögliche Prolongation angezeigt werden (z.B. ab wann und zu welchen Konditionen diese möglich ist).

Natürlich müssen im Zusammenhang mit den oben genannten Beispielen Themen wie Datensicherheit und Datenschutz thematisiert werden. In Europa gehen wir mit diesen Thema ja etwas anders um als in Amerika. Dennoch glaube ich, dass die Integration von Online-Banking und Internetpräsenz dem Kunden – und somit auch der Bank – einen Mehrwert bietet.

Und wo wir gerade beim Thema Mehrwert für Kunden sind: Personal Finance Management Tools (PFM) sind ja spätestens seit der Finnovate auch ein großes Thema in Europa. Mit PFM-Tools behält der Kunden den Überblick über seine Finanzen. Einnahmen und Ausgaben werden automatisch kategorisiert. Üblicherweise bieten die onlinebasierten Tools grafische Auswertungen und Statistiken dazu. Auch einfache Finanzplanungen lassen sich bei mit den meisten PFM-Diensten erstellen. Beispiele für solche PFM-Dienste sind mint.com, kontoblick.de. oder meniga.com (welches bei der diesjährigen Finnovate Europe übrigens einen „Best-of-Show-Award“ gewann). Am Beispiel von mint.com zeigt das folgende Video typische Funktionen eines PFM-Dienstes.

Ich glaube, dass die meisten Banken solche PFM-Tools in den nächsten Jahren anbieten werden. Wobei ich mich in Bezug auf die Integration den Worten von Herrn Dr. Leichsenring anschließen möchte:

„Das Beispiel „Kontoblick“ zeigt, dass Stand-alone PFM-Lösungen keine ausreichende Akzeptanz finden. Die Zukunft hierzulande liegt im Angebot der Banken. Und die sollten aufpassen, aus den anderswo gemachten Fehlern zu lernen und nur solche Lösungen zu implementieren, die einen echten Kundennutzen abdecken.“

Also wohin entwickelt sich das Internet-Banking? Was meinen Sie? Ist das Internet-Banking der Zukunft eine Kombination aus Online-Banking, Internetseite und PFM-Tool in einer Plattform? Oder entwickeln sich besagte Dienste losgelöst voneinander weiter?

Kommentare

14 Kommentare

  • Peter Corticelli
    16. Februar 2011 bei 22:33

    hätte noch hawanedo.com als Ergänzung.

  • fsw
    fsw
    16. Februar 2011 bei 22:59

    Ja, stimmt. Danke für den Hinweis. Für alle Leser, die hawanedo noch nicht kennen gibt es hier ein paar Informationen: http://www.microsoft.com/germany/branchen/finanzdienstleistungen/loesungsszenarien/kooperation-von-microsoft-surface-und-figlo.mspx und hier ein Video dazu: http://www.youtube.com/watch?v=v6CCZcXhWaE

    Viele Grüße aus Bühl,
    Franz Welter

  • 17. Februar 2011 bei 8:16

    Die Website richtet sich an Kunden und an Neukunden. Das Online-Banking richtet sich ausschließlich an Kunden. Weil das so ist, wird es dauerhaft zwei unterschiedliche Bereiche geben. Im günstigsten Fall kommt es zu Parallelentwicklungen.

    Schöne Grüße aus Hessen
    Alex Peter

  • Racer
    17. Februar 2011 bei 8:30

    Für große Banken kann ich mir die Idee kurzfristig nicht vorstellen. Zum einen sind Banken in Deutschland nur in wenigen Fällen Innovative und würden noch nicht erprobte Technologien einfach so einsetzen. Zum anderen können viele Banken diese Informationen nur mit hohen Aufwand aus ihren Back- und Front-Office Systemen konsolidiert zusammenstellen.

    Ich zähle mich zu den Kunden, die nur die Bankseite aufrufen, um den Login-Button zu klicken. Dem entsprechende würde ich es spannend finden, wenn ich kontextabhängige Informationen erhalten würde.

  • fsw
    fsw
    17. Februar 2011 bei 8:42

    Hallo Herr Peter,

    für den „Neukunden“ würde sich ja im HInbilck auf die derzeitige Situation gar nichts ändern. Die Zusammenlegung von Online-Banking und Webseite muss ja nicht so erfolgen, dass man sich erst anmelden muss, bevor man Informationen zu Gesicht bekommt. Der Neukunde würde eine normale Webseite zu sehen bekommen (natürlich ohne PFM, Individualisierung oder kontextabhängige Informationen). So wie es heute auch schon der Fall ist. Erst nach einem Login stünden die erweiterten Funktionen zur Verfügung….

    Viele Grüße
    Franz Welter

  • 17. Februar 2011 bei 9:36

    Hallo Herr Welter,
    in diesem Sinne könnte das eine wirklich spannende Sache werden. Wir werden sehen, welche Bankengruppe zuerst in der Lage ist, so etwas konsequent darzustellen.

    Schöne Grüße
    Alex Peter

  • 17. Februar 2011 bei 10:24

    Hallo Herr Welter,

    das ist ein sehr spannendes Thema. Die Frage wohin die Reise geht stellen wir uns fast täglich. Entscheidend für die Aktzeptanz im eCommerce (auch Banking ist ja eCommerce) ist das notwendige Vertrauen in den Anbieter. Wenn es gelingt die tollen Features mit der notwendigen Sicherheit und vor allem Bequemlichkeit umzusetzen, dann steht dem Erfolg sicher nichts mehr im Weg.

    Doch ob die Großbanken und wir im Verbund flexibel und schnell genug sind, dieses Thema mit der notwendigen Konsequenz anzugehen ist zumindest kurz- und mittelfristig fraglich. Hier gibt es noch einige Widerstände zu brechen und Hürden zu meistern.

    Der Kunde wird entscheiden.

    Viele Grüße aus Triberg
    Frank Dorer

  • GenoTec GmbH
    17. Februar 2011 bei 20:42

    Tja, der Ansatz ist absolut richtig und konsequent! Doch wir benötigen dazu auch die richtige Technik, die dies ermöglicht- und die wird nun derzeit nicht unbedingt den VRB’s angeboten….

    Gruss Verena Siemes

  • Guten Tag Herr Welter

    Zunächst mal herzlichen Glückwunsch zum guten Start Ihres neuen Blogs. Sie werden sicherlich erfolgreich damit sein!

    In Ihrem Artikel fragen Sie, wohin sich das Internet-Banking entwickelt und ob es in Zukunft eine Kombination aus Online-Banking, Internetseite und PFM-Tool in einer Plattform geben wird?

    Grundsätzlich glaube ich, dass dies tatsächlich die Zukunft sein wird. Vermutlich jedoch erst in einem zweiten Schritt. Zunächst müssen (zumindest hierzulande) die Banken erst mal daran gehen, Ihr Online-Banking neu zu beleben. Es wird oft vergessen, dass der Anteil des Online Bankings gerade mal 44 Prozent beträgt (bei Geno-Banken rd. 45 Prozent). Da ist noch eine Menge Spielraum. Allerdings wird es nur gelingen, neue Kunden für Online Banking zu begeistern, wenn ich mehr biete, als das was bislang geboten wird.

    Persönliches Finanz Management (PFM) bietet dazu eine hervorragende Basis. Insbesondere dann, wenn dies gleichzeitig noch mit Elementen des Web 2.0 angereichert ist und Banken damit auch einen Einstieg in die Welt der Bank 2.0 finden können.

    Dies war ja u.a. der Grund für den Gewinn des „Best-of-Show“-Awards von Meniga (www.Meniga.com) bei der Finovate. Das Meniga Toll bietet nicht nur die traditionellen Inhalte von PFM wie Sie sie richtig in Ihrem Artikel beschreiben sondern darüber hinaus zahlreiche Elemente sozialer Netzwerke, die es Kunden nicht nur ermöglichen, intuitives Finanzmanagement zu betreiben sondern darüber hinaus sich mit anderen zu vergleichen und wechselseitige Hilfestellung zu geben.

    Aus meiner Sicht ist genau dies ein erfolgversprechender Weg in die Zukunft des Online-Bankiings, der es ermöglichen wird, Bestandskunden fester zu binden und neue Kunden anzulocken. Da steckt viel Ertragsmusik für die Banken drin. Ich bin gespannt, ob sie diese Steilvorlage nutzen werden.

    Beste Grüße

    Hansjörg Leichsenring

    http://www.der-Bank-blog.de

  • fsw
    fsw
    18. Februar 2011 bei 10:01

    Hallo Herr Dr. Leichsenring,

    die Anreicherung des PFM um Web 2.0 Aspekte ist in der Tat ein sehr spannendes Thema. Vielen Dank für den Hinweis. Vielleicht sind es dann sogar mindestens 3 Schritte bis zum „Internet-Banking“ der Zukunft.

    – Pimp my Online-Banking: Integration von PFM Funktionen
    – Integration von Online-Banking und Webseite zu einem Portal
    – Upgrade um Web 2.0 Funktionen im PFM

    Viele Grüße
    Franz Welter

  • Hallo Herr Welter

    Ich würde die Reihenfolge eher so beschreiben:

    Für die reine Online-Bank:

    1. Angebot eines PFM Tools mit Web 2.0 Funktionalitäten neben dem Online Banking
    2. Integration des PFM in das Online Banking Angebot

    Aus Sicht der Gesamtbank:

    A. Integration von (weiteren) Web 2.0 Angeboten in die eigene Webseite
    B. Integration von Webseite und Online-Banking zu einem Portal

    Schritt 1 kann sehr schnell gegangen werden, wenn die Bank kein eigenes Tool entwickelt, sondern auf ein White-Label-Tool, wie z.B. Meniga zurückgreift.

    Schritt A wird vermutlich kein einzelner Schritt sein, sondern eher ein Prozess. Sie beweisen mit Ihrem Haus ja gerade, dass dies möglich und sinnvoll ist.

    Die Schritte 2 und B sind dann nicht mehr wirklich strategisch relevant. Hier kommt es nicht auf ein Jahr mehr oder weniger an. Letztlich geht es nur noch“ darum, den Kunden ein einheitliches Einkaufserlebnis zu bieten, wofür technische Voraussetzungen zu schaffen sind, die erfahrungsgemäß (speziell in Verbünden) etwas länger dauern können.

    Ein schönes Wochenende wünscht

    Hansjörg Leichsenring

    http://www.der-bank-blog.de

  • fsw
    fsw
    18. Februar 2011 bei 16:19

    Hallo Herr Dr. Leichsenring,

    die Vorgehnsweise klingt für mich in Bezug die technische Realisierung sehr logisch. Ich hatte das „Upgrade um Web 2.0 Funktionalitäten im PFM“ erst ein wenig später gesehen, um die Kunden Step für Step an die Neuerungen heranzuführen. Aber das ist natürlich nochmal etwas anderes und hängt im Detail dann auch von der Ausgestaltung der Tools ab. Ihr „Fahrplan“ überzeugt – mich zumindest! 🙂 Vielen Dank für Ihre Anregungen.

    Viele Grüße und ebenfalls ein schönes Wochenende,
    Franz Welter

  • 23. Februar 2011 bei 20:14

    Witziger Weise hatten wir genau diese Geschichte bereits vor 2 Jahren, bis wir auf den Standard der FIDUCIA gewechselt sind.

    Kein separates OnlineBanking, sondern eine vollverschlüsselte Seite, die nach der Anmeldung den Kontext und die Interaktion mit dem Contentbereich zuließ und somit auch den direkten Abschluss von Produkten.

    Leider mussten wir die Zukunft wieder verlassen. 😉

  • 11. April 2011 bei 14:51

    Danke für deinen Blogg sehr informativ. Schöne Grüsse aus Leipzig

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