Gamification – Auf dem Weg zu „sexy“ Bankprodukten?

Veröffentlicht von Franz Sebastian Welter / 7. April 2011 / , / 3 Kommentare

Gamification ist zur Zeit wohl einer der heißesten und viel diskutierten Trends im Netz. Die Start-Ups schießen wie Pilze aus dem Boden und zumindest in den USA sind Badges à la foursquare schon Normalität. Was verbirgt sich hinter dem Trend und wie könnte er im Finanzdienstleistungssektor genutzt werden?

Gamification beschreibt die Übertragung von motivierenden Faktoren und Prinzipien aus Spielen auf Produkte und Services. Der Autor des Buches „game-based marketing“, Gabe Zichermann,  definiert Gamification wie folgt:

„Gamification ist the process of using game thinking and mechanics to engage audiences and solve problems.“

Wenn man bedenkt, dass immer mehr Banken auf den Social Media Zug aufspringen und auch die ersten Banken mit Open Innovation und Crowdsourcing experimentieren, könnte Gamification eine spannende Ergänzung sein. Der Erfolg von Social Media Aktivitäten und Open Innovation hängt maßgeblich davon ab, inwiefern man (potenzielle) Kunden zur Interaktion motivieren kann. Genau solche motivierenden Faktoren werden durch Gamification beschrieben.

Aber bevor ich Ihnen zwei spannende Start-Ups aus dem Finanzbereich zu diesem Thema vorstellen möchte, lassen wir uns das Thema doch vom Guru persönlich vorstellen. Im Netz bin ich über folgenden Webcast von Gabe Zichermann zu Gamification gestolpert. Holen Sie sich ein kühles Getränk und lassen Sie sich die nächsten 45-60 Minuten inspirieren. Es lohnt sich.

Ganz spannend finde ich z.B. die These, dass auch sehr komplexe und eher langweilige Themen spielerisch motivierend und spannend umgesetzt werden können. Gabe nennt im Video u.a. ein iPhone-Spiel als Beispiel, indem man den Stuhl eines Flugverkehrslotsen einnimmt (im Video ab Min. 3.30).

Auch in der Finanzdienstleistungsbranche gibt es schon einige spannende Gamification-Beispiele im Bereich der Personal Finance Management Tools. Schauen wir uns zuerst payoff.com an. Und auch hier lasse ich lieber Bilder sprechen, als den Dienst nur zu beschreiben…

Payoff geht über die Funktionen eines klassischen PFM-Tools hinaus und bietet dem Nutzer nicht nur die Möglichkeit seine Finanzen an einem zentralen Platz zu verwalten, sondern man kann außerdem finanzielle Ziele definieren (z.B. Sparziele, oder die Tilgung von  Darlehen). Werden Ziele erreicht, erhält man sogenannte Badges, die man über diverse soziale Netzwerke teilen kann. Außerdem kann man Preise gewinnen, wenn Ziele erreicht werden. Ich habe das Ganze mal getestet und mich angemeldet. Payoff funktioniert (natürlich) nicht mit deutschen Banken. Der Dienst sieht aber sehr gut aus und ich kann mir vorstellen, dass es Spaß macht diesen zu nutzen.

Ein weiteres sehr ähnliches Beispiel ist Bobber. Auch hier kann der Nutzer finanzielle Ziele definieren und wird für die Erreichung dieser Ziele belohnt. So wie es aussieht, wird bei Bobber sehr viel Wert auf die Interaktion zwischen den Usern gelegt: Sowohl in Form eines Wettbewerbs aber auch in der Form, dass die User sich untereinander helfen, ihre Ziele zu erreichen. Für diesen Dienst kann man sich bis jetzt nur für die Beta-Phase vormerken lassen.

Ich finde beide Dienste sehr interessant. Erinnern Sie sich noch an die Bonuspunkte von früher, die Kinder bekommen haben, wenn sie fleißig gespart haben? Diese hat man dann auf ein Poster geklebt und wenn das Poster voll war, bekam man dafür ein kleines Geschenk. Ist das noch zeitgemäß für eine Generation, die mit Smartphones, Apps und Videospielen aufwächst? Gamification könnte in diesem Zusammenhang eine sehr wichtige Rolle spielen finanzielle Themen „interessanter“ zu machen. Insbesondere die Verknüpfung mit PFM-Tools finde ich sehr spannend und freue mich darauf zu beobachten was aus Bobber & Co. wird. Wie beurteilen Sie den Trend „Gamification“ für die Finanzdienstleistungsbranche?

Kommentare

3 Kommentare

  • 7. April 2011 bei 21:26

    Hallo Franz,

    das Thema gamification scheint mir echt ein spannender Trend zu sein. Wobei es scheint so, als habe hier das Kind nur einen Namen bekommen, denn das Spiel ist ja eigentlich schon immer Teil menschlicher Entwicklungen gewesen. Du hast ja zum Schluss ein sehr schönes älteres Beispiel gegeben. Und auch in den Wirtschaftswissenschaften ist ja z.B. die Spieltheorie nicht so ganz unbeliebt.
    Das Spielerische steht ja auch für das experimentelle. Genau so aber für Regeln und zum Schluss gibt es einen zu erzielenden Erfolg. Häufig auch einen oder mehrere Gewinner. Ich denke schon das Fussballspiel ist ein lehrreiches Füllhorn für menschliches Verhalten.
    Was ich ein wenig bezweifle ist allerdings, dass man Banking wirklich spannender machen kann durch gamification. Mir scheint das Thema zu weit weg zu sein, von den wirklichen Interessen und Erfahrungen der Generation Computerspiele. Aber vielleicht denke ich da auch zu sehr mit dem Gehirn eines alten Mannes, der aber immerhin Foursquare gerne nutzt – ist ja auch so schön einfach und unkompliziert. Und wenn Geld ins Spiel kommt wird es meistens kompliziert. Ansonsten eine tolle Inspiration

  • fsw
    fsw
    7. April 2011 bei 21:39

    Hi Boris,

    danke für deinen Kommentar (ich habe übrigens zeitgleich auf deinem Blog einen Kommentar hinterlassen :-)). Natürlich hast du recht, das Thema ist nichts vollkommen Neues. Das neue daran ist lediglich, dass man systematisch versucht, bestehende Leistungen und Produkte um spielerische Aspekte zu erweitern. Ganz ehrlich, wenn Payoff schon in Deutschland funktionieren würde, hätte ich es gerne getestet… Ob sich so was durchsetzt, bleibt natürlich fraglich. Aber ob man in 5-10 Jahre mit Postern und Klebebildern fürs Sparen noch weiterkommt, sei auch mal dahingestellt 🙂

    Außerdem sind die im Blog-Beitrag vorgestellten PFM-Dienste ja nur ein Einsatzgebiet. Insbesondere in Verbindung mit Crowdsourcing oder Open-Innovation Plattformen würde ich den spielerischen Elementen eine wichtige Rolle zusprechen…

    Viele Grüße aus Bühl,
    FSW

  • Alex Peter
    11. April 2011 bei 9:35

    Viele Menschen spielen gerne und das läßt sich gut in Belohnungsysteme einbauen. Dummerweise ist das allgemein bekannt und wird überall ausgenutzt.
    Wer also auf diesen Zug springen will hat viel Konkurrenz. Mit irgendwelchen Pillepalle-Spielchen ist da nichts zu holen. Und so ein Knaller wie „Moorhuhn“ wird auf nicht jeden Tag erfunden.

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