Blue Ocean Strategie im Retail Banking: Keep it simple and sexy

Veröffentlicht von Franz Sebastian Welter / 12. Juli 2011 / , / 3 Kommentare

Kennen Sie eigentlich die Blue Ocean Strategie? Dabei handelt es sich um einen vielbeachteten strategischen Ansatz, der Wege aufzeigt, aus einem hart umkämpften Markt auszubrechen, indem neue Märkte geschaffen werden. Die neuen Märkte sollen dabei durch einen fundamental neuen Kundennutzen geschaffen werden. Am besten veranschaulichen kann man diesen strategischen Ansatz am Beispiel von Nintendo. Nintendo wird häufig als Beispiel für die Blue Ocean Strategy herangezogen. Mit der Wii hat Nintendo ein komplett neues Steuerungskonzept eingeführt und sich damit nicht nur von Wettbewerbern klar differenziert, sondern auch neue Zielgruppen erschlossen. Menschen, die bisher nie oder kaum Computerspiele spielten, stürzten sich in Massen auf die neue Konsole und sorgten für den gewünschten Erfolg. Könnte so etwas auch in der Bankenwelt funktionieren? Und wenn ja, was wäre der Wii-Controler der Bankenwelt?

Zuerst aber noch ein bisschen Theorie der Vollständigkeit wegen. Die Blue Ocean Strategy geht auf den gleichnamigen Beststeller von W. Chan Kim und Renée Mauborgne zurück. Sie definieren die Blue Ocean Stragey wie folgt:

Blue Ocean Strategy is a way to make the competition irrelevant by creating a leap in value for both the company and its customers.

Eine schöne Zusammenfassung und Erläuterung liefert das folgende Video:

Was bedeutet dieser Ansatz nun für das Retail Banking? Ist es möglich, den Ansatz der Blue Ocean Strategy in der Bankenwelt umzusetzen? Nintendo hat ein neues Steuerungskonzept eingeführt und damit die Videospielwelt revolutioniert. Ist es möglich, dieses Prinzip auf die Bankenwelt zu übertragen, indem man einen neuen Zugangsweg zum Thema Finanzen schafft?

Neue Kunden zu erreichen ist sicherlich schwierig. Zumindest wenn man Kunden so definiert, dass dies Menschen sind, die Finanzprodukte besitzen oder benötigen. Aber wenn man Kunden nun anders definieren würde, z.B. als Menschen, die sich für Finanzen interessieren und sich gerne damit beschäftigen, dann scheint es doch ein Steigerungspotenzial zu geben. In jedem Fall kann ich in meinem privaten Umfeld feststellen, dass sich viele Menschen nicht mit Finanzen auseinander setzen wollen. Zu kompliziert, zu intransparent, zu langweilig lautet das einstimmige Credo. Könnte man also einen komplett neuen Weg einschlagen, um Menschen dazu zu bewegen, sich gerne mit Finanzen zu beschäftigen?

Wie könnte so ein Ansatz im Retail Banking aussehen? Erste zarte Ansätze wachsen langsam. Die noch nicht gestartete Bank Simple hat sich z.B. auf die Fahne geschrieben, das „Personal Banking neu zu erfinden“. Auf www.banksimple.com kann man deren Vision zumindest schon mal nachlesen. Ob sich hinter den Aussagen nur Marketing-Phrasen oder revolutionäre Ansätze verbergen, bleibt wohl vorerst abzuwarten.

Im Finance 2.0 Blog von Boris Janek wurde ich vor kurzem auf die Movenbank.com aufmerksam. Ein von Brett King gestartetes Projekt. Brett King ist Autor des Buches „Bank 2.0“ und geschätzter Experte rund um das Thema Banking 2.0. Auf der Homepage von Movenbank erwartet uns folgender Slogan in großen Lettern: „No paper. No plastic. No hidden fees. We are creating the third generation of banking experience. Built from the ground up for mobile and online.“ Auch hierbei ist fraglich, ob es sich nur um kantige Marketing-Sprüche handelt oder den Ankündigungen Taten folgen. Brett King wäre es in jedem Fall zuzutrauen, dass er zahlreiche seiner Ideen für potenziell disruptive Innovationen verwirklichen möchte.

Über zahlreiche andere Ansätze, die den Zugang zu Finance-Themen erleichtern sollen, haben wir in diesem Blog schon öfters berichtet. Payoff.com, bobberinteractive.com, die breeze wihlist oder andere PFM-Tools wie mint.com sind nur einige Beispiele dafür. Aber was könnte denn nun die Zauberformel sein, die das Retail-Banking im Internet neu erfindet?

Extrem einfach, transparent, mobil, sexy und verspielt könnte die Antwort lauten. Fast alle dieser neuen Ansätze versuchen die Komplexität zu reduzieren und setzen auf wahnsinnig übersichtliche und stylische Oberflächen. Nach dem Motto „mobile first“ werden die Dienste meistens von Grund auf für die mobile Nutzung designt und spielerische Elemente werden in immer mehr Anwendungen integriert. Aber reicht das für einen blauen Ozean oder ist „einfach, transparent, mobil, sexy und verspielt“ nur eine weitere Nische in der Bankenwelt? Springt die Generation google+ auf solche Bankmodelle an? Was denken Sie?

Kommentare

3 Kommentare

  • 13. Juli 2011 bei 10:24

    Hallo Franz,

    ich denke das ist ein spannendes Modell. Ob eine Bank wir Nintendo handeln würde oder könnte sei mal dahingestellt. Die Spielebranche ist ja insgesamt dynamischer und stark von Innovationen abhängig. Dort dürfte also auch eine entsprechende Kultur existieren und meiner Meinung nach, ist die Organisationsform der Banken und der ganzen Branche der größte Hemmschuh.

    Auf die Movensbank bin ich sehr gespannt. Ebenso auf Bank Simple. In Deutschland haben wir ja die Fidorbank und die bringen auch immer wieder schöne neue Ideen auf den Markt. Aktuell beginnen die ja auch die Kundenvorschläge umzusetzen. Ich habe dort vor einigen Tagen ein wenig Platin gekauft und war von der Einfachheit des Prozesses geradezu geplättet. Demnächst wird man dort offenbar auch mit virtuellen Währungen handeln können.

    Also um Deine Frage zu beantworten: Ja ich würde! In einer Hinsicht bin ich aber skeptisch. Ich denke die erfolgsversprechenden Modelle laufen darauf sich weniger mit Finanzthemen auseianderzusetzen. Es geht um die absolute Vereinfachung und Transparenz. Die Fähigkeit alles selber mit wenig Zeitaufwanf in den Griff zu bekommen und da werden Banken, die auf Filiale und persönliche Beratung setzen unter den Tisch fallen. Möglicherweise müssen die dann ganz andere Dinge bieten, wie z..B Atmosphäre und Entertainment. Das wäre dann wieder sexy.Oder?

  • fsw
    fsw
    13. Juli 2011 bei 12:29

    Hi Boris,

    danke für deinen interessanten Kommentar. Du schreibst: „Ich denke die erfolgsversprechenden Modelle laufen darauf sich weniger mit Finanzthemen auseianderzusetzen“ Zum Teil stimmt das schon. „Disintermediation“ ist derzeit bestimmt ein Lieblingsbegriff vieler Unternehmensberater… Durchaus berechtigt, wenn man sich die verschiedenen neuen Geschäftsmodelle ansieht. Trotzdem glaube ich, dass viele Kunden nach wie vor den Kontakt zu ihrem persönlichen Berater suchen. Ob das immer über die Filiale sein muss oder über neue Kontaktwege im Internet, sei mal dahin gestellt. Die neuen Ansätze im Internet bieten auch viele Möglichkeiten den Berater einzubinden. Stell dir z.B. mal ein PFM-Tool vor, dass in die Banksysteme integriert ist und die Interaktion zwischen Kunde und Berater ermöglicht…

    Viele Grüße aus Bühl,

    Franz

  • 15. Juni 2012 bei 11:55

    hallo zusammen.

    ich bin nur unfällig und zufällig hier gelandet. „google“ hat mich zum stichwort „blue ocean“ u.a. hierin geführt. bei dem thema, auch wenn es hier schon fast ein jahr alt ist, möchte ich natürlich keinesfalls verpassen, einen kleinen hinweis zu hinterlassen… falls sie offen für etwas „ganz anderes“ sind… weder strategie, noch marketing, eben: „ganz anders“. http://www.mimesis.biz

    gruß soweit
    cerny

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