Location Based Services – Spiel, Spaß und Chancen?!

Veröffentlicht von Maik Jost / 12. September 2011 / / 3 Kommentare

Majorships, Badges, Rewards & Co. sind mittlerweile nicht nur Statussymbole der vielen „(Ein-)Checker“, sondern ermöglichen vielen Leuten – leider vorwiegend noch in den USA – das eine oder andere Schnäppchen zu schlagen. Die Rede ist von Location Based Services, kurz LBS. LBS sind standortbasierte Dienste, die auf Basis des aktuellen Standorts den User mit Informationen versorgen, die mit einem Standort zusammenhängen.

Die momentan wohl bekanntesten LBS sind Foursquare, Gowalla, SCVNGR und Facebook Places

  • Foursquare ist das Geo-Location-Spiel, das mit ca. 9 Mio Usern die auf dem Markt hat. Der Nutzer kann hier verschiedene Badges (Abzeichen) sammeln, je nachdem wie oft, an welchen Orten oder mit wie vielen Personen er eincheckt. Derjenige, der einen Ort am meisten besucht hat, ist der Major. Abgesehen vom hohen Ansehen in der Usergemeinde, stehen einem je nach Kooperationspartner von Foursquare auch kostenlose Goodies wie ein Frappuccino oder ähnliches zu.
  • Gowalla funktioniert auf ähnliche Art und Weise, nur sammelt man hier keine Badges, sondern es ist ein virtueller Reisepass, in dem man auf „Stamps“ -Jagd geht.
  • Bei SCVNGR ist es ähnlich wie bei Foursquare. Hier heißen die Auszeichnungen allerdings Rewards und man verdient sie sich nicht nur durch einchecken, sondern auch durch verschiedene Challenges, die man bestreiten kann, und dafür belohnt wird. Dieser Dienst ist hierzulande weitestgehend unbekannt, in den USA jedoch weit verbreitet
  • Mit Facebook Place, hier in Deutschland bekannt als Facebook Orte, hat der Social-Network-Riese vor ca. einem Jahr auch ein LBS herausgebracht. So können auch alle Freunde sehen, an welchem Ort man sich gerade befindet. Die Funktion „Deals“ ermöglicht den Usern auch hier, beim Einchecken einen Preisnachlass zu ergattern.

Durch die vielen Check-In’s wird eine Art freiwilliges Bewegungsprofil erstellt. Alle Freunde und Kontakte sehen jederzeit, an welchem Ort sich jemand befindet. Die User bekommen je nach Check-In verschiedene Punkte, das erhöht den Ehrgeiz, mehr Punkte zu sammeln als seine Mitstreiter, und steigert wiederum nicht nur den Erfolg der App, sondern auch den Spaß. Doch nicht nur der Konkurrenzfaktor und die Anzahl der Punkte stacheln die Spieler an, sondern auch die Tatsache, dass man durch bestimmte Auszeichnungen (sogenannte Badges) teilweise Special Offers, sprich Vergünstigungen, für einen Drink bekommt bis hin zum Gratis-Essen für den Major. Ruft man beispielsweise einen der oben genannten Dienste wie Foursquare oder Facebook Places auf, erscheinen bei einem Smartphone alle Specials oder Deals aus der näheren Umgebung in einer Liste auf dem Display. Checkt man sich nur einzeln oder als Gruppe ein, erhält man beispielsweise bei Vorzeigen an der Kasse die jeweilige Vergünstigung.

 

Es entsteht fast schon ein regelrechter Suchtfaktor, den sich gerade einige Großunternehmen aus der Industrie und Finanzbranche zu Nutzen gemacht haben. Beispielsweise bietet Buffalo Wild Wings seine knusprigen Hähnchenteilefür für alle SCVNGR-User, die sich gerade in einem Restaurant eingecheckt haben, zu einem besonders günstigen Vorteilspreis an. Eine andere Kooperation, die meines Erachtens weitaus bedeutender ist, ist die des Kreditkartenunternehmens American Express mit dem momentanen LBS-Branchenprimus Foursquare. „Cashback bei Check-In“ heißt die Devise, bei denen die Nutzer des Location-Dienstes, die bei teilnehmenden Einzelhandelsunternehmen einchecken und Einkäufe mit ihrer American-Express-Karte bezahlen, Geld zurück erhalten. In den USA ist diese Art von neuen kreativen Marketinginstrumenten schon deutlich vorangeschritten und ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis dies auch in unserem Raum in ähnlichem Umfang angeboten wird. Es mag schon einige Unternehmen geben, die sich auf die Welle des standortbasierten Marketings gestürzt haben, jedoch waren bisher noch keine Finanzinstitute dabei. Wie würden solche Deals aussehen bezogen auf Finanzinstitute? Wäre es möglich, als Bank eine ähnliche Kooperation wie Amex es getan hat einzugehen?

Ich denke im Bereich der Verbrauchsgüter liegt der Vorteil von LBS klar auf der Hand, die kleinen Bonbons kosten die Unternehmer nicht viel. Mal gibt es hier einen Gratiskaffee oder dort ein kostenloses Bier. Das sind keine entscheidenden Beträge in der Bilanz. Allerdings werden so Kunden gebunden und sie bringen neue Gäste mit. Zudem werden häufig auch mal neue Läden ausprobiert, auf die man ohne die entsprechenden Deals gar nicht aufmerksam geworden wäre. Aber ist dieses Prinzip auch auf Finanzinstitute übertragbar? Hier ein gutes Konzept und vor allem die richtigen Lockprodukte zu finden und diese auch anzubieten – das könnte noch etwas schwer sein, weil gerade noch das Finanzklientel noch etwas Zeit brauchen wird, um diese Dienste für sich zu entdecken. Auch beim Thema Datenschutz werden wohl die einen oder anderen Stimmen beim Verbraucherschutz laut werden. Bestes Beispiel dafür war die Anwendung Blippy, bei der Kreditkartentransaktionsdaten im Internet veröffentlicht und kommentiert werden konnten, laut einem Artikel der SZ „eine gläserne Abrechnung“. Übertragen auf die LBS könnte hier ein Missbrauch der Daten, bezogen auf die Bewegungsprofile der User, oder eventuelle Phishingattacken eine Gefahr darstellen.

Neben den Gefahren und Risiken stellen die standortbasierten Dienste aber auch große Potenziale und Chancen dar. Es bleibt sehr spannend abzuwarten wie sich diese Dienste bei uns entwickeln werden und welche Vorteile Sie eventuell mit sich bringen. Vielleicht beeinflussen sie sogar das Kaufverhalten ähnlich wie in den USA. Laut einer Studie des Pew Research Center’s Internet & American Life Project, nutzen bereits fünf Prozent aller Mobilfunknutzer beziehungsweise vier Prozent aller Erwachsenen Dienste wie Gowalla oder Foursquare. Bezogen auf die Anzahl der in den USA registrierten Mobilfunknutzer ist dies enorm viel. Hier ein Zitat von Kathryn Zickuhr, eine Mitautorin der Studie: „Americans are not currently all that eager to share explicitly their location on social media sites, but they are taking advantage of their phones‘ geolocation capabilities in other ways.“ Was ist Ihre Meinung zu den Location Based Services? Welches Potenzial sehen Sie gerade bei Finanzinstituten, sich diese Dienste zu Nutzen zu machen?

Kommentare

3 Kommentare

  • Alex Peter
    13. September 2011 bei 12:01

    Lassen sich die LBS für Einbrüche und Diebstähle mißbrauchen? Gibt es da in USA schon Erfahrungen?

  • fsw
    fsw
    13. September 2011 bei 15:25

    Hallo Herr Peter,

    spannende Frage. Auf anhieb fällt mir keine Studie dazu ein. Allerdings bin ich beim googlen auf ein Tool gestoßen, dass Ihre Befürchtung zu bestätigen scheint: Please Rob Me. Ein Dienst der Check-Ins sammelt. Ein paar Infos dazu gibt es hier: http://thenextweb.com/apps/2010/02/17/please-rob-me/ Auf der Seite von „Please Rob Me“ wird erklärt, warum es den Dienst gibt (http://pleaserobme.com/why).

    Und so viel Spaß LBS auch machen kann, man sollte sich als Nutzer dieser Gefahren zumindest bewusst sein.

    Viele Grüße aus Bühl,
    Franz Welter

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