„Best Practice Bankmarketing? Was können deutsche Banken von Australien lernen?“

Veröffentlicht von Anja Gempler / 31. August 2012 / , , , , / 1 Kommentar

„Wenn es um Marketing im Privatkundengeschäft geht, dann sind australische Banken dem Rest der Welt weit voraus. Ob coole soziale und mobile Initiativen oder verrückte Guerilla-Marketingkampagnen.“

Dieser Aussage in einem Artikel eines englischsprachigen Blogs fand ich sehr interessant und wollte dieser deshalb auf den Grund gehen. Im Internet habe ich nach Beispielen gesucht, die diese Aussage belegen können.

„Mobile Initiatives“

Bekannt ist, dass zunehmend Unternehmen in den Markt drängen, die sich nicht dem traditionellen Bankgeschäft verschrieben haben, aber dennoch eine Konkurrenz für die Finanzdienstleistungsbranche darstellen. Seien es Handynetzbetreiber oder Unternehmen, die sich der Entwicklung bestimmter Technologien widmen. Sie stellen eine Bedrohung dar, der Banken und Finanzdienstleistungsunternehmen nur mit eigener Antriebskraft entgegenwirken können.

Die Commonwealth Bank of Australia kündigte deshalb im Oktober 2011 ihre eigene mobile Brieftasche namens CommBank Kaching mit einer 100%igen Sicherheitsgarantie an.

CommBank Kaching ist eine neue iPhone App, die ebenfalls für Smartphones mit dem Betriebssystem Android erhältlich ist. Bankgeschäfte können überall und zu jeder Zeit getätigt werden. Ein vierstelliger PIN sichert den eigenen Zugang.

Die App hilf Kunden der Commonwealth Bank of Australia bei alltäglichen Bankgeschäften den Überblick zu behalten. Ob der Kunde nur seinen Kontostand überprüfen will, Überweisungen von einem seiner Konten auf das andere tätigen will oder lediglich eine Übersicht über seine Transaktionen haben möchte – CommBank Kaching verspricht diesen Service und noch mehr.

Zahlungen können über BPAY® abgewickelt werden – ein elektronisches Zahlungssystem in Australien, das es ermöglicht Zahlungen über Online-Banking oder Mobile-Banking an registrierte Händler bei BPAY® zu richten. Ein anderer Weg seine Schulden zu begleichen führt über Facebook. Einfach seinen Freund aus der Freundes-Liste auswählen und ab geht’s. Das gleiche geht auch mit mobilen Kontakten oder E-Mailkontakten. Lustig finde ich auch den Transfer von Zahlungen über Bump™. Auf beiden iPhones muss dazu CommBank Kaching installiert sein. Man stößt die Hände, umschlossen um die iPhones, leicht gegeneinander und schon kann man die Überweisung sicher und drahtlos tätigen. Als letzte Möglichkeit bietet die Commonwealth Bank of Australia einen Zahlungsweg über MasterCard® PayPass™ in Verbindung mit einer iCarte, die man ganz einfach über die App kaufen kann. Überall wo MasterCard® PayPass™ akzeptiert wird kann man kontaktlos per Smartphone Rechnungen bis zu 100 $ bezahlen. – Praktisch und alles ohne Bankverbindung, allerdings nur für das iPhone 4 und 4s möglich. Als kleines Zusatzfeature bietet die App sogar eine Geldautomaten-Suchfunktion an. Derzeit bietet die Bank die beiden letzten Zahlungsvorgänge nicht für Smartphones mit dem Betriebssystem Android an. Ich denke, dass ist allerdings nur eine Frage der Zeit bis die Systeme auch hier angepasst werden.

Wie offensiv und direkt die Commonwealth Bank of Australia in die Verkaufsförderung ihrer Produkte geht, ist hier in einem Beispielvideo zu sehen, in dem Interessierte in einem sportlichen Kontest gegen Mitarbeiter der Bank iCarts gewinnen können. – „Challenge the team to win an iCarte“


„Crazy guerilla campaigns“

Die National Australia Bank ist eine der vier größten Banken Australiens. Ich habe vier Marketingkampagnen gefunden, die man wirklich als kreativ bezeichnen kann. Ob sie jedermanns Geschmack sind, ist eine andere Frage. Aufmerksamkeit erregen sie allemal.

„Break up“

Die NAB rief die Leute dazu auf, die Beziehung zu ihrer Bank aufzugeben. Sie machte es schon einmal vor und verfasste dazu einen Brief an ihre Konkurrenzbanken mit einer eindeutigen Botschaft. Zu guter Letzt versprach sie alle Gebühren bei einem Wechsel der Bankverbindung zu übernehmen.

Gestartet ist die Kampagne mit einem kleinen Tweet von NAB auf Twitter:
Sooooo stressed out. Have to make a tough decision and I know I’ll probably hurt someone’s feelings! Arrggghhh.

Die Antwort von westpac, bei der 2010 ein Mitarbeiter aus Versehen die Worte „Oh so very over it today“ gepostet hatte, war darauf: Hey @nab know the feeling – smt

Dabei war der Post von NAB mehr als beabsichtigt.

Die NAB ging noch weiter. Um nur einige Beispiele zu nennen:
Sie organisierte einen Pianisten, der vor dem Gebäude der NAZ „break up“ Liebeslieder sang, ihre Mitarbeiter verteilten Taschentücher und CDs. Sie engagierte Schauspieler um an öffentlichen Plätzen Sketche aufzuführen über ein „Liebespaar“, bei dem einer (die NAB) den anderen (eine Konkurrenzbank) verlässt. Sie ließ Banner über die Headquarter von Commonwealth, NAZ und Westpac fliegen mit der Aufschrift „Dear CommBank, ANZ & Wetspac – you’re dumped. NAB.“ Oder sie ließ ein Poster im 31. Stock gegen eine Glaswand plazieren, um ein Meeting von Managern der Westpac zu stören. – Ganz schön aufdringlich.

„The honesty experiment“

Die Werbebotschaft: „Australians are an honest lot. They deserve credit cards to match.“

Und um noch eins drauf zu setzten, bedankt sich die NAB bei ihren ehrlichen Australiern.

Win an ATM Installed in Your Home”

NAB veranstaltete einen Kontest, dessen Gewinner die NAB einen Geldautomaten zu Hause einbaute und der 1.000 Euro, ein iPad 2 und ein iPhone 4 geschenkt erhielt, um alle Bankgeschäfte einfach und flexibel tätigen zu können.

Doug Gets Tied to a Pole”

Die Story: Die Konkurrenten der NAB entführen einen Mitarbeiter der NAB namens Doug und fesseln ihn an einen Mast direkt vor das NAB-Gebäude. In seiner verzweifelten Situation philosophiert Doug über die Gründe, warum die Mitstreiter so eifersüchtig auf die NAB sind und beschreibt vorbeigehenden Passanten die Vorteile der NAB.

Ich habe also gesehen, dass in Australien bereits einiges geht. Vor allem die Marketingkampagnen bzw. PR-Kampagnen der NAB haben mich beeindruckt.  Denn eine derartig aggressive und verrückte Art zu werben, kennt man von Finanzunternehmen nun wirklich nicht – zumindest nicht in Deutschland. Wobei ich denke, dass so etwas bei uns Deutschen nicht wirklich ankommen würde? Über Best Practice lässt sich also reden. Aufmerksamkeit erregend sind sie allerdings allemal.
Aber welche Banken können sich so etwas leisten – finanziell und in Bezug auf ihre Reputation (mit solchen Kampagnen geht man vielleicht mehr Risiko ein, als sich eine Bank leisten kann bzw. möchte)? Eine Genossenschaftsbank oder Sparkasse in mittlerer Größenorndung wohl eher nicht. Da müssen schon die Verbände mitspielen. Was meinen Sie?


 

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