Interview mit Marc Bernegger von Next Generation Finance Invest

Veröffentlicht von Franz Sebastian Welter / 19. September 2011 / , / 1 Kommentar

Wie beurteilen eigentlich Kapitalbeteiligungsgesellschaften die Finance 2.0 Szene? Wir haben Marc P. Bernegger dazu befragt. Zuvor möchte ich Ihnen Herrn Bernegger allerdings kurz vorstellen. Marc P. Bernegger war bereits zu seiner Schulzeit unternehmerisch aktiv und hat zu Beginn des Studiums seine erste Internet-Firma gegründet (usgang.ch, später gekauft vom Verlag Axel Springer). Anschliessend war er einer der Gründer des Münchner Internet-Unternehmens amiando (Ende 2010 von Xing gekauft) und wurde im gleichen Jahr vom Schweizer IT-Verband Swiss ICT zum „Newcomer of the Year“ gewählt. Heute beschäftigt sich Marc P. Bernegger als Partner der börsen-notierten Beteiligungsgesellschaft Next Generation Finance Invest (www.nextgfi.com) mit Startups im Bereich Internet & Finance (Finance 2.0).

1. Herr Bernegger,  was sind aus Ihrer Sicht wesentliche Trends, die die Finanzdienstleistungsbranche in den nächsten Jahren beschäftigen werden?

Aus meiner Sicht wird sich die Finanzbranche durch die Auswirkungen der digitalen Revolution ähnlich stark verändern, wie dies bereits in anderen Industrien geschehen ist. Wenn man rückblickend analysiert, was sich zum Beispiel im Handel oder Verlagswesen durch das Internet alles verändert hat und diese Entwicklungen mit denjenigen in der Finanzbranche vergleicht, ist es erschreckend, wie wenig sich hier bisher getan hat. Dies wiederum ergibt enorme Möglichkeiten für innovative Ideen und neue Startups, welche sich in den Bereichen Finance 2.0 und Banking 2.0 bewegen und genau in dieser Nische bewegen wir uns mit Next Generation Finance Invest.

2. Wie werden in diesem Zusammenhang insbesondere internet-basierte bzw. technische Trends eine Bank – wie wir sie heute kennen – verändern bzw. beeinflussen?

Unter den Gesichtspunkten Transparenz und Effizienzsteigerung ausgelöst durch technologische Innovationen wird sich der Zugang zu den Angeboten der Finanzbranche stark demokratisieren. Traditionalle Banken werden nicht darum herum kommen, sich diesem für sie schmerzhaften Prozess anzupassen, d.h. konkret ihre Strukturen effizienter zu gestalten, dem Kunden gegenüber offener zu sein und v.a. die oft ungerechtfertigt hohen Gebühren nach unten anzupassen.

3. Für NextGFI investieren Sie in Geschäftsmodelle. Können Sie uns einen kleinen Einblick in ihr tägliches Doing geben und verraten wie Sie bei der Bewertung von Trends und neuen Geschäftsmodellen vorgehen? Welche Strategie verfolgt NextGFI? Vielleicht beschreiben Sie uns auch kurz ein paar Start-Ups in die NextGFI investiert?

Aktuell sind wir mit Next Generation Finance Invest bei vier Unternehmen beteiligt, welche alle sehr interessante Ansätze verfolgen: Mit ayondo (www.ayondo.com) decken wir das Themenfeld Social Investing ab, das enormes Potential mit sich bringt. 2iQ Research (www.inside-analytics.com) aggregiert und veredelt Daten von Insider- und Directors-Dealings und ist in Europa führend auf diesem Gebiet. Mit Gekko Global Markets (www.ggmarkets.com) sind wir als Hauptaktionär bei einem innovativen CFD-Broker beteiligt. Gekko sitzt in London und wird in Kürze nach Deutschland expandieren. Oanda (www.oanda.com) ist bereits eine etablierte Unternehmung, welche global im FOREX-Markt tätig ist. Da wir uns bei Next Generation Finance Invest in einer absoluten Nische bewegen, bestehen zwischen unseren Portfolio-Unternehmen sehr grosse Synergien und wir möchten diese in Zukunft vermehrt nutzen.

4. Man sagt Apple, Facebook, Google und manch einem Telekommunikationsunternehmen nach ins Bankgeschäft einsteigen zu wollen. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Aus meiner Sicht werden in Zukunft die Grenzen zwischen reinen IT-Unternehmen und Banken zum größten Teil verschwinden und viele Banken haben bereits heute stark durch IT-Prozesse dominierte Strukturen. Innovative Player wie Google und Apple haben den Vorteil, dass diese viel dynamischer agieren können als traditionelle Banken, weshalb es mich nicht überraschen würde, wenn sich IT- und Internet-Unternehmen in Zukunft vermehrt ins Bankengeschäft hineinbewegen, um ihre bestehende Wertschöpfungskette zu erweitern.

5. Wir sehen heute eine Vielzahl von neuen Geschäftsmodellen und Produkten im Internet: P2P-Kredite, Community-Banking, Personal Finance Management, neue Trading-Plattformen, Crowdfunding, Mobile Payment – Lösungen etc. Allerdings gibt es bisher noch keinen Anbieter, der alle Ansätze davon ganzheitlich auf einer Plattform integriert. Wie beurteilen Sie die Chance, dass dies in den nächsten Jahren passiert und eine „Direktbank 2.0“ entsteht?

Es wird sicher spannend sein, mitzuverfolgen, wie sich diese einzelnen Trends entwickeln und etablieren werden. Ob es Sinn macht, dass diese neuen Services ganzheitlich angeboten werden, wage ich zu bezweifeln, da es doch sehr verschiedene Zielgruppen sind, welche damit angesprochen werden. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass sich Themen wie P2P-Lending, Social Investing oder Crowdfunding etablieren und die Finanzbranche komplett verändern werden.

Herr Bernegger, vielen Dank für das Gespräch.

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