8 Erfolgsfaktoren für das digitale Kundenerlebnis im Banking von Morgen

Veröffentlicht von Franz Sebastian Welter / 28. Dezember 2011 / , , , , , / 11 Kommentare

Das digitale Kundenerlebnis entsteht für mich durch die Kombination und Integration mehrerer Faktoren in vertriebskanalübergreifende Prozesse und neue Produkte. Ein solches digitales Kundenerlebnis erfüllt für mich folgende Bedingungen: Es ist sexy, sicher, mobil, kontextbasiert, spielerisch, einfach und ermöglicht soziale Interaktion…

1. Spielerisch – Gamificiation: Kann Banking Spaß machen?

Gamification beschreibt die Übertragung von motivierenden Prinzipien aus Spielen auf Produkte und Dienstleistungen. Im Finance-Bereich gibt es mittlerweile einige Beispiele, die versuchen, sich dieser spielerischen Elemente zu bedienen, um den Faktor Spaß auf Finanzprodukte zu übertragen. Und dabei geht es nicht darum, ein Tagesgeld spaßig zu machen – das ist mit Sicherheit nur schwer möglich. Vielmehr geht es meiner Einschätzung nach darum, finanzielle Prozesse aus Sicht des Kunden spannender zu machen. Was meine ich mit finanziellen Prozessen? Nehmen wir z.B. den Prozess des Sparens so wie ihn heute der Kunde erlebt. Möchte ein Kunde heute sparen, dann geht er in seine (Online-)Filiale, legt Geld an und bekommt dafür eine Sparurkunde ausgehändigt. Diese nimmt er mit nach Hause und legt sie daheim ab. Das wars… so funktioniert sparen heute. Bei Fälligkeit seiner Anlage, nimmt man wieder Kontakt zu seinem Berater auf oder schließt online ein neues Sparprodukt ab. An dieser Stelle kommt Gamification ins Spiel. Mit spielerischen Prinzipien wird versucht, den Prozess des Sparens für den Kunden spannender, attraktiver, spaßiger und damit auch erlebbarer zu machen. Dafür gibt es mittlerweile einige Beispiele im Finance-Bereich: Die Goalcard von Bobberinteractive.com, payoff.com, saveup.com. Die Belohnung reichen hierbei von einfachen Badges bis hin zu kleineren Preisen, die zufällig verlost werden, wenn bestimmte Sparziele erreicht werden. Im Video wird das Beispiel saveup.com gezeigt.

 

 

2. Kontextbasiert: Die gegenwärtige Situation des Kunden berücksichtigen

Die gegenwärtige Situation, in der sich ein Kunde befindet, wird zukünftig auch online eine größere Rolle spielen. Zwei Trends sind hier von besonderer Bedeutung: Location Based Services und Personal Finance Management. Über Location Based Services kann die räumliche Situation und über Personal Finance Management die finanzielle Situation der Kunden aufgegriffen werden. Auf diese Art und Weise können passende Produkte z.B. nur dann angeboten werden, wenn sich ein Kunde an einem bestimmten Ort befindet (z.B. ein Anschaffungsdarlehen beim Autohändler). Aber nicht nur die räumliche Situation wird eine größere Rolle spielen, sondern auch die finanzielle Situation. Personal Finance Management Dienste ermöglichen dem Kunden seine Finanzen im Überblick zu behalten, sich Budgets zu definieren und Ziele zu setzen. Online-Services werden zukünftig darauf ausgerichtet sein, dass sie dem Kunden Informationen oder Produktangebote unter Berücksichtigung der gegenwärtigen finanziellen Situation des Kunden anbieten. Webseiten werden dynamisch und zeigen nur noch für den Kunden relevante Informationen an, Produkteangebote werden auf Basis der gegenwärtigen Situation des Kunden unterbreitet. Ein wesentlicher Unterschied zu den meisten Online-Angeboten von heute – und noch ein weiter Weg. Insbesondere Personal Finance Management Apps für Tablets und iPhones erfreuen sich in Deutschland allerdings schon großer Beliebtheit. Im Video unten wird der Branchenprimus mint.com vorgestellt. Ein in Deutschland bekanntes Beispiel ist finanzblick.de (Video dazu weiter unten). Im zweiten Video sehen Sie die Applikation Square Card Case, um zu zeigen, wie Location Based Services mit Mobile Payments zusammenhängen können.

 

3. Sexy – Muss Banking schön sein?

Muss Banking schön sein? Es wird bestimmt eine Zielgruppe geben, die diese Frage prompt verneint und einfach einen hohen Wert auf Funktionalität legt. Es wird aber auch immer mehr Nutzer geben, die zunehmend einen großen Wert auf Design legen. Ich selbst zähle mich zur letzteren Gruppe. Nun sind Bankdienstleistungen und Bankprodukte größtenteils immateriell, was es zugegebenermaßen erschwert, diese Produkte „sexy“ zu gestalten. Mit neuen Online-Angeboten oder Apps können Banken allerdings zeigen, ob sie in Sachen Design den Nerv des Kunden treffen. Als Nutzer möchte ich höchste Funktionalität, eine herausragende Usability und  ein tolles Design. Insbesondere im Design fallen die meisten Banking Apps noch deutlich hinter anderen Apps zurück. Für eine „Generation iPhone“ muss da noch mehr gehen. Ein schönes Beispiel kommt von der Bank Standard Chartered

 

4. Mobil – Mobile First

Mobile Payments, Banking Apps, Location Based Services, mobiler Produktvertrieb… Mobile Banking ist heute schon ein großes Thema im Bankbereich. Und es wird meiner Meinung nach der Trend sein, der den größten Einfluss auf das Banking von Morgen hat. IBM hat unlängst einen Blick in die Glaskugel geworfen und geht davon aus, dass im Jahre 2016 80 % der Weltbevölkerung ein mobiles Gerät besitzen. Welche Auswirkungen wird das auf das Banking haben? Mobiles Bezahlen wird hier sicherlich nur der Anfang sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in 10 Jahren einen Großteil unserer Bankgeschäfte vom Smartphone erledigen. Die oben erwähnte Plattform finanzblick.de blickt in die Zukunft und zeigt die nächsten Entwicklungsschritte…

 

5. Soziale Interaktionen – Die digitale Kundenbeziehung

Auch wenn ich fest davon ausgehe, dass wir einen immer größeren Teil unserer Bankgeschäfte online und unterwegs erledigen, glaube ich nicht daran, dass der persönliche Kundenberater ein Auslaufmodell ist. Im Gegenteil. In Zukunft wird es neben der Filiale einfach weitere Zugangswege geben, um mit seinem persönlichen Berater in Kontakt zu treten. Videochats werden derzeit (mal wieder) gehyped und sollen das neue große Ding in der virtuellen Kundenberatung werden. Es ist sicherlich auch kein Geheimnis, dass sich die meisten Banken in den nächsten Jahren noch intensiver mit Social Media beschäftigen werden. In diesem Bereich stehen wir erst ganz am Anfang der Entwicklung. Vielleicht sprechen wir schon in 1-2 Jahren nicht mehr von Videochats sondern von 3D-Chats (dann bekommen wir sie doch noch – die Holodecks vom Raumschiff Enterprise). Spannend wird sein, wie (nicht ob!) man die verschiedenen neuen Möglichkeiten nutzt, um Kundenbeziehungen zu „digitalisieren“ und wie die einzelnen Banken diese Change-Projekte initiieren und begleiten, um kulturelle Hürden zu überwinden.

 

6. Simple – Banking wird einfacher

Banking muss einfacher werden (Punkt)

 

7. Sicherheit – Security matters

Zum Stellenwert von Sicherheit muss nicht viel gesagt werden. All die schönen neuen Dinge funktionieren nur, wenn sie den Anforderungen des Kunden in Bezug auf die Sicherheit der Dienste entsprechen. Gerade die jüngsten Entwicklungen mit den diversen unterschiedlichen Banking-Apps werden Banken und deren Rechenzentralen noch vor große Herausforderungen stellen. Allerdings gilt es hier auch die Balance zu halten – Sicherheit alleine schafft kein Kundenerlebnis (aber Unsicherheit kann jedes Kundenerlebnis zerstören).

 

8. Integration und Kombination – Das digitale Kundenerlebnis

Das digitale Kundenerlebnis entsteht durch die Kombination und Integration der oben aufgeführten Faktoren in vertriebskanalübergreifende Prozesse und neue Produkte. Ein digitales Kundenerlebnis erfüllt für mich folgende Bedingungen: Es ist sexy, sicher, mobil, kontextbasiert, spielerisch, einfach und ermöglicht soziale Interaktion. Man könnte das ganze auch auf folgende Formel bringen: Digitales Kundenerlebnis = Nutzen (sicher, mobil, kontextbasiert, soziale Interaktion) + Spaß (sexy, spielerisch, einfach, soziale Interaktion).

Und was bedeutet das für Genossenschaftsbanken? Meiner Meinung nach stehen Genossenschaftsbanken vor der Herausforderung, die neuen Möglichkeit im Internet zu nutzen, um ihre Beratungsphilosophie auf das Internet zu übertragen (weg vom reinen Produktvertrieb im Internet und hin zur kontextbasierten, ganzheitlichen Beratung über einen VR-Finanzplan 2.0), die Kundenbeziehung zwischen Berater und Kunde zu digitalisieren und die Mitgliedschaft als latenten USP im Internet erlebbar zu machen (durch Open Innovation und Crowdsourcing). Gelingt dies, haben Genossenschaftsbanken eine Möglichkeit, ihre Differenzierungsstrategie auch im Internet fortzusetzen…

Wie ist Ihre Meinung dazu?  Fehlen wichtige Erfolgsfaktoren oder könnten Sie auf einen der genannten Erfolgsfaktoren verzichten? Wann würden Sie von einem digitalen Kundenerlebnis sprechen?

Kommentare

11 Kommentare

  • Kalle Ohlstädt
    28. Dezember 2011 bei 11:39

    Das ist ja schön, dass sie immer über sowas schreiben, aber warum macht die Volksbank Bühl es dann nicht auch? Theorie TOP, Praxis bei Ihnen leider FLOP

  • fsw
    fsw
    28. Dezember 2011 bei 11:56

    Hallo Her Ohlstädt,

    danke für Ihren Kommentar. Ihre Kritik ist zum Teil berechtigt. An einigen Stellschrauben sind wir als einzelne Bank aber nur ein kleines Rädchen in einem Verbund von über 1.000 eigenständigen Banken. Entwickelt wird in diesem Verbund, was von vielen Banken bzw. Kunden gefordert wird. Wir versuchen dennoch die Entwicklungen im Verbund in diese Richtung zu beeinflussen (übrigens auch durch diesen Blog und wenn viele Kunden uns ein Feedback geben, kann das durchaus helfen).

    Unabhängig davon wurde im Blog-Beitrag oben ein Zukunftsbild gezeichnet. Es gibt heute meines Wissens keine Anwendung, welche die oben genannten Faktoren vollständig abdeckt. Trotz allem arbeiten wir an verschiedenen Projekten. Unsere Banking-App wird weiterentwickelt und in der nächsten Version um Multibankfähigkeit und Social Media ergänzt, wir stehen mit verschiedenen Ansprechpartner zum Thema Personal Finance Management im Gespräch und versuchen auszuloten wie wir diese Dienste in unser Online-Angebot integrieren können. Eine erste rudimentäre Location Based Services Anwendung haben wir mit der App VR-BankCard Plus im Einsatz. Soziale Medien nutzen wir bereits seit 3 Jahren und derzeit prüfen wir den Einsatz verschiedener Open Innovation Plattformen.

    Von daher… wir arbeiten an verschiedenen Projekten Aber ich kann Sie dennoch verstehen. Bis diese Ansätze realisiert sind und vom Kunden genutzt werden können, geht eine gewisse Zeit ins Land. In diesem Zusammenhang kann ich nur um Verständnis und um Ihre Geduld bitten.

    Viele Grüße aus Bühl,
    Franz Welter

  • Alex Peter
    28. Dezember 2011 bei 12:21

    Einfachheit und Sicherheit schließen sich leider weitgehend aus.

    „weg vom reinen Produktvertrieb im Internet“ – die meisten Banken sind noch dran, diesen Schritt zu erreichen. Und Sie wollen das schon wieder zurücklassen?! Das sollten Sie uns näher erläutern.

    LG
    Alex Peter

  • fsw
    fsw
    28. Dezember 2011 bei 13:02

    Hallo Herr Peter,

    gerne gehe ich auf Ihre Frage ein. Ich glaube einfach, dass der Vertrieb von Produkten über das Internet so wie es heute gemacht wird, nicht richtig zur Vertriebsphilosophie einer Genossenschaftsbank passt. Im Internet werden einzelne Produkte mit ein bisschen Text, Konditionen und eventuell noch einem Beispielrechner angeboten. Das ist Ok, weil technisch derzeit auch noch nicht sehr viel mehr angeboten werden kann. Die genossenschaftliche Vertriebsphilosophie basiert allerdings auf ganzheitlichen Beratungsansätzen wie dem VR-FinanzPlan. In einem solchen VR-FinanzPlan werden die Ziele und Wünsche des Kunden abgefragt und dann eine individuelle Lösung für den Kunden gesucht. Etwas das wir heute im Internet noch nicht (oder nur sehr rudimentär) vorfinden.

    Ich glaube neue Dienste wie Personal Finance Management können hier eine Symbiose zwischen den Vertriebskanälen Internet und Filiale herstellen. Unsere zentralen Produkte – nämlich die ganzheitlichen Beratungsansätze wie den VR-FinanzPlan oder den VR-FinanPlan Mittelstand usw. – finden sich heute noch gar nicht oder nicht ausreichend im Internet wieder. Und das obwohl es sich bei diesen Produkten um den Dreh- und Angelpunkt der genossenschaftlichen Vertriebskultur handelt. Wenn wir diese Beratungsansätze im Internet abbilden könnten, dann könnte eine Symbiose zwischen den Vertriebskanälen Internet und Filiale hergestellt werden.

    Ich mache es etwas konkreter und zeichne mal ein Szenario: Stellen Sie sich vor ein Kunde hat mit dem Berater einen VR-FinanzPlan entwickelt. Diese Daten bekommt er in gedruckter Form mit. Was wäre, wenn diese Daten online zur Verfügung stünden und der Kunde sie jederzeit auf Basis von Echtzeitdaten betrachten könnte. Was wäre, wenn der Kunde diese Daten nicht nur Betrachten könnte, sondern auch Änderungen vornehmen könnte z.B. in der Form, dass er seine persönlichen Ziele modifiziert und diese Änderung dann in Form einer Information beim Berater in dessen IT-System aufschlägt. Der Berater könnte daraufhin Empfehlungen an den Kunden über das System zurück senden z.B. zu Auswirkungen auf andere Bedarfsfelder. Ein VR-FinanzPlan im Internet könnte damit auch die Basis für die soziale Interaktion zwischen Berater und Kunde im Internet sein. Ein solches System könnte damit vielmehr bieten, als es die Personal Finance Management Anwendungen von heute können.
    Da der Kunde seinen VR-FinanzPlan nun auch im Internet vorfindet, müssen wir ihn nicht mehr mit allen Informationen unserer Homepage quälen. Wir können ihm Informationen und Produkte kontextbasiert anbieten. Und das ist der große Unterschied zum Produktvertrieb wie er heute im Internet stattfindet. Die Produktempfehlungen und Informationen auf unsere Homepage oder in mobilen Apps werden kontextbasiert ausgesprochen, d.h. sie berücksichtigen die aktuelle finanzielle Situation des Kunden und dessen Ziele und Wünsche. Ein ins Internet übertragener VR-Finanzplan könnte somit auch als neue Navigationsstruktur für den Content einer Internetseite fungieren und gleichzeitig als Plattform für die Interaktion zwischen Berater und Kunde.

    Ich bin mir durchaus bewusst, dass es sich dabei um ein technisches Mamut-Projekt handeln würde. Personal Finance Management, digitale Kundenbeziehung, Sicherheit, Mobilität (Apps), Integration in die CRM Systeme, Usabiltity, Design sind in diesem Zusammenhang wichtige Erfolgsfaktoren. Aber auf der anderen Seite: Wer würde behaupten, dass es einfach wird eine Differenzierungsstrategie über Qualität im Internet durchzusetzen?

    Viele Grüße
    Franz Welter

  • Alex Peter
    29. Dezember 2011 bei 10:18

    Hallo Herr Welter,
    ich verstehe Ihre Erläuterungen und würde mich auch freuen, wenn so etwas funktionieren würde. Bisher kenne ich kein Angebot einer online funktionierenden Finanzberatung. Warum ist das so?

    Der erste Grund könnte sein, dass die Nutzer im Web noch nicht bereit sind, eine solche Leistung zu nutzen. Selbst interaktive Rechner (Riester, u. ä.), die ja ein Baustein der online-Finanzplanung sein könnten, werden nicht so genutzt, wie man es eigentlich erwarten könnte.

    Der zweite Grund, warum es niemand unternimmt eine online-Finanzplanung zu entwickeln und anzubieten, könnten rechtliche Bedenken sein. Die Regelungsdichte für Finanzdienstleistungsprodukte wird immer größer. Ich stelle mir das als sehr lustig vor, wenn in der online-Finanzplanung das Beratungsprotokoll auszudrucken ist, welches der Kunde unterschreiben muss, und erst wenn das Ganze bei uns ist, bekommt der Kunde Ergebnisse angezeigt.
    Kurzum: Das Risiko, als Bank verklagt zu werden, steigt von Jahr zu Jahr.

    Der dritte Grund könnte sein, dass wir in einer sehr dynamischen Umwelt leben. Möglicherweise macht das eine Finanzplanung so komplex, dass sie im Web nicht gut abgebildet werden kann.

    Sollte eine online-Finanzplanung nicht praktikabel sein können die Banken unterschiedliche Wege gehen. Entweder konsequent sein und im Web gar nichts anbieten, so wie das einige Schweizer Privatbanken machen; oder inkonsequent sein und im Web Produkte verkaufen, auch wenn die Beratung gemäß der Vertriebsphilosophie im Vordergrund steht.

  • fsw
    fsw
    29. Dezember 2011 bei 10:56

    Hallo Herr Peter,

    ich glaube das dies bis jetzt noch keiner macht, weil die technischen Möglichkeiten dazu erst seit Kurzem bestehen. Man kann ja an dem Erfolg einzelner PFM-Lösungen sehen, dass eine Nachfrage besteht. Schauen wir uns z.B. die Top 10 im iPad Store Kategorie Finance der bezahlten Apps an… die meisten der Apps die dort gelistet sind, integrieren mittlerweile PFM-Funktionalitäten. Unabhängig davon sind ja einige Direktbanken gerade dabei videogestützte Online-Beratung weiter auszubauen (siehe z.B. Beitrag „Kundenpflege 2.0“ in der Studie Banking insight Quelle:http://www.handelsblatt-shop.com/handelsblatt-trend/banking-insight-das-ziel-im-auge-behalten-p4011.html). Das heißt, wenn wir es nicht machen, machen es andere…. Und die müssen auch den gesetzlichen Anforderungen an Dokumentationspflichten nachkommen.

    Das Beispiel, dass ich oben beschrieben haben ist ja „nur“ eine erweiterte PFM-Lösung, welche den VR-Finanzplan auf Basis von Echtzeitdaten abbildet, dabei alle Bedarfsfelder abdeckt (wesentliches Differenzierungskriterium zu anderen PFM-Lösungen) und darauf aufbauend eine Interaktion mit dem Berater erlaubt. Das heißt, wenn hier eine Beratung stattfindet, dann zwischen Berater und Kunde. Ob das nun in der Filiale passiert oder im Internet – die rechtlichen Anforderungen an eine entsprechende Dokumentation müssen natürlich erfüllt werden.

    Zu Ihrem dritten Punkt. Gerade die Kombination von PFM und Interaktion mit dem Berater kann ja das von Ihnen beschriebene Manko beheben: Die Komplexität zu bewältigen. Deswegen geht es bei der oben skizzierten Lösung ja auch um eine Plattform, die den Berater integriert und nicht alle Beratungsvorgänge Algorithmen überlässt.

    Viele der Tools die wir schon heute haben, erfüllen leider nur wenige der oben aufgeführten Erfolgsfaktoren. Deswegen habe ich es persönlich auch noch nie als Erlebnis empfunden solche Tools zu nutzen – ausgenommen vielleicht die eine oder andere App fürs iPhone. Aus meiner Sicht ist ein ganz wesentliches Manko, dass diese Tools nicht kontextbasiert sind, das heißt den finanziellen Background des Kunden genauso wenig erfassen können wie die Ziele und Wünsche des Kunden. Die Kombination aus PFM und dem persönlichen Berater erscheint mir als ein spannender Lösungsansatz. Insbesondere für Genossenschaftsbanken….

    Viele Grüße
    Franz Welter

  • 29. Dezember 2011 bei 17:02

    Hallo Franz,

    Dein Artikel bringt gut auf den Punkt was die Banken in den nächsten Jahren erwarten wird. Ich denke es wird Zeit, dass die Banken sich mit den durch Technologie und Kultur getriebenen Herausforderungen beschäftigen. Und leider ist es so, dass die Zeit oder sagen wir besser der Verbraucher nicht auf die Banken warten werden. Insofern muss ich Herrn Peter widersprechen: Es sind ja nur die Genossenschaftsbanken, die jetzt erst mit dem Onine Vertrieb beginnen, da dort zwar über Jahre von Multi Kanal Banken gesprochen wurde, man aber wie eine Filialbank handelte. Das nun der Online Vertrieb eigentlich nur noch ein Convenience Angebot darstellt, ist schade für uns, aber nun einmal Tatsache.

    Die Direktbanken nehmen den klassischen Banken nun schon seit Jahren Kunden ab bzw. sind zumindest im Besitz zahlreicher Zweit- und Drittbankverbindungen. Im letzten Jahr wurden 17 % der Finanzprodukte Online abgeschlossen und die Zahl wird zunehmen. Als Genossenschaftsbank oder Sparkasse könnte man sich dennoch gelassen zurücklehnen und denken, dass die ganzen – auch von Dir hier beschriebenen Produkte von Non- und Near Banks oder eben diese Anbieter- eben nur Nischenphänomene sind.

    Diese Nischenphänomene brechen aber immer mehr kleine Teile aus dem Kuchen der Genossenschaftsbanken und Sparkassen heraus und werden in den nächsten 5 – 10 Jahren zu erheblichen Problemen führen. Und vergessen wir nicht das Demographie Problem, dass uns auch deshalb hart treffen wird, weil wir nicht frühzeitig schon darüber nachgedacht haben, wie junge Menschen Banking betreiben wollen und ob diese Zielgruppen überhaupt noch einem Unternehmen vertrauen können, zu dem sie faktisch keinen Kontakt mehr haben, weil sie im Internet nicht vorkommen bzw. keine Gespräche führen.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass immer mehr Menschen bequeme und zeitsparende Wege suchen werden, um Banking zu machen. Ich bin sogar noch etwas skeptischer als Du und würde behaupten, dass sich prinzipiell jeder Prozess und jedes Produkt in der Finanzbranche digitalisieren lässt. Das Einzige was dies verhindern könnte, wären gesetzliche Regeln, welche bestimmte Prozesse im Internet unmöglich bzw. rechtlich verbieten würden. Allerdings sollte man auch hier berücksichtigen, dass der Computer und das Internet auch eine viel höhere Kontrolle von Prozessen ermöglichen würde. Ich will es nicht beschreien, aber natürlich ließe sich jeder Beratungsprozeß mit Hilfe des Internets oder bestimmter Software Produkte überwachen und kontrollieren.

    Ich denke auch nicht, dass eine Finanzplanung so kompliziert ist bzw. sein muss, dass man sie nicht Online abbilden könnte. Das ist eher ein frommer Wunsch der Berater. Solche frommen Wünsche hatten aber auch schon ganz andere Berufsgruppen, die es heute leider nicht mehr gibt. Wenn die Banken den Weg wählen sollten im Netz konsequent nichts mehr anzubieten – was die Direktbanken sicher nur ungern tun würden – dann bieten es eben Andere an. War nicht die Musikindustrie von ähnlichen Gedanken getrieben?

    Auch wenn nicht alle jetzt abzusehenden Entwicklungen eintreten werden und einige Kunden eben an ihrem Verhalten nichts ändern werden, sollte man heute nach Wegen finden, sich mit den neuen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Es wäre ja nicht schlimm ausnahmsweise mal vorne zu sein, statt hinterherzulaufen. Dabei geht es dann eigentlich gar nicht um PFM oder Mobile Payment sondern um ein Angebot, weches die Genossenschaftsidee mit Hilfe der notwendigen technischen Verfahren Online wieder aufleben lässt. Wir müssen uns mit der langfristigen finanziellen Gesundheit des Menschen beschäftigen und ich fürchte dafür wird der Online Kanal und vor allem das mobile Endgerät unverzichtbar sein, denn es kann sowas wie ein dauerhafte Gesundheitsüberwachung und -förderung ermöglichen.

    Veränderungen bekommen wir jedoch nur gemeinsam hin, da kann eine einzelne – sehr innovative- Bank alleine nicht so viel machen. Wi sollten und den Ideen von der Zukunft aber gemeinsam öffnen und anhand von Szenarien mal durchdenken, wohin sich die Genossenschftsbanken entwickeln werden und müssen. Dabei werden sicherlich mehrere Wege möglich sein. Aber keiner dieser Wege wird Online, Mobile und Social vernachlässigen können, zumindest dann nicht, wenn Banking noch eine zentrale Dienstleistung der regionalen Genossenschaft sein soll.

    Zum Schluss also noch einmal mein Kompliment für deine 8 Punkte, die man jetzt noch mal aus Sicht anderer Zielgruppen betrachten müsste. Ich bin ja schon einige Jahre älter und würde an der ein oder anderen Stelle ein wenig anders denken. Aber nur ein wenig.

  • 29. Dezember 2011 bei 20:36

    Feine Übersicht. Ich hoffe sehr das ihre Stimme mehr und mehr in den Banken und vor allem bei den IT Dienstleistern gehört wird.
    Ich kann die 8 Punkte auch nahezu alle unterschreiben.

  • 27. September 2013 bei 20:56

    Hallo an alle, hallo Boris,
    Sie schreiben: „..Wir müssen uns mit der langfristigen finanziellen Gesundheit des Menschen beschäftigen und ich fürchte dafür wird der Online Kanal und vor allem das mobile Endgerät unverzichtbar sein, denn es kann sowas wie ein dauerhafte Gesundheitsüberwachung und -förderung ermöglichen.“

    Das mit der finanziellen Gesundheit teile ich ganz und gar. Aber was genau ist das? Wer bestimmt das, oder woran merkt ein Mensch, dass er „finanziell“ gesund lebt? Braucht er dafür ein mobiles Endgerät? Blutdruckmessung stündlich? Oder kann er seine eigenen Sensoren nutzen?

    In meiner Arbeit habe ich viele Finanzberater kennen gelernt, die meiner Wahrnehmung nach sehr „ungesund“ leben. Von kranken Banksystemen ganz zu schweigen. Leider kann ich da die Genossen überhaupt nicht ausnehmen.

    Also brauchen wir einen Austausch/Tagung zur finanziellen Gesundheit? Da könnte vielleicht auch der ganze normale Mensch wieder mitreden und handfeste Ergebnisse produzieren. Wäre das was?

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