Mobile First – Wie das mobile Internet das Banking revolutioniert

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 19. Oktober 2011 / , , , / 1 Kommentar

Sowohl Internet als auch Mobilfunk haben in den letzten 10-15 Jahren eine rasante Entwicklung hinter sich. Wurden beide Bereiche früher nur von einzelnen Nutzern wahrgenommen, haben sie sich in dieser Zeit zu etwas Normalem, Alltäglichen weiterentwickelt. Mit dem mobilen Internet verschmelzen beide Bereiche nun miteinander.

Doch wie begann alles?

Am 30. Juni 1992 wurde das erste Telefonat über ein Mobiltelefon geführt, das nur eine Funktion hatte → telefonieren. Erst vier Jahre später kam eine weitere Funktion dazu, das Senden von Kurznachrichten, sogenannten SMS. Von da an dauerte es aber noch weitere drei Jahre, ehe 1999 auf der Cebit das Wireless Application Protocol , kurz WAP, vorgestellt wurde und die Möglichkeit bot, Inhalte aus dem Internet als „abgespeckte“ Version anzuzeigen. Aufgrund der geringen Datenrate des Mobilfunknetzes und den schwarz-weißen Displays der Mobiltelefone war der Spaß am mobilen Internet aber noch getrübt. Mit dem öffentlichkeitswirksamen, milliardenschweren Verkauf der UMTS-Linzenen im Jahr 2000, war klar, in welche Richtung die Entwicklung gehen sollte. Jeder sollte die Möglichkeit haben, unterwegs jederzeit auf das komplette Internet zugreifen zu können und zwar in annehmbarer Geschwindigkeit. Der richtige Durchbruch gelang jedoch erst im Jahr 2009, durch immer günstigere Flatrates und immer weiterentwickelte Smartphones. So wurde das mobile Internet nicht nur für Geschäftskunden bezahlbar. Inzwischen gehen in Deutschland mehr als 8 Millionen Menschen „mobil“ ins Internet, benutzen „Apps“, pflegen ihre „Social Networks“ und sehen dies als etwas ganz Alltägliches an.

Wie wirkt sich das Ganze auf den Finanzbereich aus?

Mobil zu sein gilt mittlerweile in unserem Leben als selbstverständlich. Je einfacher die Bedienung, desto höher die Akzeptanz. Seine Bankgeschäfte unterwegs zu erledigen ist ja heute nichts Besonderes mehr, von und für jede Bank gibt es mittlerweile eine App, mit der man alles bewerkstelligen kann, was man zu Hause bisher am PC machen musste. Interessant zu verfolgen ist auch die momentane Entwicklung, das Mobiltelefon als elektronische Geldbörse zu nutzen. Dabei gibt es mehrere Ansatzpunkte: Das Bezahlen per App oder das kontaktlose Bezahlen. Da diese Techniken aber hauptsächlich von den Mobilfunkbetreibern oder Internetdienstleistern getestet und angeboten werden, müssen die klassischen Banken aufpassen, dabei nicht den Anschluss zu verlieren, denn sonst gehen ihnen erhebliche Einnahmen aus dem Zahlungsverkehr verloren. Durchgesetzt haben sich auch mittlerweile Apps, bei denen man mit der eingebauten Kamera Produkte via EAN-Code „scannen“ kann. Daraufhin erhält man dann den günstigsten Preis sowie Usermeinungen direkt angezeigt. Dabei wäre als nächster Schritt interessant, in Echtzeit angezeigt zu bekommen, ob die Anschaffung in das eigene Budget passt oder der Kunde sich die monatliche Belastung aus einem Kredit leisten könnte.

Solche Personal Finance Management (PFM) Tools gibt es bereits mehrfach, eine Liveanbindung wäre aber noch neu. Weitergedacht könnten wir als Bank, wenn der Kunde ein Produkt größerer Anschaffung gescannt hätte, ein Finanzierungsangebot unterbreiten. Live könnte der Kunde per Schieberegler die Laufzeit und damit seine monatliche Belastung berechnen. Eine Finanzreserve, wie sie heute schon EasyCredit anbietet, würde den Gang zur Bank unnötig machen, der Kunde bestimmt Höhe, Laufzeit sowie Rate und nach Bestätigung kann er die Zahlung seiner Anschaffung gleich an der Kasse, natürlich kontaktlos, bestätigen. Denkbar wäre auch bei der Zahlung der quartalsmäßigen Gebühr in einer Artspraxis die Einblendung eines Krankenzusatzangebotes oder beim Autokauf/-finanzierung die Anzeige der passenden KFZ-Versicherung. Dabei sind den Möglichkeiten kaum Grenzen gesetzt. In diesem Zusammenhang sind auch die sogenannten Location Based Services, sprich standortbezogene Dienste interessant. Anstatt beim Bezahlvorgang, könnten hier bei dem Gang durch die Artspraxis das Angebot zur privaten Krankenversicherung unterbreitet werden. Beim Schlendern durch die Fußgängerzone wird angezeigt, dass das Bekleidungsgeschäft links von mir die VR-BankCard Gold akzeptiert und beim Bezahlen mit dieser auch noch 5% Rabatt gewährt. Beim Vorbeilaufen an der Bank erfahre ich, dass heute Gesundheitstage stattfinden und eine kostenlose Blutwertanalyse angeboten wird. Oder man bekommt die Meldung „100 Meter von Ihnen entfernt finden Sie das aktuell günstigste Finanzierungsangebot“.
Verknüpft werden kann das Ganze dann auch noch mit den Augmented Reality Anwendungen, bei der Kamera-Bilder und GPS-Informationen mit Informationen aus dem Internet verknüpft werden. Live an der Hauswand des Bankgebäudes werden beim Blick durch die Kamera des Mobiltelefons die aktuellen Immobilienangebote eingeblendet, beim Klick darauf erhält man das Exposé oder kann sich in einem Finanzierungsrechner ausrechnen, ob die Belastung für einen tragbar wäre. Dies könnte man natürlich dann auch mit seinem PFM und dem eigenen Konto verknüpfen, um dies noch genauer darzustellen. Mit dem Befehl, „Termin ausmachen“, den meine Spracherkennung am Mobiltelefon ermöglicht, mache ich sofort einen Termin mit einem Baufinanzierungsberater aus, alles außerhalb der Öffnungszeiten und ohne Warteschleife in einem Kundenservice-Center. Meine Erfahrungen oder gelungene Aktionen teile ich dann natürlich live via Facebook oder Twitter an meine Freunde weiter und synchronisiere den so eben ausgemachten Termin mit meinem Online-Kalender.

Wie man sieht, sind viele Einsatzmöglichkeiten denkbar und manches davon wird wahrscheinlich in den nächsten Jahren auch schon umgesetzt. Vieles, das heute noch „Science Fiction“ ist, wird bald im Alltag normal sein. Essentiell wird dabei sein, dass wir uns als Bank, die einen Mehrwert an Service und Information bietet, sich klar gegenüber dem Kunden positionieren muss um nicht den Anschluss und letztlich damit den Kunden zu verlieren.

Haben Sie noch weitere Ideen? Bitte teilen Sie sie uns mit!

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