Neue Wege gehen – Open Innovation

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 9. Mai 2011 / / 2 Kommentare

Viele Unternehmen, so auch die Volksbank Bühl, haben ein internes Ideen- bzw. Vorschlagsmanagement. Bei uns ist das die Volksbanker Ideen Börse (VIB), bei der Mitarbeiter Vorschläge einreichen können, die von einem Gremium diskutiert und auf Umsetzung geprüft und dann ggfs. prämiert werden. Der Vorteil eines solchen Vorschlagswesens ist natürlich die Einbeziehung der Mitarbeiter in den Gestaltungsprozess eines Unternehmens, da die Mitarbeiter vor Ort viele kreative Ideen oder Verbesserungen hervorbringen, an die man in den Führungsetagen oder Fachabteilungen nicht gedacht hat. Wenn nun schon 300 Mitarbeiter ein Unternehmen mit neuen Ideen und Vorschlägen bereichern können, wie sieht es dann erst aus, wenn sich auch die mehr als 70.000 Kunden daran beteiligen könnten? Genau da setzt „Open Innovation“ an. Doch was bedeutet das genau?

Laut Wikipedia wird Open Innovation als „die Öffnung des Innovationsprozesses von Unternehmen und damit die strategische Nutzung der Außenwelt zur Vergrößerung des eigenen Innovationspotentials“ definiert. Dabei wird zwischen drei Kernprozessen unterschieden:

1. Outside-in-Prozess:
Bei diesem Prozess wird externes Wissens in den Innovationsprozess integriert. Die Ideen und Vorschläge der Kunden sollen genutzt werden, um die Geschwindigkeit, die Vielfalt und die Qualität des Innovationsprozesses zu erhöhen.
Dieser Prozess zeigt, dass der Ort, an dem die Innovationen entstehen, nicht mit dem Ort übereinstimmen muss, an dem sie angewandt werden.

2. Inside-out-Prozess:
Bei diesem Prozess wird internes Wissen nicht im eigenen Betrieb verwendet, sondern nach „Außen“ gegeben. Ideen, die im eigenen Unternehmen nicht verwendet werden können, werden z.B. gegen Lizenzgebühr weitergegeben oder verkauft.

3. Coupled-Prozess:
Hierbei handelt es sich um die Mischung aus den beiden vorangegangenen Prozessen. Man nutzt externes Wissen und gibt internes Wissen nach Außen weiter.

Ein sehr gutes Beispiel für ein gelungenes Open Innovation-Management im „Coupled-Prozess“ ist die amerikanische Firma IBM. Jährlich werden hier Workshops und Forschungsprojekte mit Kunden durchgeführt. Desweiteren gibt es sogenannte „Innovation Days“, bei dem dazu eingeladen wird, externes Wissen in die Aktivitäten des Unternehmens einfließen zu lassen. Weltweit führt IBM außerdem die Liste der meisten Patente an und setzt Standards für die gesamte Branche, die man sich natürlich auch gut bezahlen lässt. Laut „heise.de“ war IBM 2010 das achtzehnte Jahr in Folge das Unternehmen mit den meisten Patenten (5.896 neue Patente in 2010). Das Wichtigste bei Open Innovations ist, sich gegenüber der „Außenwelt“ zu öffnen. Die Kunden sollen sich aktiv am Gestaltungsprozess beteiligen. Damit ist nicht gemeint nur Ideen abzugreifen, die dann in einem stillen Kämmerchen verschwinden und intern diskutiert werden, sondern den kompletten Prozess, wie Bewertung der Ideen, Tipps zur Umsetzung, Optimierung der Ideen allen zugänglich und somit transparent zu machen. Natürlich darf auch nicht vergessen werden, Anreize zu schaffen, um damit mehr Menschen zu motivieren an diesem Innovationsprozess mitzuwirken. Was man jedoch beachten sollte, ist, sich auf Ideen und Vorschläge von Seiten der Community vorzubereiten, die eventuell den Interessen und der Zielsetzung des Unternehmens entgegenwirken. Eine offene und ehrliche Grundhaltung ist hierbei von hoher Bedeutung. Folgendes Video fasst das Ganze sehr schön zusammen:

Fazit:
„Open Innovation“ dient einem Unternehmen dazu, die Kräfte vieler Menschen (intern und extern) zu bündeln und sich dadurch „zum Kunden hin“ weiterzuentwickeln. Wichtig dabei ist, die Gemeinschaft in alle Teile des Prozesses mit einzubeziehen, ihr Anreize zu geben, sowie Entwicklung und Fortschritte sichtbar zu machen. Dann entfaltet sich die komplette Innovationskraft des Web 2.0.

Kommentare

2 Kommentare

  • Hallo

    ein sehr schöner Artikel. Mich würde nun interessieren, ob es bei Ihnen im Hause auch konkrete Umsetzungen in der beschriebenen Art und Weise gibt und wie die Erfolge aussieht?

    Beste Grüße

    Hansjörg Leichsenring

    http://www.der-bank-blog.de

    • fsw
      fsw
      9. Mai 2011 bei 15:12

      Hallo Herr Dr. Leichsenring,

      unsere Gedanken kreisen schon seit längerem um das Thema. Ich schreibe momentan meine Master Thesis zum Thema Innovationsfähigkeit von Banken bzw. der Volksbank Bühl und in diesem Zusammenhang wird auch das Thema Open Innovation eine entscheidende Rolle spielen. Die Arbeit ist allerdings noch ziemlich am Anfang und wird erst im Oktober/November fertig sein. Konkrete Erfahrungen haben wir bisher noch nicht gesammelt … Kommt aber noch, ist alles nur eine Frage der Zeit 😉

      Viele Grüße aus Bühl,
      Franz Welter

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