Der BERGFÜRST – eine Crowdinvestment Plattform will handeln…

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 30. Juli 2012 / Crowdsourcing / 1 Kommentar

Am 4. Mai diesen Jahres wurde die BERGFÜRST Plattform auf der co:funding Konferenz (Subkonferenz der Social Media Konferenz re:publica in Berlin) live online geschaltet. „Noch eine neue Crowdfunding Plattform“, war mein erster Gedanke. Doch schon bald wurde der abgelöst durch „Aha, da gibt’s ja deutliche Unterschiede zu bestehenden Plattformen“. Was die Unterschiede ausmacht, wer hinter der Plattform steht und welche ehrgeizigen Ziele die Betreiber haben, zeigt dieser Beitrag.

BERGFÜRST (www.bergfuerst.com) ist eine Crowdinvestment Plattform, auf der Investoren ab 250 Euro in das Eigenkapital solcher Unternehmen investieren können, die mit einer markterprobten Geschäftsidee ihr weiteres Wachstum finanzieren wollen.

Unterschiede zu anderen Plattformen

Im vorherigen Satz sind bereits zwei Unterschiede zu bekannten deutschen Plattformen enthalten. In meinem Blogbeitrag „crowdinvesting: Unternehmensbeteiligung via crowdfunding“ hatte ich beschrieben, wie das Crowdinvestment bei Innovestment und bei Seedmatch über stille Beteiligungen erfolgt. Bei BERGFÜRST werden keine stillen Beteiligungen vereinbart, sondern Eigenkapital in Form von Aktien zur Platzierung angeboten.

Der zweite Unterschied besteht darin, dass nur markterprobte Unternehmen auf der Plattform zugelassen werden, d.h. keine Unternehmen, die eine Gründungsfinanzierung benötigen. Voraussetzung ist, dass ein Venture-Unternehmen bereits Anteile hält, was für die Privatanleger bedeutet, dass die jungen Unternehmen von erfahrenen Venture-Kapitalisten begleitet und kontrolliert werden, das Geschäftsmodell bereits funktioniert, und dass Reporting-Strukturen bereits etabliert sind. Oftmals scheitern Start-ups nämlich nicht an der Umsetzung ihrer Ideen, sondern an der fehlenden Professionalität.

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass die Investoren ihre Beteiligungen auf dem Bergfürst-Marktplatz frei handeln werden können. Sie sollen somit flexibel in ihrer Anlagestrategie sein, Wertsteigerungen realisieren und das Risiko nach unten begrenzen können. Sollen deshalb, weil die Fungibilität natürlich sehr stark davon abhängig sein wird, wie gut die Plattform angenommen wird.

Außerdem unterscheidet sich BERGFÜRST von Innovestment und Seedmatch in den möglichen Finanzierungssummen. Aufgrund des Gesetzes über Vermögensanlagen muss ein inländischer Anbieter  von Vermögensanlagen einen Verkaufsprospekt veröffentlichen (§ 6 VermAnlG). Hiervon sind (gemäß § 2 des gleichen Gesetzes) Angebote ausgenommen, bei denen der Verkaufspreis der im Zeitraum von zwölf Monaten angebotenen Anteile insgesamt 100.000 Euro nicht übersteigt. Aus diesem Grund haben Innovestement und Seedmatch ihre Finanzierungssummen auf 100.000 Euro begrenzt. Der Geschäftsführer von Seedmatch, Jens-Uwe Sauer, fordert in einem offenen Brief vom März diesen Jahres „eine Vereinfachung bei der Erstellung des Verkaufsprospekts, eine schnellere Prüfung durch die BaFin oder ein Verzicht auf die Prospektpflicht bei einem Crowdfunding bis 1 Mio. Euro […]“.

BERGFÜRST geht einen anderen Weg und hat eine Lizenz als Finanzdienstleister bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beantragt und will so nicht auf die (geringeren) Frühphasenfinanzierungen beschränkt sein, sondern großvolumigere Wachstumsfinanzierungen ermöglichen. BERGFÜRST plant, Emissionen in der Größenordnung von ein bis drei Millionen Euro zu bewegen. Als erste Plattform will sie diese Anlageklasse (Investments in der zweiten und dritten Finanzierungsrunde) Privatanlegern zugänglich machen.

Wer sind die Betreiber der BERGFÜRST Plattform?

Die Plattform wird von der e-crowd Finance AG in Berlin betrieben. Deren Vorstände sind Dr. Guido Sandler und Dennis Bemmann.

Dr. Guido Sandler hat schon Börsengänge erfolgreich gemanagt, war Gründer der Berliner Effektenbank AG (reine Investmentbank mit Vollbanklizenz) und der E*Trade Bank AG (Discount Brokerage). Außerdem war er bei der W.V.M. Westfälische Vermögen Verwaltung AG langjähriger mittelständischer Unternehmenssanierer.

Dennis Bemmann war maßgeblich an der Entwicklung der Technik für StudiVZ, einer Webseite mit rund 17 Millionen Mitgliedern, beteiligt und sammelte Erfahrungen mit Venture Capital in seiner Beteiligungsgesellschaft Bitclick.

Gute Aussichten durch den Zusatznutzen der Crowd

Unternehmen, die über die Gründungsphase hinaus gewachsen sind und jetzt deutlich erweitern wollen, um Marktanteile zu sichern, benötigen lt. BERGFÜRST in der Regel zwischen zwei und vier Millionen Euro. Diese zu finanzieren, sei oftmals sehr schwer, weil sich Seed-Finanzierer in früheren Phasen beteiligten und Banken den Erfolg des geplanten deutlichen Wachstums aber gerne schon belegt hätten. Den Zugang zu diesen Unternehmen möchte BERGFÜRST privaten Investoren ermöglichen, der bisher nur Venture Capital- und Private Equity-Unternehmen vorbehalten war. Einen deutlichen Zusatznutzen wird der Crowd beigemessen, die bei gegebener Transparenz und regelmäßiger Informationsversorgung das Wachstum pusht.

Enormes Potenzial des Crowdinvestments

Dr. Guido Sandler beziffert in seinem Gastbeitrag vom 19. Juni dieses Jahres auf deutsche-startups.de das eigentliche Potenzial der Crowdinvest-Szene auf 50 Milliarden Euro, während der Crowdfunding-Monitor vier bis fünf Millionen schätzt. Seine Einschätzung basiert nicht darauf, die aktuellen Ist-Zahlen mit einem realistischen oder optimistischen Faktor zu multiplizieren, sondern in den Investitionsvolumina von Finanzprodukten mit vergleichbarem Chancen-Risiko-Profil, den so genannten Knock-Outs und Optionsscheinen. Die Mechanismen dieser synthetischen Produkte sind für die Investoren oft nicht wirklich durchschaubar und die Renditen stark schwankend. Im Gegensatz dazu werden beim Crowdinvestment reale Unternehmen mit nachvollziehbaren, verständlichen Ideen und Geschäftsmodellen finanziert. Sandler ist klar, dass die eingespielte Industrie mit Zertifikaten und Finanzderivaten nicht einfach ins Crowdinvestment abwandern wird. Er ist aber zuversichtlich, viele Anleger mit ausgeprägtem Chancen-Risiko-Profil für sein Angebot gewinnen zu können. Ein oder zwei Prozent der oben genannten 50 Milliarden erscheinen ihm eher realistisch als optimistisch. Seine Einschätzung sieht er darin bestärkt, dass die US-Plattform Indiegogo für sich selbst 15 Millionen Dollar Wachstumskapital einsammeln konnte und darin, dass die Finanzierung der Uhr Pebble (eine E-Paper-Watch für iPhone und Android) auf der US-Plattform Kickstarter mehr als 10 Millionen Dollar erreichte.

Mit einer BaFin-Lizenz und den damit möglichen großen Finanzierungssummen, den Erfahrungswerten von Dr. Guido Sandler aus bisherigen Bankengründungen und von Dennis Bemmann aus der Programmierarbeit von StudiVZ ergibt sich meines Erachtens ein sehr aussichtsreicher Mix. Es wird sehr spannend werden, die Entwicklung dieser Plattform weiter zu verfolgen.

 

Quelle: BERGFÜRST Plattform (www.bergfuerst.com)

 

Kommentare

Ein Kommentar

  • 17. März 2014 bei 9:34

    Bergfürst hat sich mittlerweile zu einer interessanten Plattform entwickelt. Der Start ist ja nun schon etwas her. Auch ich dachte zu Beginn, es handle sich einfach um eine weitere Crowdfunding Plattform. Anderer Name- altes Konzept. Nachdem ich die Entwicklung nun mitverfolgt habe, muss ich aber eingestehen, dass diese Vermutung falsch war. Was den größten Unterschied macht, sind vor allem die hohen Finanzierungsbeiträge, die hier zusammen kommen. Das sorgt für Qualität innerhalb der Schichten der Geldgeber und eine bessere Validierungsmöglichkeit. Deshalb bin ich gespannt, was hier noch kommt, und wie die Entwicklung weiter voran gehen wird.

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