Silicon Savannah- was Afrika uns voraus hat…

Veröffentlicht von Meike Boj / 15. Juni 2012 / , , , / 0 Kommentare

Mark Kaigwa, ein kenianischer Blogger und neue Medien Berater aus Nairobi, berichtete auf der diesjährigen Re:publica in seiner Session vom „Silicon Savannah“. Ostafrika und Kenia bilden gemeinsam eben diesen Dreh und Angelpunkt für weltweite führende mobile Innovationen. Große Unternehmen und Coworking Spaces wie iHub (Nairobi), IceAddis (Addis Abeba, Äthiopien) und Hive CoLab (Kampala, Uganda) sind die Treiber neuer Technologien in Afrika.

Da wenige Einwohner Afrikas einen PC besitzen ist das Medium Handy weit verbreitet. Deshalb sind neue Innovationen meist auf mobile Endgeräte bezogen. Ein SMS-Service namens M-Farm zum Beispiel  hilft Landwirten, sich untereinander zu vernetzen und ihre Waren zu handeln.  iCow bietet Hilfe bei der Suche nach Tierärzten oder stellt in sogenannten „Edu Videos“ Hinweise zur Tierhaltung bereit. Mit Hilfe moderner Spracherkennungs-Tools sind bestimmte Dienste auch für diejenigen zugänglich, die keine Möglichkeit hatten, Lesen und Schreiben zu lernen. Das ghanaische Start-Up-Netzwerk mPedigree macht es möglich, auf Medikamentenpackungen aufgedruckte Zifferncodes per SMS zu versenden und so zu verifizieren, ob es sich um ein echtes oder ein gefälschtes Produkt handelt – ein kostenfreies Angebot.

Neben iCow oder M-Farm brachte der Dienst M-Pesa die größte Revolution für Afrika.

2007 führte die kenianische Mobilfunkfirma Safaricom, inzwischen ein Tochterunternehmen von Vodafone, den mobilen Geldtransferdienst M-Pesa („M“ für „mobil“ und „Pesa“ auf Swahili für „Geld“) ein. Schon im ersten Jahr fand es enormen Anklang in der Bevölkerung, eine Million Menschen registrierten sich. Zum 5-jährigen Jubiläum in 2012 nutzen fast 15 Millionen Menschen M-Pesa (siehe Timeline). Das ist nicht nur ein wirtschaftlicher Erfolg für die Betreiber, sondern vereinfacht vor allem das Leben der sogenannten „Unbanked“ – Menschen ohne Bankzugang. Durch das Mobile Payment System werden sie finanziell integriert, in Wirtschaftskreisläufe eingebunden und können in ihrem Alltag auch ohne Bankkonto effizient, bargeldlos, preiswert und sicher Geld im ganzen Land transferieren.

Laut GSMA (die weltweite Industrievereinigung von Mobilfunkanbietern) ist Afrika der am schnellsten wachsende Handy-Markt der Welt und dazu noch der größte nach Asien. Dadurch ist M-Pesa weiterhin auf dem Vormarsch und entwickelt sich stetig weiter: Wurde der Dienst früher genutzt, um Geld von der Stadt auf das Land (von der Arbeit nach Hause) sicher und kostengünstig zu transferieren, so werden dieser Tage auch Rechnungen für Strom, Wasser, Schulgebühren oder sogar Löhne über Handy beglichen und Geld für spätere Verwendungen „eingelagert“. Immer mehr Veranstaltungs- und Reisetickets oder Einkäufe werden mobil gezahlt,  da Kenias größte Supermarktkette diese Zahlungsart anbietet. Sogar Taxifahrten sind damit möglich.

Weitere Entwicklungen: Safaricom hat wiederum Zeit- und Kundengespür bewiesen und bietet neue Dienstleistungen im mobilen Geldgeschäft an. Derzeit wird vor allem in die Bereiche Mikroversicherungen, Mikrospareinlagen und Mikrokredite expandiert. Mit M-Kesho („M“ für „mobile“ und „kesho“ auf Swahili für „morgen“), gibt es seit neuestem ein kostenfreies und zinsbringendes Sparkonto für Handybesitzer.

Fazit: Zusammenfassend kann man sagen, dass M-Pesa in den 5 Jahren seit seiner Markteinführung eine wahre Erfolgsgeschichte darstellt. Über M-Pesa wurden Millionen von „Unbanked“ finanziell intergriert. Ganz abgesehen von der bisherigen Erfolggeschichte  bleibt zu beobachten, ob und welche Auswirkungen der steigende und diversifizierte Geldtransfer über Mobiltelefone in Kenia und anderen Ländern hinsichtlich wirtschaftlicher Entwicklung, Handel und Investitionen hat. Dank der guten Voraussetzungen in Kenia, der Innovationsfreudigkeit des Mobilfunksektors und vor allem der Anpassungsfähigkeit an die Bedarfe ihrer Nutzer befindet sich M-Pesa weiter im Aufwind. Darüber hinaus werden auch die Kooperationen mit den großen Institutionen für Rücküberweisungen von Arbeitsmigranten aus Ländern wie den USA oder Großbritannien zur internationalen Nutzung von M-Pesa und seinem Erfolg beitragen.

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