Finanzielle Bildung für Kinder: Was „Moops“ mit Genossenschaftsbanken zu tun hat

Veröffentlicht von Meike Boj / 8. August 2012 / , , / 0 Kommentare

Was ist Geld? Wo kommt Geld eigentlich her? Was macht Papa damit? Und was wissen Kinder darüber? Sehen Sie selbst:

Den Anstoß zu PlayMoolah legte die Finanzmarktkrise 2008. Studien in den USA ergaben, dass viele Haushalte maßlos überschuldet und viele Erwachsene überfordert sind, was sich widerum auf deren Kinder auswirkt. Ihnen fehlt vor allem eine finanzielle Bildung: Nur 32% der amerikanischen Eltern sprechen mit ihren Kindern regelmäßig über Geld und Schulunterricht zu diesem Thema gibt es kaum.

PlayMoolah hat sich zur Aufgabe gesetzt, diesen Zustand zu ändern: Es handelt sich um ein Onlinespiel für Kinder (ab sechs Jahren) mit dem Ziel, jungen Nutzern auf einfache Art und Weise den richtigen Umgang mit Geld zu vermitteln. Seit seiner Gründung in Singapore im Jahre 2010 erhielt das Startup nicht nur mehrere Preise (Echelon 2011 und Innotribe 2012), sondern verzeichnete auch den größten Zulauf in seiner Zielgruppe weltweit.

Auf der Plattform treten Kinder spielerisch mit anderen Charakteren wie King Mooman, dem Herrscher von Dreamverse, in dem alle Avatare (= Dreamers und Mini´s) der Kinder leben, in Kontakt. Durch eine Reihe von Interaktionen wie Spiele oder Puzzles verdienen die User die virtuelle Währung „Moops“. Sie werden ermutigt, „Moops“ zu investieren, zu speichern und angemessene Geschenke zu kaufen, um so ihren virtuellen Freund zu pflegen und wachsen zu sehen.

Im World Wide Web gibt es bereits einige (zumeist amerikanische) Financial Education Plattformen wie beispielsweise billmyparents.com, Fedville, Planet Orange oder Disneys Piggybank. Ist PlayMoolah also wie jedes andere Spiel?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, habe ich mich selbst angemeldet und die Plattform ausprobiert. Aus meiner Sicht gelingt es diesem Startup, sich klar von allen bisherigen Anbietern abzugrenzen. Die Aufgaben in PlayMoolah bleiben nicht virtuell, sondern haben ganz reale Auswirkungen: Spielmechanismen bewirken durch echte Aufgaben („Spare für Deine Rollerblades“) oder Rollenspiele („Hilf King Moonman, gesund zu werden“) Verhaltensänderungen bei Kindern, fördern dabei die Neugier, vermitteln Wissen, Fähigkeiten und Werkzeuge im Umgang mit Geld.

In PlayMoolah erleben die Sprösslinge, dass Geld verdienen ein ganz natürliches Ergebnis dafür ist, für andere Dreamverse- Mitbewohner etwas Wertvolles zu schaffen oder deren Probleme zu lösen. Die Eltern haben dabei ein eigenes Dashboard, um Spiele zu überwachen, ihre Kinder zu belohnen und an deren Fortschritte teilzunehmen. So können sie den Usern kleine Aufgaben im Spiel mit realen Ziel (z.B. Rollerblades) und einem echten Datum stellen. Diese Ziele erscheinen dann als kleine „Taskmonster“ im Dreamverseland.

 

 

 

 

 

Auch Rollenspiele sind möglich. Die Kinder können beispielsweise den Beruf des Doktors oder Feuerwehrmanns ausüben. Durch spielerisches „gesund machen“ oder „Feuer löschen“ erfüllen die Spieler das Bedürfnis anderer Dreamverse- Mitbewohner und verdienen so „Moops“. Dabei steht nicht das Geldverdienen an erster Stelle. Die Moral liegt darin, dass Geld verdienen ein Resultat aus einer nützlichen Dienstleistung oder einem nützlichen Produkt ist, dass der Spieler selbst geschaffen hat. Meiner Meinung nach liegt genau darin der wirkliche erzieherische Aspekt dieser Financial Education Plattform.

Neben dem Spielbereich bietet die Plattform noch weitere Facetten: In ihrem eigenen Blog informiert PlayMoolah seine Nutzer nicht nur über Neuerungen im Spiel, sonder auch über finanzielle Themen. Darüber hinaus können Kinder unter der Rubrik „Spenden“ ihr Geld, ihr Talent oder ihre Zeit gemeinnützigen Organisationen spenden. PlayMoolah bietet ebenso kostenlose Abonnements für Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status an. Das Unternehmen hat im Hinblick auf die Zukunft die wachsende Bedeutung und Nachfrage nach mobilen Zugängen zu ihrem Spiel erkannt. Seit kurzem gibt es ein weiteres Spiel „Coin Catcher“ als kostenlose Tablettversion.

Wie steht es um die finanzielle Bildung unserer Kinder in Deutschland? Und wie könnten wir Volks- und Raiffeisenbanken etwas dazu beitragen?

Bei genossenschaftlichen Banken gibt es schon einige Beispiele. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Aufklärungsarbeit in Schulen und Kindergärten, präventive Beratungen zur Schuldenfalle oder Vorträge zum richtigen Umgang mit Geld.

Aus meiner Sicht waren zwei Ansätze herausragend:

  • Der „Voba-Deal“ der Volksbank Kleve e.G: Hier spielen die Kinder zusammen mit dem Bankberater im Kindergarten vor Ort das 90 minütige Spiel mit Fragen rund um das Thema Geld.
  • Schulferien in Blautalcity gestaltet von der Volksbank Blaubeuren e.G.: In den Sommerferien erleben Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren die Kinderspielstadt Blautalcity. Als „Bürger“ gestalten sie ihre Stadt selbst und verdienen sich „Blautaler“ – die eigene Währung in Blautalcity.

Eine Onlineplattform, um finanzielle Bildung spielerisch zu erlernen, gibt es derzeit in Deutschland nicht. Was meinem Sie: Wäre ein Onlinespiel a la PlayMoolah nicht auch für unsere Kinder hier in Deutschland sinnvoll? Könnten Volksbanken und Raiffeisenbanken dies nicht ganz einfach auf der bestehenden Onlineplattform des Kinderclubs „PRIMAX“ umsetzen?

Kommentare

Keine Kommentare

Nachricht hinterlassen

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.