Location Based Services als Ergänzung zum klassischen Marketing?

Veröffentlicht von Maik Jost / 18. September 2012 / / 1 Kommentar

Location Based Services (LBS) sind Anwendungen, mit denen standortbezogene Informationen abgerufen werden können. Sie reichen von der Anzeige des nächsten Geldautomaten bis hin zu aktuellen Shoppingangeboten in der direkten Umgebung. Gerade junge Bankkunden könnten sich in Zukunft für solche Angebote noch stärker begeistern.

Eine solche Funktion nutzt bereits jeder zweite LBS-Freund. Die Applikationen können mithilfe von mobilen Endgeräten wie beispielsweise einem Smartphone oder Netbook genutzt werden. Der TNSEmnid-Studie „Heimat to go – medial verankert in der Region“ zufolge ist bereits jeder dritte Deutsche im Alter von 20 bis 59 Jahren im Besitz eines Smartphones, was etwa 18 Millionen Nutzern entsprechen würde – Tendenz steigend.

Das soziale Netzwerk Facebook beinhaltet ebenfalls einen solchen standortbasierten Dienst mit dem Namen „Facebook Places“ auf Deutsch „Orte“. Per „Check-In“ kann man mit dieser Funktion seinen Facebook-Freunden mitteilen, an welchem Ort man sich gerade befindet und was man dort macht. Ein weiterer großer LBS-Dienst mit spielerischem Hintergrund ist foursquare. Die Anwendunglässt die Nutzer über ein Punktesystem wie in einem Wettbewerb um die meisten Check-Ins miteinander konkurrieren. Zudem ist es möglich, mit foursquare das eine oder andere Schnäppchen zu schlagen. Die Rede ist von in der Nähe befindlichen „Specials“ – sprich Angeboten, die man nur per Anmeldung durch einen Check-In einlösen kann.

Bei jungen Menschen beliebt

Laut einer Microsoft-Studie zum Datenschutztag (2011) nutzen bereits sieben von zehn Smartphonebesitzern regelmäßig LBS-Dienste. Mehr als 30 Prozent der 14-bis 29-Jährigen sind empfänglich für mehr Werbung und Informationen an ihrem aktuellen Aufenthaltsort. Vor allem bei jüngeren Personen und Besserverdienern mit einem Einkommen von mehr als 36.000 Euro Jahres-Nettoverdienst wächst das Interesse an Location Based Services. Neben der relativ hohen Anzahl an Nutzern ist es drei von vier Personen sehr wichtig, Produkte aus der Region zu beziehen. Trotz der augenscheinlichen Begeisterung über diese Applikationen, darf man nicht vorenthalten, dass sich viele Nutzer auch Sorgen um ihre Privatsphäre machen und sich mehr Kontrolle über diese wünschen. Viele haben Angst davor, dass ihre Daten ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden oder persönliche Daten gestohlen werden. Die standortbasierten Dienste sind aus Datenschutzgründen kritisch zu betrachten. Sie machen den User zum gläsernen Kunden. Das bedeutet, dass Anbieter dieser Dienste die positionsrelevanten Daten auswerten und entsprechend für sich nutzen können. Da der Nutzer mit jedem Check-In seinen aktuellen Ort bekannt gibt, wird so automatisch ein Bewegungsprofil erzeugt, was dem Anwender der Applikation vielleicht gar nicht bewusst ist. Diese Daten liefern entsprechende Informationen zu den Verbraucherverhalten und Gewohnheiten.

Innovatives Argument

Die LBS-Dienste könnten eine Ergänzung zum konventionellen Marketing werden. Durch die weite Verbreitung der Smartphones könnten sie eine Verbindung von Social-Media-affinen Kunden zur Filiale schaffen. In Anbetracht der verhältnismäßig geringen Kosten wäre es denkbar, mithilfe von Facebook, Foursquare und Co. der Online-Community zielgruppengerechte Angebote zu präsentieren. Für junge Kunden, die sich mit solchen Anwendungen identifizieren, könnten diese LBS-Dienste ein innovatives Argument sein, sich für diese Bank zu entscheiden. Vorreiter im Finanzbereich ist eine US-Kooperation des Kreditkartenunternehmens American Express mit foursquare. Unter dem Motto „Cashback bei Check-In” buchen sich Nutzer des Location-Dienstes bei teilnehmenden Einzelhandelsunternehmen ein. Wenn sie dort ihre Einkäufe mit ihrer American-Express-Karte bezahlen, bekommen sie Geld zurück. Die LBS-Dienste werden die deutsche Bankenwelt nicht revolutionieren. Sie werden mehr eine Ergänzung der klassischen Marketinginstrumente sein. Allerdings haben sie definitiv das Potenzial, die Social-Media-affinen Kunden zu erreichen. Den ersten Schritt haben Teile der genossenschaftlichen Bankengruppe mir der VR-BankCard-Plus-App gemacht (siehe Bild auf dieser Seite). Hier kann sich der User die nächstgelegenen lokalen Händler – bereits mehr als 5.300 Kooperationspartner – anzeigen lassen. Auch in der Onlinebanking-Anwendung vr.de ist ein Geldautomatenfinder integriert, der dem Nutzer den Weg zum nächsten Geldautomaten der genossenschaftlichen FinanzGruppe anzeigt.

Dieser Artikel wurde in der Bankeninformation April 2012 veröffentlicht. Bereits in dem halben Jahr nach der Veröffentlichung, hat sich einiges bezüglich der LBS-Dienste getan. Während Facebook seinen Dienst „Places“ einstampfte, erfreut sich foursquare weiterhin an Beliebtheit. Wie sehen Sie den Trend der standorbasierten Dienste im Bezug auf die letzten Monate?

Kommentare

Ein Kommentar

  • Amelie Greiner
    20. September 2012 bei 17:20

    Spannender Artikel! Im Zuge meiner MA-Thesis befasse ich mich mit den Nutzungsmotiven von foursquare-Usern und suche damit nicht zuletzt eine Antwort auf die Frage, wie Unternehmen foursquare effektiv für sich nutzen können. Zu diesem Zweck habe ich eine Online-Umfrage generiert und bin aktuell auf Support von foursquare-Nutzern angewiesen!
    Als kleines Gimmick erhalten interessierte Teilnehmer zum Ende des Untersuchungszeitraumes Einblick in die Ergebnisse!

    http://ww2.unipark.de/uc/LBS-Nutzung/

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