Crowdfunding-Interview mit Philipp Steinberger, Mitgründer der schweizer c-crowd AG

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 10. November 2011 / , / 0 Kommentare

Philipp Steinberger ist selbständiger Berater mit Fokus auf Corporate Finance, Start-Up Finanzierungen (Partner bei Quadrum Partners Ltd) und internationalem Business Development (Mitgründer des Asia2Europe Netzwerk). Nach dem MBA an der Business School Lausanne war er für die UBS, Bank Julius Bär und Bank Vontobel hauptsächlich auf der Investment Banking-Seite tätig, bevor er sich 2003 selbständig machte. Im November 2010 wurde er Mitgründer der c-crowd AG, die die online Crowdfunding-Plattform http://www.c-crowd.com/ betreibt.

Guten Tag, Herr Steinberger, und ein herzliches Dankeschön, dass Sie sich die Zeit nehmen und uns einige Fragen zu dem interessanten Thema Crowdfunding beantworten wollen.

Was hat Sie dazu bewogen die Bankenwelt zu verlassen, sich selbständig zu machen und im April diesen Jahres mit einer Crowdfunding-Plattform online zu gehen? 

Den Schritt in die Selbständigkeit habe ich bereits im Jahr 2003 gewagt, als Berater für Projekte in den Bereichen Finanzen und Medien. Seit 2005 bin ich u.a. für eine Corporate Finance Firma tätig, bei welcher ich hauptsächlich für Eigenkapital-Finanzierungen von meist jüngeren Unternehmen zuständig bin. Dies ist eine extrem spannende Tätigkeit, welche aber auch durch eine gewisse Inneffizienz geprägt ist, insbesondere in Bezug auf die Investorensuche. Als ich dann zum ersten Mal einen Artikel zum Thema Crowdfunding gelesen habe, war mir schnell bewusst, dass dies eventuell die Effizienz bei der Investorensuche steigern könnte. Zusammen mit meinen Partner habe ich dann Ende 2010 die c-crowd AG gegründet und im April 2011 die c-crowd.com Plattform ins Leben gerufen.

In 2010 gingen einige andere Crowdfunding-Plattformen wie z.B. Inkubato, MySherpas, Pling, VisionBakery ebenfalls online und Startnext feierte im September sein einjähriges Jubiläum. Ihre Plattform www.c-crowd.com ist dieses Jahr im April gestartet. Wie möchte sich die c-crowd von den anderen Plattformen abheben bzw. wo will sie eine Lücke schließen und wo sehen Sie Schwerpunkte? 

Wir wollen c-crowd.com ganz klar als führende Schweizer Internetplattform etablieren, auf welcher Kapital und Projekte erfolgreich zusammengeführt werden.

c-crowd positioniert sich allerdings in erster Linie als Finanzierungsplattform für Unternehmen. Zusätzlich können kommerzielle Projekte sowie wohltätige Zwecke auch über c-crowd ihr fundraising betätigen. Das regulatorische Umfeld für Unternehmensfinanzierungen ist in Deutschland anders als in der Schweiz. Hierzulande dürfen wir via online Plattform Unternehmensanteile vermitteln solange das Unternehmen gewissen Anforderungen, insbesondere der Prospektpflicht, entspricht. Um uns in diesem Bereich abzusichern, haben wir proaktiv ein offizielles Ruling bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht eingeholt. Damit sind wir meiner Meinung nach die einzigen im Markt.

Mit c-crowd.com fördern wir Schweizer Jungunternehmer, indem wir Crowdfunding als alternative Finanzierungsmöglichkeit anbieten und ihnen somit helfen, ihre Geschäftsidee zu verwirklichen. Die heutigen Jungunternehmer sind die wirtschaftliche Zukunft von morgen und diese wollen und müssen wir unterstützen.

Crowdfunding ist in den Bereichen Musik/Film/Theater/Mode und Soziales entstanden. Finanzierungen, die sich im klassischen Bankgeschäft eher selten bis gar nicht wieder finden. Können Ihrer Einschätzung nach Crowdfunding-Plattformen den Banken Marktanteile abnehmen oder schließen sie nur eine Lücke? 

Für eine solche Einschätzung ist das Crowdfunding noch zu jung. Zudem kommt es ganz drauf an wie sich das regulatorische Umfeld in Zukunft bewegen wird. In den USA zum Beispiel hat Präsident Obama das Thema Crowdfunding für Jungunternehmen in die Prüfung gegeben – das Repräsentantenhaus hat dem Vorschlag bereits zugestimmt ( http://www.startupexemption.com/?p=152#axzz1cqiZqsrw ). Sollte sich dies auch im Senat durchsetzen, so könnte sich Crowdfunding als mögliche Alternative zu Venture Capital, Business Angels oder sogar Banken etablieren. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Ich denke aber, dass Banken in vielen Hinsichten Teile ihres Geschäftsmodelles hinterfragen müssten, insbesondere in Bezug auf Unterstützung von jungen Unternehmern, welche es sehr schwer haben an die für die Umsetzung ihres Geschäftsmodells benötigte Finanzierung zu kommen. Auf der einen Seite werden enorme Risiken im Investmentbanking eingegangen, aber einen Jungunternehmer mit 100.000 € zu unterstützen,  ist den meisten Banken ein zu hohes Risiko.

Mit Nordpool Hamburg (www.nordpool-hamburg.org) geht die erste regionale Crowdfunding-Plattform online. Auf Nordpool treffen sich Ideengeber und Projektunterstützer, die gemeinsam das kreative Leben in Hamburg voranbringen. Die regionale Verbundenheit gehört auch zu den wichtigsten Werten der Genossenschaftsbanken. Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten und wie könnten Banken und Crowdfunding-Plattformen voneinander profitieren? 

Ich glaube, dass bei Crowdfunding die regionale Verbundenheit grundsätzliche eine wichtige Rolle spielt. Viele Privatanleger haben in den letzten Jahren das Vertrauen in die traditionellen Finanzsysteme verloren und suchen vermehrt wieder  das „Normale“. Weg von komplizierten Finanzstrukturen, hin zu Firmen, welche man anfassen kann. Diese finden sich eher in der Nähe des Lebensmittelpunktes eines Investors. Zudem macht es doch viel mehr Spaß, wenn man mit eigenen Augen und vor Ort zusehen kann, wie seine Investition oder Spende erfolgreich eingesetzt wird. Crowdfunding ist nicht nur ein finanzielles Engagement, es kann daraus, falls vom Investor gewünscht, durchaus auch ein emotionales Engagement entstehen.

In zahlreichen neuen Bereichen wird die crowd als Helfer hinzugezogen. Es wird z.B. über Prognosebörsen, einen Verlag 2.0 und die crowd in Forschung und Wissenschaft berichtet. Die Möglichkeiten für Crowdfunding/-sourcing scheinen unendlich zu sein. Welche weiteren Trends sehen Sie und in welchen Bereichen sehen Sie Grenzen? 

Der Charme von Crowdfunding sehe ich, nebst diversen anderen Vorteilen, insbesondere in der Annäherung des Investors an „sein“ Unternehmen. Ich bin überzeugt, dass jede Person ein Business Angel sein kann, unabhängig des vorhandenen Vermögens. Nebst möglichen Ideen und Kontaktnetzwerken ist jeder Crowdfunding Aktionär ein ausgezeichneter Markenbotschafter für das jeweilige Unternehmen, in das er investiert hat. Somit ist der Unternehmer nicht mehr von einzelnen, fast ausschließlich auf einen Exit fokussierten Business Angel oder von Venture Capital Firmen abhängig, sondern kann auf die Kraft der Aktionärs-Masse zurückgreifen.

Herr Steinberger, herzlichen Dank für Ihre persönlichen Meinungen und Einschätzungen zum Thema Crowdfunding/-sourcing.

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