Über Social Media und Social Games – Doris Schuppe im Interview

Veröffentlicht von Maik Jost / 1. August 2011 / , / 3 Kommentare

Hallo Frau Schuppe, erst einmal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview für dieInnovationswerkstatt der Volksbank Bühl nehmen. Nun, kommen wir zur ersten Frage: Stellen Sie sich doch bitte zuerst einmal unseren Lesern vor und erzählen Sie uns, wie Ihre Online Marketing Karriere begann?

Eigentlich ist das Social Web für mich die ideale Zusammenführung meiner bisherigen beruflichen Erfahrungen. Schon im Studium begeisterte ich mich für das Medium Internet und habe sukzessive meine Online-Leidenschaft zum Beruf gemacht. Unter anderem als Journalistin mit Fokus auf Web-Technologien, als Pressereferentin des Online-Dienstes CompuServe oder eben seit 2010 als Kommunikationsberaterin für neue Medien wie Social Web oder Mobile Internet. Agenturen, Unternehmen oder Selbständige nutzen mein Know-how und lernen so neue Kommunikations-Kanäle kennen und nutzen.

2. Worin besteht für Sie die ideale Social Media Strategie? Auf was sollte man als Unternehmen unbedingt achten und womit eventuell beginnen?

Auf jeden Fall zunächst im eigenen Unternehmen anfangen und fragen, wie vorbereitet ist meine Organisation auf das Engagement im Social Web. Sprich, wie hoch ist der Kenntnisstand meiner Mitarbeiter in punkto Web 2.0, wie sind ihre Skills für den Dialog? Wie ist unsere interne Informationspolitik, wie gut arbeiten verschiedene Abteilungen zusammen? Wie offen ist unsere Unternehmenskultur? Dann ganz klar die Frage, welche Interessensgruppen mit welcher Zielsetzung und welchen Inhalten erreicht werden sollen. Nur wenn die Zielgruppen und Ziele geklärt sind, kann eine sinnvolle Wahl der passenden Social Media-Plattformen für den Dialog gewählt werden.  Als Einstieg sollte ein Unternehmen anhand dieser und anderer Fragen spezifische Social Media Guidelines zur Orientierung und Unterstützung der Kommunikatoren entwickeln. In diesen bilden sie ihre jeweilige Unternehmenskultur mit ihren Wertvorstellungen ab und geben einen gemeinsamen Stand, warum, mit wem und zu welchem Zweck das Social Web genutzt wird

3.  Wenn man als Unternehmen erfolgreich im Web2.0 unterwegs sein will, muss man heutzutage als authentisch und transparent gelten. Mit welchen Mitteln ist genau diese Authentizität und Transparenz Ihrer Meinung nach zu schaffen?

Was beispielsweise meines Erachtens gar nicht geht ist Stellvertreter für das Unternehmen im Social Web agieren zu lassen. Ab und zu erhalte ich Anfragen, ob ich die Social Media-Aktivitäten für eine Firma komplett übernehmen könnte. Wie kann daraus eine authentische Kommunikation erwachsen? Ich habe lange Zeit mit PR-Agenturen gearbeitet – sie machen einen super Job, aber wie ein Mitarbeiter im Unternehmen, für das sie tätig sind, können sie einfach nicht agieren. Authentische Kommunikation heißt, glaubwürdige, wahre und zuverlässige Aussagen zu machen, die langfristig Vertrauen schaffen. Das bedeutet nicht, dass über Informationen gesprochen wird, die als vertraulich gelten oder als Firmengeheimnis eingestuft sind. Oft wird Transparenz in diese Richtung missverstanden. Als PR-Frau weiß ich: Nicht jede Frage „muss“ beantwortet werden. Vielmehr geht es um die Entwicklung einer Strategie zur freiwilligen und kontinuierlichen Veröffentlichung relevanter Informationen. Und zwar relevant so verstanden, dass es Informationen sind, mit denen sich Journalisten, Kunden, Geschäftspartner, Mitarbeiter oder auch Nichtregierungsorganisation (NGOs) ein realistisches Bild über das Unternehmen, seine Leistungen und Produkte machen können. Denn: Je transparenter eine Organisation online agiert, desto weniger eignet sie sich für wilde Verschwörungstheorien.

4. Social Games sind mittlerweile ein fester Bestandteil im Internet. Welches Potenzial steckt Ihrer Meinung nach in diesem Markt und welche Chancen lassen sich durch sie für Unternehmen und vielleicht gerade für Finanzdienstleister generieren?

Den wenigsten ist bewusst, dass jeder Dritte Erwachsene und Jugendliche in Deutschland digitale Spiele spielt. Und bei den Social Media-Nutzern sind es sogar 88 Prozent, die Computer-, Konsolen- oder Online-Games, und fast 60 Prozent, die Social Games spielen. Sobald Google, wie gemunkelt wird, in diesen Markt einsteigt, werden sich diese Angaben sicher noch erhöhen. Zudem wachsen Kinder heute mit Wii, Playstation und Handy-Spielen auf – spielerisches Lernen wird da schon in jungen Jahren angelegt. Wie schon der Kulturhistoriker Johan Huizinga schrieb, ist das Spiel ein grundlegendes Element unserer Kultur. Ich denke es ist findet gerade eine gewisse Wiederentdeckung dieses Elements statt, da unsere Umwelt zunehmend komplexer wird. Wenn wir uns heute zum Beispiel ein Smartphone kaufen, erwerben wir einen Computer mit reichhaltigem Funktionsumfang. Wollen wir das Handbuch dazu lesen? Nicht wirklich. Aber unter Einsatz diverser Spielmechaniken – wie zum Beispiel ein rascher Einstiegserfolg und nachfolgend das sukzessives Aufstocken der Funktionalitäten – kann der Zugang zu komplexen Themen erheblich erleichtert werden. Das ist auch auf viele Produkte und Dienstleistungen des Finanzsektors übertragbar. Spielen ist beispielsweise für Banker nun wirklich nichts Neues, wenn wir uns an die Börsenspiele erinnern, die inzwischen auch Online genutzt werden. Die komplizierten Zusammenhänge im Aktiengeschäft werden hier im Simulationsspiel erlernt – zugegeben in meist recht trockener Art. Da könnte eine Erweiterung mit „typischen Social Game“-Funktionen – Stichwort Gamification – sicher neue Interessenten ansprechen. Denn eine wichtige Komponente in Social Games ist das Netzwerk aus Mitspielern, das sich gegenseitig hilft, um diverse Spielaufgaben zu meistern. Dadurch tragen Spieler diese Games und konkrete Aktionen in neue Zielgruppen hinein, wenn der Spielspaß deutlich im Vordergrund steht und ein werblicher Charakter im Hintergrund bleibt. Im Marketing gehen wir davon aus, dass Unternehmen und Marken mit den Erfolgserlebnissen im Spiel unbewusst verknüpft und gemerkt werden. Im Recruiting gibt es viele Beispiele wie mithilfe von Spielen das Image des potenziellen Arbeitgebers vermittelt oder auch Fähigkeiten der Kandidaten erprobt werden. Wichtig ist, dass ein Social Game immer zum Unternehmen passt. Sonst hat es den Effekt wie damals viele Online-Preisausschreiben mit attraktiven Preisen: Eine Schnitzeljagd über die Website sorgt zwar für Traffic und Aufmerksamkeit, aber wenn die Zielgruppe nicht zu Produkt und Dienstleistung passt, entwickelt sich kein nachhaltiger Kontakt.

5. Sie sprechen auf Ihrer Seite von „Social Media Enablement“. Was meinen Sie damit?

Aus meiner Arbeit in der Soft- und Hardwarebranche bin ich das Enablement im Vertriebsumfeld gewohnt, also Menschen mit passendem Rüstzeug in die Lage versetzen, in einem neuen Umfeld agieren zu können. Wie ich es bereits bei der Frage zur Social Media Strategie ansprach muss ein Unternehmen seine Mitarbeiter auch befähigen, im Social Web aktiv zu werden. Mehr als Software-Schulungen sind im Web 2.0 die jeweiligen Kommunikationsfähigkeiten zu fördern statt nur die Technologien der Plattformen Blog, Facebook, Twitter, Google+ etc. zu vermitteln. Im Social Web geht es schließlich um den Dialog von Mensch zu Mensch. Und auch um die Spielregeln und Rahmenbedingungen, die ein Unternehmen dazu setzt – Stichwort Social Media Guidelines.

Abschließend noch eine Frage: Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie in naher Zukunft im Bereich Social Marketing, Social Games und Co. und was würden Sie sich wünschen?

Gerade hat sich das Social Web wieder verändert, als Google den Betatest des Social Network Google Plus startete. Da sehr viele Online-Nutzer bereits mit GoogleDocs arbeiten oder GoogleMaps und Youtube personalisiert nutzen, verfügen diese über ein Google-Profil, das zum neuen Google+-Profil wird. Innerhalb von 16 Tagen tummeln sich bereits 10 Millionen Betatester im neuen Google-Netzwerk, Facebook hat dafür über zwei Jahre gebraucht. Das ist es was ich an Internet und Social Web mag: Es bringt immer wieder Veränderungen. Wenn diese Veränderungen helfen, Erfahrungen, Informationen und Wissen zu verbreiten und auszutauschen, dann sind dies meiner Ansicht nach die richtigen Entwicklungen.

Frau Schuppe, vielen Dank für dieses aufschlussreiche Interview und wir wünschen Ihnen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Unternehmen DoSchu.Com Herzlichen Dank!

Kommentare

3 Kommentare

  • JK
    1. August 2011 bei 8:37

    Hallo Herr Jost,

    interessantes Interview, danke!

    Frau Schuppe schreibt in einer Antwort „Im Social Web geht es schließlich um den Dialog von Mensch zu Mensch. Und auch um die Spielregeln und Rahmenbedingungen, die ein Unternehmen dazu setzt – Stichwort Social Media Guidelines.“

    Gibt es Unternehmen, vielleicht sogar aus der Finanzbranche, die solche Social Media Guidelines im Einsatz haben?
    Diese müsste man doch dann auch regelmäßig aktualisieren und Überwachungsfunktionen einbauen, oder? (Wo fängt man an und wo hört man auf?)

    Gruß
    JK

  • fsw
    fsw
    1. August 2011 bei 8:54

    Hi JK,

    ja, wir haben z.B. Social Media Guidelines bzw. Social Media Empfehlungen im Einsatz. Diese Empfehlungen sind relativ allgemeingültig und müssen in diesem Zusammenhang nicht zu oft aktualisiert werden. Weil sie allerdings relativ allgemein sind, ist es wichtig ergänzend Schulungen durchzuführen. Zu diesem Zweck bieten wir in der Volksbank Bühl vier Internet-Schulungsmodule an. In diese Schulungen fließen dann auch immer die neusten Entwicklungen ein.

    Viele Grüße
    Franz Welter

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