Peer-to-Peer-Kredite: nützliche Ergängzung oder Konkurrenz für Genossenschaftsbanken?

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 5. Juni 2012 / , , / 3 Kommentare

Peer-to-Peer-Kredite – kurz P2P-Kredite, person-to-person-lending oder social-lending – bezeichnen das „soziale Verleihen“, also eine Kreditvergabe von Mensch zu Mensch, die über das Internet erfolgt. Wie solche Kreditplattformen erfolgreich betrieben werden können, zeigt ein deutsches Unternehmen.

In Deutschland sind vor allem die beiden Kreditplattformen Smava und Auxmoney bekannt, auf denen Anleger und Kreditnehmer zusammen finden. Smava, der führende Anbieter in Deutschland, beschreibt die Funktionsweise seiner Plattform in fünf Schritten:

  • Auswahl des gewünschten Kreditbetrags durch den Kreditnehmer,
  • Einkommensnachweise des potenziellen Kreditnehmers mittels PostIdent-Verfahren an Smava senden,
  • Prüfung der Unterlagen durch Smava, anonyme Anzeige des Kreditwunschs auf der Plattform und Finanzierung des Kredits durch Anleger,
  • Übernahme der gesamten Abwicklung und Auszahlung des Gelds durch Smava und
  • monatlicher Einzug der vereinbarten Rate vom Kreditnehmer und Weiterleitung an die Anleger durch Smava.

Die Transparenz dieses Prinzips soll dafür sorgen, dass beide Seiten von den besten Konditionen profitieren, denn die Beteiligten legen die Zinssätze selbst fest. Ob diese durchsetzbar sind, bestimmen Angebot und Nachfrage sowie die Bonität der Kreditnehmer. Im Gegensatz zu Auxmoney ermittelt Smava die Bonität der potenziellen Kreditnehmer nach deren Einverständnis zum einen Teil mithilfe der Schufa. Zum anderen Teil fließen angegebene Daten des Kreditnehmers zur Kapitaldienstfähigkeit ein. Von den so ermittelten Bonitätsklassen A (höchste Rückzahlungswahrscheinlichkeit) bis M (niedrigste Rückzahlungswahrscheinlichkeit) werden bei Smava nur die Klassen A bis H zugelassen.

Gemeinschaftliche Kapitalsicherung

Zusätzlich ist bei Smava der Kapitaleinsatz gemeinschaftlich durch so genannte Anlegerpools abgesichert, die den Bonitätsklassen entsprechen. Wenn die Rate eines Kreditnehmers aus einem Anlegerpool nicht bezahlt wird, unterstützen die anderen Anleger des Pools den betroffenen Anleger automatisch mit einem Teil ihrer Rate. Erfolgt trotz zweier Mahnungen keine Zahlung, wird der Kreditvertrag an ein Inkassounternehmen verkauft und der Verkaufserlös gleichmäßig auf die Anleger des Pools verteilt. Somit ist ein Schutz vor Totalverlusten gegeben.

Aus den von Smava täglich veröffentlichten Statistiken lässt sich eine durchschnittliche Ausfallrate von 5,52 Prozent ablesen (Stand: 25. Januar 2012), die sich in einer Bandbreite von 1,86 Prozent in der Klasse A und bis 12,73 Prozent in der Klasse H bewegt. Ein signifikanter Anstieg ist ab Klasse G zu beobachten, die aber von Anlegern aufgrund ihrer hohen Renditeerwartung bevorzugt wird. Denn Kreditgesuche in den schlechteren Bonitätsklassen E bis H wurden in der Regel innerhalb von wenigen Minuten vollständig finanziert.

Die realisierten Nominalzinssätze über alle Bonitätsklassen hinweg bewegten sich zwischen 6,0 Prozent und 15,2 Prozent. Darin enthalten sind für eine Laufzeit von 60 Monaten ansteigende Risikoaufschläge von 0,4 Prozent bis 7,1 Prozent und eine konstante Bearbeitungsgebühr an Smava in Höhe von 0,6 Prozent. Die erwarteten Renditen lagen für Anleger zwischen 5,1 Prozent und 7,5 Prozent.

Da die Kreditnehmer jedoch ein Recht auf vorzeitige Rückzahlung haben und auch ein erheblicher Anteil in Höhe von 75 Prozent des gesamten Kreditvolumens tatsächlich vorzeitig getilgt wird, müssen Anleger regelmäßig nach geeigneten Wiederanlagemöglichkeiten Ausschau halten. Hierbei können sie sich technisch unterstützen lassen, indem sie ein Portfolio mit standardisiertem Rendite-Risiko-Mix wählen oder den Gebotsassistenten zur Hilfe nehmen, der auf Basis festgelegter Kriterien Kredite aussucht und darauf automatisch Gebote abgibt. Eine manuelle Geldanlage kann hingegen schnell zu einer zeitintensiven und dauerhaften Angelegenheit werden, da bestimmte Kreditgesuche recht schnell abgeschlossen werden.

Zahlreiche Gemeinsamkeiten mit Banken

Auf den zweiten Blick weisen die deutschen Kreditportale neben dem zentralen Unterschied der internetbasierten Abwicklung aber auch zahlreiche Gemeinsamkeiten mit Banken auf. Nicht nur, dass sie aufgrund aufsichtsrechtlicher Vorschriften Banken in den Kreditvermittlungsprozess eingebunden haben. Auch in der Prüfung der Identität, der Bonität und der Kapitaldienstfähigkeit unterscheiden sie sich inhaltlich nicht von der Vorgehensweise der Banken.

Kreditsuchende, denen aus unterschiedlichen Gründen von Banken keine Kredite gewährt wurden, können auf P2P-Plattformen durchaus realistische Chancen haben, den gewünschten Kredit zu bekommen. Denn dort treffen nicht allein wenige Entscheidungsträger, sondern viele Anleger ihre persönliche Entscheidung. P2P-Kredite befinden sich noch am Anfang ihrer Entwicklung. Smava vermittelte 2010 nach eigenen Angaben ein Kreditvolumen in Höhe von 22 Millionen Euro. Allein die Volksbanken Raiffeisenbanken wiesen im Jahr 2010 Kundenforderungen in Höhe von 406 Milliarden aus. Eine Erhöhung des Vergabevolumens von P2P-Krediten auf ein signifikantes und mit der traditionellen Kreditvergabe vergleichbares Niveau ist kurzfristig wohl nicht zu erwarten. Jedoch hat auch die ING-DiBa anfänglich nur Tagesgeldkonten angeboten und dann mit dem Wertpapiergeschäft und Baufinanzierungen ihr Produktangebot erweitert.

Aktuell werden auf den P2P-Plattformen noch überwiegend geringe Volumen an Privatkunden und kleine Unternehmen vergeben. Bei einer Übertragbarkeit des Prinzips auf Firmenkunden könnten auch große Kreditvolumen realisiert werden. Auf der Startseite von Smava fällt außerdem der Klick zum Thema Baufinanzierung auf. Zwar verweist dieser dann zu Interhyp, aber auch hier ist eine Übertragbarkeit des P2P-Prinzips durchaus vorstellbar.

Angesichts der Vielzahl von Entscheidungsträgern können P2P-Kredite demnach für zahlreiche Kreditsuchende eine nützliche Ergänzung sein. Aufgrund des noch geringen Kreditvolumens kann man zwar derzeit noch keine spürbare Konkurrenz für die Genossenschaftsbanken erkennen, aber angesichts des Potenzials, das solche Plattformen durch die oben genannten möglichen Ausweitungen haben, sollte deren zukünftige Entwicklung keineswegs unterschätzt werden.

Erschienen im Magazin BankInformation Ausgabe 03/2012 (Deutscher Genossenschafts-Verlag eG)

 


 

Kommentare

3 Kommentare

  • 2. April 2014 bei 12:37

    Hallo, ich sehe in den Peer To Peer Märkten so lange keine Konkurrenz zu den Genossenschaftsbanken, wie diese auf standartisierte Vergabemechanismen zurückgreifen – Stcihwort Schufa-Abfrage. Leider erfährt man auch bei den Genossenschaftsbanken die Ablehnung eines Kreditantrages weil man zwar belegbar zum Zeitpunkt der Kreditanfrage gut verdient und dies auch zukünftig gesichert ist, aber in der Vergangenheit mal ein entsprechend negatives Merkmal in der SCHUFA hatte. Einmal schlecht – immer schlecht…..bei SMAVA etc. spielt dies jedoch eine untergeordnete Rolle, den hier entscheiden Menschen nach anderen Kriterien, ob ein Kredit gewährt wird oder nicht. In meinen Augen lohnenswert – sowohl für Privatleute als auch Selbstständige. Beste Grüße, Markus

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