Gartner Hype Cycle – Langfristiger Trend oder nur kurzfristiger Hype?

Veröffentlicht von Frank Gutknecht / 30. August 2011 / Innovationen / 2 Kommentare

Schon oft haben wir in unserer Innovationswerkstatt über neue Trends und deren Realisierbarkeit diskutiert und sind dabei zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangt. Wie kann man schon frühzeitig erkennen, ob es sich bei den Innovationen um einen kurzzeitigen Hype handelt oder um einen langfristigen Trend, der den Markt und vielleicht auch nachhaltig unsere Gewohnheiten bestimmt? Welche Faktoren beeinflussen Entwicklung, Vermarktung und Investition in neue Technologie- oder wie können wir als Genossenschaftsbank frühzeitig erkennen, ob sich neue Technologien durchsetzen werden? Gibt es einen verlässlichen Indikator, der uns bei unserer Einschätzung unterstützen kann?

Bei unseren Nachforschungen sind wir auf ein sehr interessantes und schon lange bewährtes Modell der Indikation gestoßen – den Gartner Hype Zyklus. Er orientiert sich an fünf Schlüsselphasen des technologischen Lebenszyklus. Diese können wie folgt, stark vereinfacht, anhand nachstehender Graphik beschrieben werden. 

Seit 1994 werden Technologien von der Garner-Group entlang kurvenförmig in Lebensabschnitte eingeordnet. Die y-Achse beschreibt hierbei die öffentliche Aufmerksamkeit und die x-Achse die Zeiteinteilung, in der Technologien verschiedene Phasen bis zu ihrer Marktreife durchlaufen müssen.

Die grob verallgemeinerten Phasen unterteilen sich in:

I Technologischer Auslöser
II Gipfel der überzogenen Erwartungen
III Tal der Enttäuschungen
IV Pfad der Erleuchtungen
V Plateau der Produktivität

Entstanden ist dieses Werkzeug eher zufällig, durch die Gartner-Beraterin Jackie Fenn, als ihr auffiel, dass sich neue Technologien immer nach einem ähnlichen Muster verbreiten. Mittlerweile wurde das Modell auf zahlreiche Technologien angewandt.

Wir haben bereits in unseren letzten Beiträgen über beispielsweise Mobile Payment, Gamification, Augmented Reality, Cloud Computing und vieles mehr geschrieben. Deshalb ist für die Innovationswerkstatt der Hype Cycle für Emerging Technologies am interessantesten. Anhand des Gartner Reports und folgender Darstellung kann man die Einschätzung des Gartner-Modells auf eben diese Technologien erkennen:

In diesem Jahr ist besonders hervorzuheben, dass sich viele Technologien auf dem „ Gipfel der überzogenen Erwartungen“ tummeln. Spannend zu sehen ist, dass sich die QR-Codes offenbar durchsetzen, über die wir nicht nur in unseren Blog berichtet haben, sondern mit denen wir experimentieren. Dass die Cloud basierten Web Plattformen im „Tal der Enttäuschungen“ eingestuft sind, überrascht mich ein wenig, wird ihnen durch derzeit großes mediales Interesse und vielen Vorteilen ein großes Potenzial nachgesagt. Die sehr hohen Erwartungen in NFC Payment, Internet TV, Private Cloud Computing, Augmented Reality, Cloud Computing oder Machine-to-Machine Communication Services zeigt sehr deutlich deren vermeintliche Überzogenheit, die an diesen Technologien haftet. Dies kann damit erklärt werden, dass bislang (leider) noch keine massentauglichen Anwendungen vorzufinden sind und daher Enttäuschungen vorprogrammiert sind. Komplexe Technologien wie Gesture Recognition, wie wir sie heute in vereinfachter Form von Wii, Kinect und Playstation Move schon aus unseren Wohnzimmern kennen, sind für den Mainstream erst in 2-5 Jahren bereit. Noch länger braucht nach Gartner ein Computer Brain Interface zur Marktreife.

Wie erfolgreich dieses Modell sein kann, zeigt die Vorhersage des Platzens der „Dot-Com-Blase“ im November 1999 bereits ein halbes Jahr zuvor, welches als der größte Moment des Hype-Cycles gilt. Rückblickend gab es aber auch krasse Fehleinschätzungen: Als der erste Hype-Cycle von Fenn im Jahre 1995 vorgestellt wurde, fand man die drahtlose Kommunikation oder den „Information Superhighway“ in der zukünftigen Bedeutung absteigend.

Ganz wichtig bei dem Hype-Zyklus ist, dass man dieses Grundmodell nur als Orientierungshilfe nutzen sollte, denn die Aussagen sind oft subjektiv, abhängig vom jeweiligen Autor. Für jede Technologie benötigt man ein eigens ausgearbeitetes Modell, das allerdings keine volle Garantie auf Erfolg gibt. Oftmals durchlaufen Technologien bestimmte Phasen mehrfach, werden vor der Marktreife obsolet, spalten sich auf oder verschmelzen. Das Model hilft jedoch sehr dabei der aufkommenden Infomationsflut gerecht zu werden und die überzogenen Erwartungen der öffentlichen Aufmerksamkeit einzudämmen. Es ist also notwendig, eigene Erfahrungen mit einzubeziehen, Marktforschung selbst zu betreiben und regionale Gegebenheiten zu berücksichtigen.

Um auf die Eingangsfrage zurückzukehren, was bedeutet dies nun für uns als Genossenschaftsbank?

Trefflich gibt die Aussage von Jackie Fenn für mich selbst die Antwort: „Mach nicht mit, nur weil es in ist. Verpasse es nicht, nur weil es out ist“.

Kommentare

2 Kommentare

  • Spannende Beschreibung. Mir war bislang nicht bewusst, dass die Grafik auf Gartner zurück ging. Ich kenne sie mehr von der Anwendung im Change Management, wo sie den Organisationszustand beschreibt.

    Es gibt ja verschiedene konzeptionelle Ansätze, technologische Veränderungen zu beschreiben. Vergessen darf man dabei nicht (und das fehlt in der Gartner Grafik), dass es auch Innovationen gibt, die nie Mainstream werden und in der Kurve „unten rausfallen“.

    Daher ist es schon immer auch eine strategische Entscheidung, was man mitmacht und was nicht. Gerne verweise ich in dem Zusammenhang auf den Artikel „Fit für die Zukunft“ im Bank Blog (http://www.der-bank-blog.de/?p=1878), wo anhand von 10 Fragen geklärt wird, ob man für die kommenden Herausforderungen gut gerüstet ist.

    Beste Grüße

    Hansjörg Leichsenring

    http://www.der-bank-blog.de/

  • Alex Peter
    1. September 2011 bei 15:23

    An dieser Graphik habe ich meine Freude, denn sie macht mich gelassen.

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