Innovative Mobile Banking Applikationen

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 26. Oktober 2012 / Mobile Payments / 2 Kommentare

Mittlerweile besitzt jeder dritte Deutsche ein Smartphone. Bei den unter 30-jährigen sogar jeder zweite (BITKOM 16. April 2012). Mit steigenden Nutzerzahlen steigen auch die Anforderungen an die Anwendungen der Finanzdienstleistungsbranche.
Doch was sind eigentlich mobile Banking Applikationen und wie geht die Entwicklung weiter?

Unter mobilen Banking Applikationen (Apps) versteht man Programme für internetfähige Mobiltelefone (Smartphone) oder Tablet Computer, die eine mobile Kontoführung, aber auch mobiles Bezahlen ermöglichen. Einen weiteren Anwendungsbereich stellen die Location Based Services da, die die Standortinformationen der mobilen Endgeräte nutzen, um dem Nutzer nützliche Informationen, zum Beispiel den Standort des nächsten Geldautomaten, bereitzustellen.

Diese neuen Möglichkeiten eröffnen einerseits viele interessante Vertriebs- und Serviceansätze, bergen aber auf der anderen Seite auch die Gefahr, dass der Nutzer gar nicht mehr erreicht werden kann, wenn er sich für die Apps der Mitbewerber entscheidet und die einsetzt.
Wie der Hightech-Verband BITKOM im April mitteilte, sind mittlerweile 34 Prozent der Deutschen im Besitz eines Smartphones. Bei den unter 30-jährigen liegt die Quote sogar bei 51 Prozent. Mit steigendem Alter nimmt diese Quote aber stark ab, so besitzen nur 27 Prozent der zwischen 50- und 64-jährigen ein Smartphone, darüber sind es sogar nur noch 6 Prozent. Des weiteren erobern gerade die Tablet Computer den Massenmarkt. Alleine in 2011 wurden 2,1 Millionen Stück davon verkauft. Für das Jahr 2012 wird ein Verkauf von weiteren 2,7 Millionen Stück prognostiziert.
Die Firma Infosys befragte in einer Onlineumfrage Smartphone Nutzer aus den USA über ihre Meinung zu den von Banken angebotenen mobilen Angeboten. 94 Prozent der Befragten befanden die Nutzung auf mobilen Endgeräten als einfach und 77 Prozent als bequem. Allerdings waren nur 48 Prozent mit der Geschwindigkeit zufrieden und 54 Prozent beurteilten den Einloggvorgang als zu kompliziert. Außerdem gaben die Befragten an, dass die Hauptgründe, warum sie keine mobilen Banking Apps nutzen, zum einen Sicherheitsbedenken, zum anderen die langsame Geschwindigkeit sind. Jedoch möchten 61 Prozent der Nichtnutzer von Banking Apps diese in Zukunft ausprobieren. Mit dem weiteren Ausbau des mobilen Datennetzes in Deutschland wird der Kritikpunkt der Geschwindigkeit, der auch in Deutschland in vergleichbaren Umfragen genannt wird, langsam aber sicher verschwinden. Dementsprechend wird die Nutzung und der Funktionsumfang der mobilen Banking Apps stetig steigen.

Im Auftrag der Deutschen Bank wurde auf der Cebit 2012 eine Weiterentwicklung der bestehenden „Meine Bank“- App vorgestellt, mit der Zielsetzung, eine Arbeits- und Zeitersparnis für den Kunden und die Bank zu erreichen. Denn bei vorgedruckten Überweisungsträgern waren die Kunden bisher gezwungen, diese entweder manuell abzutippen oder in der Filiale abzugeben. Zukünftig ermöglicht die Kamera des Smartphones zusammen mit einer Texterkennungssoftware, dass die vorgedruckte Überweisung direkt ins mobile Online-Banking eingelesen wird. Ein weiteres Beispiel ist die App „Chase Mobile“. Diese App ermöglicht es, einen Scheck einzulösen, indem man mit seiner Handykamera einfach ein Foto der Vorder- und Rückseite macht. Der Gang zur Bank bleibt einem somit erspart.

Doch sollten mobile Banking Apps noch mehr können, als einfach den Zahlungsverkehr abzubilden und dem Kunden bestimmte Vorgänge zu erleichtern.
Bankprodukte sollen spielerisch näher gebracht werden (Stichwort: Gamifikation BI 5 / 2012). Genau an diesem Punkt setzen die Apps „Breeze Wishlist“ und „Moneyou“ an. Hier haben die Nutzer die Möglichkeit ihre Ziele und Wünsche anzulegen und bei Bedarf auch mit ihren Freunden zu teilen. Anschließend gibt man den Zeitpunkt an, bis wann man sein Ziel erreicht haben möchte und die App errechnet automatisch, wie viel monatlich zurückgelegt werden muss. Bei Bedarf wird die Umbuchung sogar automatisch veranlasst. Der Nutzer hat jederzeit einen Überblick über den Stand seiner Zielerreichung. Und hier setzen die Personal Finance Management Apps auf. Diese versuchen, dass sehr zahlenorientierte Online-Banking grafisch anschaulich und intuitiv darzustellen. Mit vorhandener Multibankfähigkeit erfüllt es außerdem einen grundlegenden Wunsch der Kunden, nämlich einen kompletten Überblick seiner Finanzen zu erhalten, trotz mehrerer Bankverbindung. Im Sinne von Kundenbindung und um den Verlust eines weiteren Vertriebskanals vorzubeugen, ist es für die Finanzdienstleistungsbranche wichtig, rechtzeitig mit eigenen Entwicklungen am Markt zu sein. Wenn die Banken nicht auch noch ihre Zahlungsverkehrserträge verlieren möchten, sollte man den mobilen Banking Applikationen Beachtung schenken, die das Bezahlen mit dem Handy ermöglichen. Schon heute ist es bei der ING möglich, dass das Überweisen von Geld unter Kollegen und Freunden per Smartphone funktioniert. Dazu müssen die Geräte einfach aufeinander zu bewegt werden. Sieht man dies noch als Nische, so kann der Google Dienst „Wallet“ dahingehend sehr gefährlich werden. Hier funktioniert das Bezahlen so, dass der Kunde sein Smartphone an der Kasse direkt über ein Lesegerät halten muss und der Betrag automatisch belastet wird.
Für die weitere Verbreitung dieser neuen Bezahlmöglichkeiten müssen aber auch noch viele Vorurteile bei den Menschen und Risiken bei den Anwendungen ausgeräumt werden. Viele Kunden haben gegenüber solchen Dingen, mitunter zu Recht, Sicherheitsbedenken. Aber sollten diese ausgeräumt und das mobile Datennetz schnell genug sein, dann wird sich die Entwicklung zum Bezahlen mit Smartphone in naher Zukunft durchsetzen. Daher ist es für uns als Bankengruppe wichtig, diese Entwicklung genau zu verfolgen und mit eigenen mobilen Applikationen nicht den Anschluss zu verlieren.

Erschienen im Magazin BANKINFORMATION Ausgabe 07/2012

Kommentare

2 Kommentare

  • 27. Oktober 2012 bei 21:01

    Danke – wie immer ein guter Bericht.

    Habt Ihr schon einmal einen Blick auf figo werfen können? Passt ja in das Thema

  • ht
    ht
    29. Oktober 2012 bei 15:32

    Hallo „andre“,

    danke für das Feedback. Zum Zeitpunkt des Artikels in der BI (7/2012) und dem vorherigen recherchieren, hatte ich das Start-Up noch nicht auf dem Schirm, da es, soweit gesehen, erst im Oktober an die Öffentlichkeit gegangen ist.

    Mit freundlichem Gruß
    und danke für den Tipp
    Thomas Hochfeld

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