„Knab!!!!“ Bitte was ?!

Veröffentlicht von Frank Gutknecht / 11. Oktober 2012 / , / 2 Kommentare

Knab ist eine Bank, die am 20.September in den Niederlanden gegründet wurde. Mit ihrem Community Gedanken erinnert sie stark an die Fidorbank. Welche Bedeutung hat der Name „Knab“? Dieser soll aus der umgekehrten Schreibweise von „Bank“ entstanden sein und symbolisiert durch den Anfgangsbuchstaben „K“, dass der Kunde an erster Stelle steht.

Knab ist ein weiteres innovatives Bankenmodell, das auf Technologie, Transparenz und Personalisierung setzt und ohne Bankfiliale auskommt. Dabei wird auf soziale Kundenkommunikation gesetzt. So will das Unternehmen dem Vertrauensverlust aus der Finanzkrise entgegenwirken. Die Kommunikation findet über Facebook, twitter, corporate blogs, video oder online-chats statt. Daneben gibt es sehr vielseitige mobile apps und Webinare. Das Design wirkt sehr aufgeräumt, modern und übersichtlich gestaltet. Im Online-Banking ist ein PFM-Tool integriert, das es auch erlaubt, Konten anderer Banken zu verwalten. Gleichfalls ist es für den Nutzer möglich, sich einen einfachen Finanzplan selbst zu erstellen, der auch ein Zukunftsszenario zulässt.

(Besonders interessant: 01:30 – 4:54)

Über ein sehr innovatives Dashboard hat der Kunde die Möglichkeit, seine Interessen zu verwalten und Benachrichtigungsfunktionen einzustellen, zum Beispiel für Zinsänderungen, diversen Angeboten oder wenn zu viel Geld ungenutzt auf dem Girokonto liegt. Sehr gelungen finde ich die Funktion, die automatisch Geld vom Sparkonto auf das Girokonto überweist, um Dispozinsen zu vermeiden. Bei ca. 12% Dispozins im Branchenschnitt kann man erkennen, dass hier zum Wohle des Kunden gedacht wurde. Zusätzlich gibt es auch immer Zinsen auf dem Konto.

 

 

Bei so vielen Vorteilen stellt sich die Frage, wie refinanziert sich Knab?

Bankkunden bezahlen für ein Konto pro Monat eine Pauschale von 15€ = 180 € pro Jahr. Hier finden sich nicht nur in der Online-Welt oder bei Diektbanken bestimmt günstigere Varianten, die auch eine Verzinsung von Konten über Marktniveau versprechen. Im Unterschied dazu will Knab kein Geld aus Krediten oder Versicherungsverkäufen verdienen, auf versteckte Kosten und weitere Provisionszahlungen wird verzichtet. Dieses Thema bekommt deshalb Brisanz, weil die Knab Bank eine 100% der Tochter von Aegon ist, einer der führenden Anbieter von Lebensversicherungs- und Altersvorsorgeprodukten in den Niederlanden. In der Community sollen deshalb unabhängige Finanzberater für Aufklärung sorgen und Produkte anderer Banken empfehlen. Bewusst wird hier eine Trennung vorgenommen und der Berater wird zum Anwalt der Kunden deklariert, deren Interessen er vertritt. Die unabhängigen Finanzberater werden dann von der Community geratet. Der soziale Charakter wird verstärkt, in dem die Knab Bank es ermöglicht, dass Kunden über ein Budget der Bank für verschiedene gemeinnützige Zwecke zu spenden.

Allen in allem ähnelt das Prinzip dem der Fidorbank oder anderen Online-Banken. Hervorzuheben sind aber die technischen Neuerungen, soziale Kanäle, die unabhängigen Finanzberater oder das Dashboard mit PFM-Integration. Meines Erachtens ist die Funktion „Finanzplan erstellen“ eine schöne Sache, da ich aber selber in der Beratung tätig bin, kann ich mir nicht vorstellen, dass ein selbst durchgeführter Finanzplan die gleichen Vorteile oder Qualität aufweist, wie einer, der gemeinsam mit einem Finanzberater erstellt wurde. Das Geschäftsmodell wird meines Erachtens nur mit einer enorm wachsenden Kundschaft durchzusetzen sein. Die Fidorbank z.B. berechnet keine Kontoführungsgebühren, hat jedoch andere Einnahmequellen. Da die Kosten schon bei Eröffnung eines Kontos anfallen und nicht erst (versteckt) abhängig von Transaktion oder Vermittlung, wird sich der Kunde diesen Schritt genau überlegen. Hier eröffnet man sich nicht mal einfach so ein Konto und schaut dann wie es läuft- die Hürde ist durch die Pauschalbepreisung deutlich höher.
Grundsätzlich hat es die neu gegründete Bank sicherlich einfacher, neue Kunden an die soziale Interaktion oder an die überdurchschnittlichen technologischen Features zu gewöhnen, als zu versuchen Altkunden oder bereits abgewanderte Kunden zu überzeugen.
Meines Erachtens trägt dieses Geschäftsmodell dazu bei, etwas mehr Vertrauen in die Bankenwelt zu integrieren und veranlasst vielleicht andere Banken im Sinne von „social“ nachzurücken und von starren Geschäftsgebahren abzurücken.

Ein Nachteil für deutsche Kunden ist sicherlich, dass die Commuity auf niederländisch gehalten ist, man sollte schon der Sprache mächtig sein ;).

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