Facebook Credits – Wird Geld jetzt digital?

Veröffentlicht von Michael Merkel / 8. Juli 2011 / , / 3 Kommentare

Facebook Credits, so nennt sich die neue eigene virtuelle Währung des größten Social Networks der Welt. Hiermit versucht Facebook, ähnlich wie in z.B. Second Life, die Realität mit der virtuellen Welt zu verknüpfen und zu monetarisieren. Das Ziel von Facebook Credits ist es jedoch nicht nur als Zahlungsmittel in Spielen oder Facebook-Apps zu fungieren, sondern ähnlich wie Paypal als bedeutendes Zahlungsmittel im WWW heran zu wachsen.

Wie funktioniert das mit den Credits in Facebook?

Bisher kann man die Credits nutzen, um kostenlose Spiele und Anwendungen interessanter zu machen. Man kann sich also in Facebook unter „Mein Konto“ -> „Zahlungen“ die Facebook Credits kaufen. Die Bezahlung ist via Kreditkarte, Paypal und anderen gängigen Zahlungsmitteln möglich. In den USA gibt es sogar schon die Möglichkeit in Supermärkten Gutscheinkarten für Facebook Credits zu kaufen. Für 50 Credits („Gutschriften“) muss man 3,53€ auf den Tisch legen. Diese Credits kann man in allen (seit 1. Juli 2011) Facebook-Apps als Zahlungsmittel nutzen.

Eines der bekanntesten Beispiele ist hier die Echtzeit Farmsimulation „FarmVille“. Hier kann man seine selbst aufgebaute Farm mithilfe von Facebook Credits durch seltene Objekte/Tiere erweitern.

Was für Vorteile bringen die Facebook Credits?

Für Facebook, liegen die Vorteile klar auf der Hand. 30% der Gutschriften kassiert Facebook (Das ist überdurchschnittlich viel, zum Vergleich: Paypal berechnet für den Empfang von Geld innerhalb der EU 1,9% + 0,35€). Des Weiteren sinkt vermutlich die Hemmschwelle sich etwas zu kaufen, da man ja nicht mit echtem sondern nur mit „Spielgeld“ bezahlt (gleichwohl auch dahinter richtiges Geld steckt!).

Der Nutzer hat den Vorteil, dass er die Gutschriften überall in Facebook einsetzen kann und keine verschiedenen Währungen in den einzelnen Anwendungen benötigt. Das heißt die Registrierung und Weitergabe von Bankverbindung oder Kreditkartendaten an andere Anbieter entfällt. Auch hier sinkt die Hemmschwelle eines Kaufs natürlich deutlich.

Ab Juli 2011 ist es für Entwickler von Facebook-Apps vorgeschrieben, die Credits als Zahlungsmittel in den Apps anzubieten. Damit macht Facebook einen weiteren Schritt in Richtung „bedeutende Währung im WWW“.

Ich habe mal kurz in die Zukunft gedacht und mir zwei Anwendungsszenarien ausgemalt:

Szenario 1:

Stellen Sie sich einmal vor Sie surfen im Internet. In einem Browserfenster haben Sie die Facebook-Seite geöffnet und sind eingeloggt. Sie gehen auf einen Onlineshop und möchten einen Artikel kaufen, Sie klicken dazu einfach auf einen Button „Bezahlen via Facebook“. Da Sie in Facebook eingeloggt sind, entfällt die störende Registrierung. Sie müssen also nur noch bestätigen, dass der Betreiber des Shops Ihre persönlichen Daten von Facebook verwenden darf und schon wird automatisch die Lieferadresse etc. an den Lieferanten übermittelt.

Szenario 2:

Sie sind mit einem Bekannten etwas trinken und haben zu wenig Bargeld bei sich. Der Bekannte legt das Geld für Sie aus. Sie nehmen ihr Smartphone und schicken dem Bekannten sofort das geschuldete Geld in Form von Credits.

Die Anwendungsgebiete von Facebook sind momentan noch auf Spiele / Apps begrenzt. Doch was passiert, wenn Facebook die Bezahlung sämtlicher Waren im Internet ermöglicht (siehe Szenario 2)? Würden die User dies überhaupt annehmen? In Sachen Datenschutz hat sich das Soziale Netzwerk schon einiges erlaubt, will man wirklich, dass Facebook auch noch weiß was man gerade gekauft hat?

Haben Sie Facebook Credits schonmal genutzt oder würden Sie es nutzen? Ich bin auf Ihre Antworten gespannt.

Kommentare

3 Kommentare

  • Alex Peter
    8. Juli 2011 bei 13:58

    Wer bestimmt die Wechselkurse zu frei handelbaren Währungen?
    Wer entscheidet über die Geldmenge?
    Wer bestimmt die Transaktionskosten?
    Wer hat den größten Nutzen von dieser Kunstwährung?

    Wer die Kaufkraft schützt will ich gar nicht wissen, die Notenbanken kümmern sich um diesen Punkt ja auch immer weniger.

    Schönes Wochenende
    AP

  • fsw
    fsw
    10. Juli 2011 bei 11:55

    Hallo Herr Peter,

    wichtige Fragen… und ich würde angesichts solcher Vorfälle wie dem jüngsten Bitcoin Hack (http://winfuture.de/news,63809.html) noch die Frage anschließen, wer die Sicherheit „garantiert“ (wenn so etwas bei einer digitalen Währung überhaupt möglich ist).

    Die Zeit wird zeigen, ob Antworten auf die Fragen gefunden werden oder sich die Nutzer diese Fragen gar nicht stellen.

    Viele Grüße aus Bühl und noch einen schönen Sonntag,
    Franz Welter

  • MM
    MM
    11. Juli 2011 bei 22:07

    Hier noch ein interessanter Link zu dem Thema. Der Deutschlandchef von Paypal ist der Meinung, dass sich reine Web-Währungen nicht durchsetzen können:

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Paypal-draengt-in-stationaeren-Handel-1276820.html

    Viele Grüße
    Michael Merkel

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