Enterprise 2.0 und Open Innovation- wie Unternehmen das Web 2.0 für sich nutzen

Veröffentlicht von Meike Boj / 4. Oktober 2012 / , / 2 Kommentare

Das Thema Web 2.0 und die private Nutzung von Social Media ist aus unseren Köpfen nicht mehr wegzudenken. Die große Popularität – nicht nur bei den Jugendlichen – stellt die Verantwortlichen vor die Frage, ob sie Web 2.0-Instrumente auch aktiv in ihrem Unternehmen einsetzen wollen. Unternehmen können das Web 2.0 nicht mehr ignorieren. Dies unterstreicht auch Andrew P. McAfee, Professor in Harvard, mit seiner Aussage, dass Enterprise 2.0-Tools, Wikis, Tags, Twitter und andere Microblogs oder Google-style searches die Kommunikation, den Wissensstand und den Innovationsprozess von Unternehmen deutlich verändern.

Etwa so?

Sicher nicht. Wie wirken sich also die neuen sozialen Technologien auf Innovationen aus?

Der Innovationsprozess war seit je her in Unternehmen klar den Designer, den Ingenieuren und den Wissenschaftlern überlassen. Diese Menschen personifizieren die richtige Kombination von Ausbildung, Erfahrung, Erfolg und Misserfolg. In jüngster Zeit gehen Unternehmen jedoch neue Wege. Neben dem ganzen Wissen aus F&E nutzen Organisationen heute die öffentliche Community, um die Kunden ihrer Produkte anzusprechen und die Kunden dadurch in die Verbesserung und Weiterentwicklung miteinzubeziehen. Manche Unternehmen konzentrieren sich dabei nicht nur auf ihre Lead User sondern öffnen den Prozess, ein neues Produkt zu entwickeln, zu verbessern oder ein vorhandenes Problem zu lösen für die ganze Netzgemeinde. Enterprise 2.0-Tools sind genau dafür gemacht, um diesen erweiterten Open Innovation Prozess zu unterstützen. In der Tat basieren die meisten neuen Arten von Innovationen, wie Open Innovation und Crowdsourcing, auf genau diesen Technologien. Ein sehr gutes Bespiel liefert hier Procter & Gamble: Der Konzern hat sich der Open Innovation-Philosophie verschrieben und nutzt diesen Ansatz auf seiner Connect + Develop Website. Das Unternehmen veröffentlicht nicht nur, was die Mitarbeiter wissen und können, sondern auch, was noch fehlt. Das ist fundamental neu. Große Unternehmen geben ihre Wissenslücken normalerweise nicht preis.

Führt die Nutzung von Enterprise 2.0-Technologien tatsächlich zu besseren Ideen? Oder droht eine Organisation so in unsinnigen und nutzlosen Ideen zu ertrinken?

Zwei Aspekte liefern Antworten: Erstens gibt es keine Garantie, dass die nächste Innovationsherausforderung in einer Organisation genauso ist wie die zuvor. So können bei neuen Herausforderungen andere Perspektiven oder andere Fähigkeiten notwendig werden, die bisherige Innovationen nicht verlangt haben. Zweitens kann die Community dabei helfen, Ideen und Vorschläge zu sichten und zu verfeinern. Die Teilnehmer schlagen Verbesserungen vor und bewerten die Ideen Anderer. Hochwertige Inhalte werden so nach und nach für Andere erkennbar. Das ist wichtig, denn eine gute Idee ist nicht immer auf den ersten Blick offensichtlich.

Müssen sich Unternehmen also zwischen traditionellen und modernen Innovationsansätzen entschieden?

Die Antwort lautet nein. Im Gegenteil: Beide Methoden verstärken sich sogar gegenseitig, wie das Beispiel des Schuhmachers John Fluevog eindrücklich verdeutlicht. Das Unternehmen beschäftigt viele professionelle Designer. Gleichzeitig wird der Open Innovation-Ansatz auf ihrer Plattform FluevogCreative genutzt, um Menschen aufzufordern, ihre Vorstellungen und Verbesserungen über das Web einzubringen. Letztlich können alle Homepagebesucher über diese Vorschläge abstimmen, wobei die endgültige Entscheidung bei den Profis verbleibt.

Was können Genossenschaftsbanken von diesem Ansatz lernen? Welche Vorteile ziehen sie daraus?

Aus unserer eigenen Erfahrung wissen wir, dass Enterprise 2.0-Plattformen in der internen Perspektive zur Verbesserung von Prozessen, zur Förderung der Zusammenarbeit, zum Wissensaustausch, aber vor allem zu einer transparenten Kommunikationskultur führt. Der Web 2.0- Visionär Tim O-Reilly bezeichnet das zugrundeliegende Prinzip als die „Nutzbarmachung der kollektiven Intelligenz“.

Unternehmensextern sind z.B. die Funktionen Marketing, Reputations- und Problemmanagement, Imagebildung, Recruiting oder die Zusammenarbeit mit Kunden und Experten, z.B. zur Produktentwicklung, relevant. Beispielsweise könnten Genossenschaftsbanken im Rahmen ihres Reputationsmanagements solche Plattformen nutzen, um die vielfältigen Stimmen der Kunden und der breiteren Öffentlichkeit, z.B. über Produkte, Services oder Werbekampagnen wahrzunehmen und so die Nähe zum Markt kostengünstig steigern.

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