Buch-Review und Interview: „Social Media für Unternehmer“

Veröffentlicht von Frank Gutknecht / 11. Mai 2011 / , / 0 Kommentare

Das Sachbuch „Social Media für Unternehmer“, geschrieben von der Autorin Claudia Hilker, richtet sich vor allem an Neueinsteiger, die von der fortschreitenden Entwicklung des Internet und Web 2.0 profitieren wollen. Im Untertitel „Wie man Xing, Twitter, Youtube und Co. erfolgreich im Business nutzt“ wird die Absicht der Autorin deutlich, dass es neben dem Vermitteln eines grundsätzlichen Verständnisses gleichzeitig auch um die Konzeption eines praktischen Leitfadens geht.
Unterteilen lässt sich das Buch in zahlreiche, für sich eigenständige Kapitel. Je nach Vertrautheit mit der Materie können diese auch ohne Qualitätsverlust übersprungen werden, um so ein praktisches Nachschlagewerk in der Hand zu haben.

 

Zudem gewährleistet der gleich bleibende Aufbau der einzelnen Kapitel durch die Autorin eine angenehme Lesefreundlichkeit. Nach der eher wissenschaftlichen Grundbetrachtung folgen zahlreiche Experteninterviews, gepaart mit zahlreichen interessanten Tipps und Praxisbeispielen.
Anhand der einzelnen Kapitel wird deutlich, dass die Autorin gründlich recherchiert hat. Die Inhalte des Buches sind Social-Media -Netzwerke, -Strategien, -Marketing, -Relations, -Networking, -Recruitment, -Recht, -Monitoring sowie -Ausblick.

Das Fazit des Buches könnte etwa wie folgt lauten: Für die strategische Nutzung von Social Media bedarf es nicht nur einer offenen Unternehmenskultur, sondern gleichsam einer ausgearbeiteten Strategie mit klaren Aufgabenverteilungen. Darüber hinaus wird deutlich, inwiefern Social Media in allen Unternehmensbereichen integriert werden kann, Spielregeln eingehalten werden müssen und komplexe Interdependenzen in- und außerhalb des Unternehmens wirken. Zuletzt wird außerdem deutlich, dass Social Media keine Rand- oder Modeerscheinung ist.

Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen, da es sehr abwechslungsreich bzw. inspirierend erscheint und nicht zuletzt durch seine fachliche Fundiertheit zu überzeugen vermag. Im Anschluss wird es wird spannend sein, zu beobachten welche Ideen sich aus dieser Lektüre für die Volksbank Bühl ableiten lassen können. 

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Wir freuen uns sehr, dass die Autorin des vorgestellten Buches, Claudia Hilker, bereit ist, uns ein paar Fragen zu beantworten.

1) Was machen Banken in Social Media richtig und was läuft falsch?

Viele Banken verschlafen Social Media. Sie sehen es als Hype wie „Second Life“ oder als Spielwiese für „Nerds“. Sie ignorieren die Fakten: Jeder Zweite ist heute bereits in Social Media aktiv! Das sind 40 Millionen Bundesbürger! Diese Zahlen belegt die neue Bitkom Studie. Social Media ist also kein Exoten-Thema mehr und hat längst Einzug ins Business gehalten. Social Commerce macht nicht Halt vor den Banken.

Ignoranz ist keine Lösung. Denn die Kunden diskutieren die Leistungen ihrer Banken online. Egal, ob die Banken präsent sind oder nicht. Um die Meinungsbildung aktiv zu gestalten, empfiehlt sich ein Social Media Engagement. Bei einer passiven Haltung kommt es oftmals erst durch eine Reputationskrise zur „unfreiwilligen“ Social Media Präsenz und das ist dann wirklich ein Risiko: Flecken auf einer weißen Weste zu entfernen ist ein Wagnis. Mit einer weißen Weste ist Social Media deutlich kostengünstiger, effizienter und sicherer steuerbar.

2) Was sind die Vorteile von Social Media für Genossenschaftsbanken?

Social Media bieten neue Chancen für  Banken, neue Kunden zu gewinnen. Banken können damit ihren Bekanntheit vergrößern, ihr Image aufwerten und ihr Markenprofil schärfen. Noch kann man sich mit Social Media als innovativer Vorreiter positionieren.

Mit Social Media Einsatz können Genossenschaftsbanken ihre lokalen Trümpfe ausspielen und mehr Kundennähe online gewinnen. Damit bauen sie ihre Kommunikationskanäle aus. Durch digitales Netzwerken auf Facebook, Xing und Twitter kann man Empfehlungen aktivieren. Wichtig ist allerdings, keine Werbung dort zu posten, sondern eine offene und partnerschaftliche Beziehung aufzubauen. Inhalte mit Mehrwerte sind gefragt und eine interaktive Kommunikation.

3) Wie ist der Status Quo im Social Media Einsatz der Banken?

Trotz des rasanten Wachstums der sozialen Medien hat es die Mehrheit der Banken bisher versäumt, das Potential der sozialen Medien zu nutzen. Einige Banken nutzen immerhin soziale Netzwerke, um mit Kunden zu agieren. Ein erschreckend hoher Anteil der führenden Banken hat aber keine Präsenz in den sozialen Medien. Dabei reicht es auch nicht, nur Profile einzurichten. Man muss sie auch aktiv mit relevanten Inhalten für die Zielgruppen bespielen und den Dialog interaktiv gestalten, um die Community-Bildung erfolgreich voran zu treiben.

Enttäuschend ist auch, dass viele Banken keine Facebook-Fanpage für ihre Kunden haben. Die Analyse der Angebote für vermögende Kunden zeigt ein noch schlechteres Bild: Selbst die Banken mit den besten Strategien haben wenig bis gar keine Aktivitäten für ihre attraktive Zielgruppe in den sozialen Medien.

Die Studie „Wealth Management and Social Media“ kommt zu dem Ergebnis, dass die Auftritte der 30 größten Banken in Social Media viele Wünsche offen lässt: Nur eine kleine Gruppe von vier Banken zeigt zumindest eine einheitliche und umfassende Strategie in den sozialen Medien: Deutsche Bank, Crédit Agricole, BNP Paribas und Credit Suisse.

Quelle: http://www.myprivatebanking.com/de/article/neue-myprivatebanking-studie

4) Wie sieht es mit Applikationen für Mobilgeräte aus?

Die Angebote von sozialen Medien auf der eigenen Website sowie von Applikationen für Mobilgeräte sind ebenfalls verbesserungswürdig. Nur 40% der Banken bietet eine Form von sozialen Medien (Blogs, Social Bookmarks, Podcasts, Videocasts) auf ihrer Website an. Nur 50% der Banken haben Applikationen für ihre Kunden – keine bietet Apps für vermögende Kunden an.

5) Kann ein PR- oder Marketing-Mitarbeiter einfach nebenbei Social Media machen?

Nein, zwar sind die Basics vorhanden, es fehlen aber zumeist entscheidende Skills. Nebenbei machen funktioniert in der Praxis zumeist nicht. Ein Social Media Manager hat folgende Kenntnisse und benötigt ausreichend Ressourcen:

  1. SEO- und HTML-Kenntnisse
  2. Texte für Menschen, Presse und Google erstellen
  3. Erfahrungen mit Story Telling und Networking
  4. Bedienung mit Content Management Systemen: Joomla, Typo 3, Drupal and WordPress
  5. Social Media Know-how: Xing, Facebook, Twitter, Flickr, Youtube, Qype, Foursquare
  6. Online Monitoring mit diversen Tools
  7. Erfahrungen mit Online-Marketing und Online-PR
  8. Reputation Management
  9. Issue Management
  10. Produktion von Whitepaper, Video, Audio
  11. Einsatz von Video Conference, Online Meeting und Webinaren
  12. Managing Newsrooms Content
  13. Umgang mit Bloggern, Influencern, Trolls, Beschwerden
  14. Moderation von User-Generated-Content
  15. Copyright für Texte, Grafiken und Film beachten
  16. Erfahrung in der Meinungsbildung mit Massenmedien

 Die erste Ausbildung zum Social Manager mit Zertifikat auf FH-Niveau gibt es an der FH Köln, wo ich auch einen Lehrauftrag habe: http://www.social-media-zertifikat.de/

6) Was würden Sie Banken zum Social Media Einsatz empfehlen?

Banken sollten ihren Fokus stärker auf soziale Medien richten und dringend professionelle Social-Media-Strategien einsetzen statt Spielwiesen für Praktikanten einzurichten und damit ihren guten Ruf aufs Spiel zu setzen. Das Top-Management jeder Bank muss sich für den Einsatz sozialer Medien öffnen und entscheiden, wie sich das Unternehmen in den verschiedenen Netzwerken positionieren will. Denn Social Media ist Chefsache.

Nach meinen Erfahrungen macht Social Media vielen Fach- und Führungskräften Angst, weil sie keine Erfahrungen darin haben. Deshalb sollte man neben der Strategie-Entwicklung Angebote für Schulungen schaffen. Zudem ist eine Social Media Guidelines und einer verbindlichen Policy für alle Mitarbeiter ratsam.

Jede Bank sollte in Facebook, LinkedIn, Twitter, Youtube und Flickr präsent und aktiv sein. Allein damit gewinnt man den Zugang zu fast einer Milliarde Menschen. Eine Präsenz in diesen Netzwerken ist allerdings nur der Anfang. Jeder Auftritt in den sozialen Medien muss durch das kontinuierliche Beispielen von relevanten Inhalten sowie schnelle Reaktion auf Anfragen lebendig gehalten werden.

Über Claudia Hilker von Hilker Consulting
Die Unternehmensberaterin Claudia Hilker berät mit ihrer PR-Agentur Hilker Consulting Kunden in der strategischen Marketing-Kommunikation. Die Social-Media-Expertin entwickelt Konzepte, Content und Redaktion für Facebook, Xing, Twitter, Youtube und Co.. Die mehrfache Buch-Autorin gibt auch Workshops, Seminare und hält Vorträge. www.hilker-consulting.de

Bestseller-Autorin von: Social Media für Unternehmer: Wie Sie Facebook, Xing, Twitter, Youtube und Co. erfolgreich im Business einsetzen: http://amzn.to/eJNWRv

Mehr aktuelle Social Media Infos gibt es im Blog: www.socialmedia24.eu

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