Selfbanking – mein Haus, mein Auto, meine Finanzen?

Veröffentlicht von Maik Jost / 6. Dezember 2011 / , / 6 Kommentare

„Do it yourself!“ ist nicht nur ein Slogan aus der Heimwerkerbranche, sondern auch zunehmend als Trend in der Finanzbranche erkennbar. Selfbanking lautet hier das Zauberwort. Gründe zur Erledigung von finanziellen Transkaktionen online via Smartphone oder Laptop sind ausreichend vorhanden. Sie sind häufig zeitlicher oder räumlicher Natur –  maximale Flexibilität und Unabhängigkeit stehen hoch im Kurs. Manchmal sind es auch persönliche Gründe, wenn es z. B. um Vertrauen oder Werte geht.

Personal Finance Management Programme, Onlinebanking oder virtuelle Beraterportale, ist es gelungen, eine Konvergenz zwischen Technologie und Handel zu schaffen, die es ermöglicht, schnell eine Finanztransaktion zu tätigen. Der Kunde der Zukunft möchte sich online informieren und jederzeit und überall die wichtigsten Finanzservices erledigen können. Aus diesem Grund gibt es immer mehr sogenannte „Selfbanking” Portale. Die Erwartungen sind deutlich gestiegen gegenüber den Zeiten, als es noch revolutionär war,  eine Überweisung am eigenen PC auszuführen. Die Kunden von heute und morgen werden sich mit dem bloßen Zahlungsverkehr nicht mehr zufrieden geben. Durch die heutigen Technologien gelten gängige Vorgänge im Zahlungsverkehr, sprich Überweisungen, Daueraufträge und Co. als Standard für Smartphone-Nutzer. Für den mittlerweile geringen Anteil von Menschen, die weder ein Smartphone noch eine Internetverbindung haben, sorgen entsprechende Selbstbedienungs-Terminals in den Filialen vor Ort für Rund-um-die-Uhr-Zugang. Abgesehen vom einfachen Zahlungsverkehr gibt es aber auch noch den Anlagen- und Finanzierungsbereich, der nach und nach mit mehr Onlineplattformen wie yavalu.com, sigfig.com, smava.de, etc. erweitert und ausgebaut wird. Um eine entsprechende Übersicht über seine ganzen Konten und Anlagen oder auch Finanzierungen zu bekommen, helfen einem die sogenannten Personal Finance Management Applikationen. Diese Plattformen gibt es zwar schon länger, sie werden aber immer häufiger auch genutzt und weiterentwickelt.

Einige dieser Dienste und Portale möchte ich Ihnen kurz vorstellen:

yavalu.com – Das Internetportal aus München hat sich auf den Anlagebereich spezialisiert und bietet seinen Kunden ausschließlich Index abbildende Fonds (sogenannte Exchange Traded Funds, kurz ETF) an. Im Vorfeld wird man nach seinen Präferenzen und Erfahrungen gefragt. Basierend auf diesen Informationen wird eine entsprechende Risikoklasse definiert und dem Kunden eine geeignete Depotzusammensetzung vorgeschlagen.

sigfig.com – Die noch relativ neue Onlineplattform wirbt damit, ohne versteckte Handelsgebühren, veraltete Technik oder schlechte Anlageberatung dem Kunden eine einfache Handhabung seiner Investitionen zu ermöglichen. Sigfig.com agiert wie ein PFM-Tool (Personal Finance Managment) und listet mit Hilfe der sogenannten Dashboard-Funktion alle Brookeragekonten auf. Die Seite ist stark auf informative Grafiken ausgelegt, die für den User schlechte Investments sofort aufdecken und gute Investmenteinstiege signalisieren sollen

smava.de – Das ist ein Online-Kreditmarktplatz, der sogenannte Peer-to-Peer Kredite vermittelt, sprich private Geldgeber und  -nehmer zusammenbringt. Die Plattform existiert mittlerweile seit mehr als vier Jahren und hat sich mit über 50 Mio. vermitteltem Kreditvolumen erfolgreich etabliert.

mint.com – Hierbei handelt es sich um einen freien webbasierten PFM-Dienst, der die gesamten Passiv- und Aktivprodukte des Users von verschiedenen Banken heranzieht und in einer Applikation abbildet. Durch die Implementierung der gesamten Finanzdaten in einer Applikation ist es einfacher, den Überblick über seine Finanzen zu wahren, ohne sich in verschiedene Accounts einzuloggen.

Alles in allem hört sich die Zukunft viel versprechend an, jedoch muss man diesen Trend auch kritisch hinterfragen. Wenn die klassische Beratung, die auf individuellen Analysegesprächen beruht, durch eine Onlineanwendung ersetzt werden soll, die lediglich einige allgemeine Fragen beinhaltet, bringt das einige Risiken mit sich. Eine ausgeklügelte Finanzplanung je nach Lebensphase zum Beispiel können diese Applikationen nicht bieten. Es ist fraglich, ob die angebotenen Investments eine gute Empfehlung darstellen und ob sie anhand von einigen Dateneingaben abgegeben werden. Ein Experte hat in einem direkten Gespräch auf jeden Fall die Möglichkeit, seine Empfehlungen auf Grund fundamental wichtiger Daten oder auf einer Chart/Trend basierten Analyse zu begründen und eine entsprechende Empfehlung abzugeben. Auch setzt die Nutzung solcher Apps in meinen Augen ein finanzwirtschaftliches Basiswissen voraus. Für Menschen ohne entsprechendes Hintergrundwissen ist es meiner Erfahrung nach schwer, mit spezifischen Fachbegriffen umzugehen oder bestimmte Charts oder ähnlichen Grafiken (richtig) zu interpretieren. Ein weiterer sehr wichtig Punkt ist das Moneymanagement (wie viel Verlust darf man seinem Portfolio pro Order zumuten, beziehungsweise wie viel Geld darf man einsetzen pro Trade, im Verhältnis zur Gesamtdepotgröße), sprich der Anleger muss definitiv seine Grenzen kennen. Tut er dies nicht, schützen ihn auch die besten Grafiken oder Empfehlungen nicht vor schweren Verlusten.

Bei allen aufgezeigten Risiken und Schwachstellen denke ich , dass der Trend insgesamt positiv zu bewerten ist, gerade im Bereich der PFM-Tools. Mehr Transparenz und ein kompletter Überblick über die eigenen Finanzen ist nur ein Beispiel. Es bleibt auf jeden Fall sehr spannend abzuwarten, wie sich einerseits die Onlineanwendungen, aber vor allem auch die Bankkunden in Zukunft weiterentwickeln. Wie beurteilen Sie den Trend Selfbanking?

 

Kommentare

6 Kommentare

  • Alex Peter
    6. Dezember 2011 bei 14:00

    Der Fehlerteufel war zu Besuch:
    nance Management Applikationen (Verlinkung auf Artikel von Franz). Diese

  • Alex Peter
    6. Dezember 2011 bei 14:10

    Wie beurteilen Sie den Trend Selfbanking?

    Ich denke, dass wird bei uns kein Massenphänomen. Es ist die Fortsetzung des Haushaltsbuches und des elektronischen Haushaltsbuches. So etwas für sich umzusetzen, ist meiner Meinung nach eine Mentalitätssache. Ich denke dabei an die „schwäbische Hausfrau“, Buchhaltertypen, Lehrer, Pfennigfuchser und so weiter.

    Die meisten Menschen sind viel zu unstrukturiert oder zu bequem für solche Geschichten. Die sehen keinen persönlichen Vorteil.

  • 6. Dezember 2011 bei 14:34

    Danke für den Beitrag – ich hätte mir ein paar mehr Worte zu deutschen Lösungen gewünscht. Mint z.B. ist ja für uns nicht nutzbar.

  • 6. Dezember 2011 bei 14:36

    zur Ergänzung – habe das ganze auch mal ein wenig betrachtet – aus der Kundensicht – wenn es interessiert: http://ambajorat.wordpress.com/2011/11/30/wird-finanzblick-mein-evernote-fur-personal-finance-management/

  • MTJ
    MTJ
    8. Dezember 2011 bei 10:52

    Vielen Dank für die spannenden Anregungen und Kommentare.

    @ Alex Peter: Guten Tag Herr Peter, der Vergleich mit dem weitergeführten Haushaltsbuch gefällt mir sehr gut, danke für ihre Meinung.

    @ Andre Bajorat: Guten Tag Herr Bajorat, gerade die Betrachtungsweise des Kunden ist meiner Ansicht nach der Knackpunkt an dem Ganzen. Ich denke das die Datenproblematik noch viele davon abschreckt, PFM Apps zu nutzen. Kontoblick ist (wem das nichts ausmacht) dahingehend wirlich eine gelungene Applikation.

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