Social Payment auf dem Vormarsch?

Veröffentlicht von Michael Merkel / 20. Mai 2011 / , / 4 Kommentare

Social Payment ist eine Form von Crowdfunding, man versteht darunter das freiwillige Spenden von kleinen Geldbeträgen an Betreiber von Blogs, Websites oder anderen Webinhalten. Es handelt sich bei den Spenden meist um Kleinstbeträge, die der Leser monatlich z.B. einem Blogger spendet, weil die Seite sehr interessant für ihn ist und er den Blogger gerne in seiner Arbeit unterstützen möchte.

Hierfür gibt es 2 bekannte Anbieter:

  • Flattr:

Den bekanntesten Social-Payment-Service bietet Flattr. Der Anbieter eines Blogs oder einer Website kann sich bei Flattr registrieren und dann einen Flattr-Button auf seinem Blog bzw. seiner Website integrieren. Es gibt sogar die Möglichkeit nicht nur einen Spenden-Button für die Komplette Website zu platzieren, sondern man kann einzelne Artikel eines Blogs oder Ähnliches mit einem Button versehen. Die Leser, die spenden möchten, definieren einen monatlichen Betrag, den sie für Spenden zur Verfügung geben möchten. Jeder Klick auf einen Flattr-Button wird nun gezählt. Am Ende des Monats wird der monatliche Betrag des Nutzers durch die Anzahl der Klicks geteilt und gleichmäßig (abzüglich der Gebühren von Flattr) an die jeweiligen Empfänger der Spenden verteilt. Zusätzlich ist es öffentlich Einsehbar, wieviele Spender der jeweilige Artikel/Anbieter erhalten hat, was ein bisschen an den Facebook-Like-Button erinnert und einen Überblick über die beliebtesten Artikel gibt. Die Nutzer selbst bleiben aber anonym.

  • Kachingle:

Kachingle ist ebenfalls ein Anbieter eines Social-Payment-Services. Die Funktionsweiße ist fast identisch zu Flattr. Der Benutzer zahlt jeden Monat einen festen Betrag von 5 Dollar auf das Kachingle-Konto ein. Jeder Klick auf den Kachingle-Spendenknopf wird gezählt. Am Ende des Monats werden die 5 Dollar durch die Anzahl der Klicks geteilt und (abzüglich der Verwaltungskosten) gleichmäßig an die Medienanbieter verteilt. Auch hier ist es ersichtlich wieviele Personen einen Artikel oder anderen Webinhalt unterstützen. Gespendet wird allerdings nicht unter dem richtigen Namen, sondern mit dem Nickname des Users.

Der „Soziale Gedanke“ spielt bei diesen Bezahlsystemen eine sehr große Rolle. Die Frage ist nur, gibt es wirklich so viele Nutzer, die die frei Verfügbaren Inhalte freiwillig bezahlen wollen? Auf der re:publica 2011 waren einige Paradebeispiele wie z.B. der Technikblogger Richard Gutjahr, der auf eigene Faust nach Kairo flog um von den Protesten gegen Mubarak zu berichten und die teuren Roaming-Gebühren mittels Flattr finanzierte. Oder Tim Pritlove, der mehrere bekannte Podcasts produziert und sein Budget durch Flattr aufbessert. Meiner Meinung nach, funktioniert es bei guten Inhalten auf jeden Fall, eine anschauliche Anzahl von Spendern zu finden. Allerdings würden die Spenden für eine Refinanzierung eines Projektes vermutlich nicht ausreichen. Gerüchten zufolge könnte der Social-Media-Riese Facebook auch bald einen Social Payment-Service anbieten. Doch hat dieses „freiwillige Spendensystem“ in unserer Gesellschaft überhaupt eine Chance? Wie ist Ihre Meinung hierzu?

Kommentare

4 Kommentare

  • Alex Peter
    24. Mai 2011 bei 9:29

    Wenn ich mir bei dem Deutschen Fundraising Verband die Zahlen über das Spendenverhalten der Deutschen anschaue, dann habe ich keine Bedenken, dass das nicht klappen sollte.
    Link: http://www.fundraisingverband.de/Statistiken/Spendenaufkommen_insgesamt.html

    Selbst wenn Social Payment nur einen kleine Anteil ergattern sollte, wäre das immer noch viel Geld.

    Gruß
    AP

  • 24. Mai 2011 bei 15:02

    Insgesamt in meinen Augen ein eher schwächerer Blog-Beitrag, zumal er an der Stelle beendet wird, an der es eigentlich interessant wird. Das bestehende Microdonation-Systeme wie Flattr und Kachingle bzw. ihre Funktionsweisen erst (noch) vorgestellt werden müssen ist klar, aber leider fehlt, meines Erachtens nach, eine weitere, vertiefende Fragestellung (neben: Hat ein „freiwilliges Spendensystem“ in unserer Gesellschaft eine Chance?), denn:

    Ich denke, dass ergebnisoffene „Experimente“ wie Flattr oder Kachingle gerade im Begriff sind, auf existierende Werte oder Wertkonstellationen von Menschen einzuwirken und diese damit auch zu verändern. Wie tiefgreifend diese Veränderungen letztlich sein werden oder sein können sei mal dahin gestellt und ob sich mit diesen Ansätzen eine breitenwirksame Resonanz erzielen lässt bleibt abzuwarten aber das ist in meinen Augen an dieser Stelle weniger tragisch denn Eines ist klar:

    Derzeit stellen sowohl Flattr als auch Kachingle Plattformen oder meinetwegen Systeme zur Verfügung, mit denen Menschen Geld auf elektronischem Wege verteilen können und passen diese Systeme immer wieder an neu gewonnene Erfahrungswerte an.

    Sie wirken damit (und ich denke, man darf das behaupten) auf das Wertempfinden von Menschen, die sich damit beschäftigen ein und evtl. werden diese (Werte) im Laufe der Zeit verändert. Das interessante dabei finde ich, dass hier also eine „Beobachterrolle“ verlassen wurde („Wie werden sich Werte oder Wertkonstellationen von Menschen in der Zukunft verändern?) und der Übergang ins Handeln stattgefunden hat, obwohl die „Zeichen“ mit Einführung solcher „Social-Payment“-Systeme derzeit nicht gerade einen raschen Erfolg prophezeien.

    Vielmehr handelt es sich in meinen Augen um einen längerfristig angelegten Prozess, den Flattr und Kachingle mit derern IT fördern/unterstützen. Werte schaffen Werte.

    Die Frage könnte also auch lauten:

    Welche Rolle können (regionale) Banken und der ihr zur Verfügung stehende IT im Bereich „Social-Payment“ / Microdonations spielen?

    Damit würde bereits einmal angenommen, regionale Banken verlassen eine „Beobachterrolle“ und werden damit selbst Teil dieser derzeitigen Entwicklungen oder der Prozesse, die sich „Social-Payment“ oder auch „Microdonations/Mikrospenden“ nennt und es wird sich vielleicht sogar herausstellen, warum regionale Banken für ein wie auch immer implementiertes „freiwilliges Spendensystem“ auf regionaler Basis geeignet oder auch nicht geeignet sind.

    Außer Frage steht für mich, dass Banken (in Zusammenarbeit mit ihren IT-Dienstleistern) in der Lage wären, regionale „freiwillige Spendensysteme“ zu implementieren und zu erproben.

    • MM
      MM
      24. Mai 2011 bei 21:44

      Vielen Dank für die interessanten Anregungen und die Erwähnung in Ihrem Blog. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das Wertempfinden der Menschen durch diese Plattformen verändern kann. Wir werden aufmerksam die Entwicklung solcher Plattformen beobachten und sind gespannt ob sich solche Systeme in der Zukunft durchsetzen können bzw. bei Regionalbanken eine Rolle spielen werden. Wir freuen uns über weitere interessante Kommentare und spannende Beiträge zu diesem Thema.

      Gruß MM

  • HR
    25. Mai 2011 bei 20:23

    Im Großen und Ganzen finde ich den Ansatz toll. Allerdings geht er von einer heilen Welt aus, bei denen Menschen sozial und gerecht handeln.

    Dem ist aber leider nicht so. Und damit ist vor allem im anonymen Internet auch nicht zu rechnen.

    Ein kleines Beispiel das vor kurzem in einem Privatsender gelaufen ist. Es wurde Marmelade auf 2 Wege verkauft. 1 Durchgang marktübliche Preise. 2 Durchgang freiwilliger Preis. Ergebnis bei Durchgang 2 wurde im Schnitt mehr bezahlt. Dies aber nur weil ein persönlicher sozialer Druck beim Käufer entstanden ist. Man will ja nicht als Schmarotzer dastehen.

    Ähnliche Feldversuche im Internet haben zu einem Durchschnittspreis deutlich unter Herstellungskosten geführt. Hier konnte jeder ohne persönlichen Kontakt und ohne das es andere mitbekommen zugreifen. Gerade durch die Anonymität wird ein faires Verhalten nicht stattfinden.

    Und daher bin ich der Meinung, dass es kein System für die breite ist, da viele nicht bereit sind für frei einsehbare Seiten in irgendeiner Weise Geld zu lassenund sei es als Spende. Die wenigen Samariter die es sicherlich gibt ausgenommen.

    Derzeit sehe ich im Internet nur 2 erfolgreiche Varianten. Die eine sind kostenlose Seiten, die sich über Werbung finanzieren, oder die anderen die Premiumleistungen für Geld bieten.

Nachricht hinterlassen

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.