Kurz notiert: Ein Trend zu mehr Bankfilialen?

Veröffentlicht von Madlen Lorenz / 10. November 2012 / , , / 3 Kommentare

Wo geht die Entwicklung der Bankfilialen hin? Eine Frage, mit der man sich schon seit mehreren Jahren auseinandersetzt. Und doch wird immer noch heftig darüber diskutiert. Filialstrukturen verändern sich, Kunden nutzen mehr und mehr Online – Banking Anwendungen, technische Fortschritte werden eingeführt, der persönliche Kundenkontakt geht – zumindest gefühlsmäßig – zurück. Die Frage möglicher Entwicklungsszenarien ist deshalb durchaus berechtigt. Neue Konzepte sollten geschnürt und neue Online – Banking Anwendungen ins Leben gerufen werden, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Hingegen belegt eine aktuelle Studie aus Amerika, dass sich der Trend „aussterbender Bankfilialen“ wieder umkehrt. Laut der„FinancialBrand“, welche erst vor kurzem eine Studie von „Momentum“ veröffentlich hat, ist das Aussterben von Bankfilialen nicht abzusehen. Ganz im Gegenteil, laut „Momentum“ profitierten gerade jene Genossenschaftsbanken, die in den letzten 5 Jahren in eine Ausweitung des Filialnetzes investiert haben. Ein Paradoxon?  Kann es wirklich sein, dass die Performance dieser Banken besser ist? Laut den Untersuchungen – eindeutig „Ja“.

Entgegen aller Aussagen, die 2008 im Raum standen, war es wohl eine äußerst ungewöhnliche Strategie auf ein erweitertes Filialnetz zu setzen. Und genauso unerwartet werden jetzt die Ergebnisse dieser Studie veröffentlicht. Unternehmen, die zwischen 2007 und 2012 in eine Filialerweiterung investiert haben, konnten laut der Studie einen Zuwachs an Mitgliedern, Vermögen und Kreditvergaben aufweisen. Aber gehen nicht nahezu alle Prognosen in eine andere Richtung? Haben sich also laut der Studie, Investitionen entgegen aller Prognosen  gelohnt? Entwickelt sich wieder ein Trend hin zu mehr Geschäftsstellen?

Schauen Sie selbst: Die Studie zeigt Vergleichswerte von Genossenschaftsbanken, die innerhalb der letzten 5 Jahre mindestens eine Geschäftsstelle zusätzlich eröffnet haben und die, die keine Erweiterung vorgenommen haben.

Meiner Meinung nach sollte man diese Studie kritisch hinterfragen. Für mich wird hier die genaue Korrelation zwischen Filialnetzerweiterung und Anstieg der untersuchten Kennzahlen nicht ganz deutlich. Letztendlich kann die Verbindung zwischen Ursache – Wirkung auch woanders liegen. Es wäre doch auch möglich, dass die analysierten Banken die Geschäftspolitik, ihren Beratungsansatz oder Produkte verändert haben. Auch technische Fortschritte oder andere Qualitätsmaßstäbe wären hier denkbar. Damit könnten die Untersuchungsergebnisse aufgrund der verwendeten geringen Datenbasis verfälscht sein und somit zu falschen Schlussfolgerungen führen.

Werden die Aussagen, dass Filialen aussterben, hiermit wiederlegt? Oder handelt es sich um Glaubenssätze und unterschiedliche Sichtweisen? An dieser Stelle möchte ich auch nochmal auf unserer Blog verweisen, in dem wir über die Einschätzung von Bett King berichtet haben.

Und welchem Glaubenssatz schließen Sie sich an?

Kommentare

3 Kommentare

  • 12. November 2012 bei 16:34

    Hallo,

    Du hast es richtig geschrieben. Die Studie muss sehr deutlich hinterfragt werden. Die meisten Banken sind doch gar nicht in der Lage genau zu messen, welche Einnahme über welchen Kanal generiert wurde. Filial orientierte Banken, die Ihre Kunden zum Abschluss in der Filiale zwingen, machen natürlich mehr Umsatz in den Filialen. In der Regel werden dann auch Umsätze aus anderen Kanälen der Filiale zugeschrieben. Und kaum eine Bank ist in der Lage die Teilprozesse des Kaufprozesses einzelnen Kanälen zuzuschreiben. Wenn ich ein Produkt in der Filiale abschließe, dann können immer noch 90 % des Erfolges in den anderen Kanälen generiert wurden sein. Wer sich von solchen Studien dazu bewegen lässt, mehr Filialen zu bauen, der mach einen großen Fehler.

    gruss vom Blog von Nebenan

  • 17. November 2012 bei 14:19

    Die Studie ist wohl kaum glaubwürdig. Die Seriösität und Beratungsqualität der Banken lässt mehr als zu wünschen übrig, wofür werden also noch mehr Bankenfilialen benötigt. Oder es ist so, dass viele einfach nicht in der Lage sind zu beurteilen, ob ein Bankprodukt gut oder schlecht ist – und die vertrauen dann einfch dem Bankberater.

  • Tina
    15. Januar 2013 bei 18:47

    Es kann natürlich sein, dass gerade die Banken ihr Filialnetz ausgebaut haben, die eh schon eine positive Geschäftsentwicklung hatten – die anderen konnten es sich vermutlich nicht leisten und haben eher versucht an den Filialen zu sparen. Trotzdem finde ich es wichtig noch einmal auf den Zusammenhang zwischen Präsenz und Vertrieb hinzuweisen. Gerade kleinere Banken, die keine riesigen Marketingbudgets haben, müssen einfach „da“ sein, um Kunden gewinnen und beraten zu können. Das wird auch noch eine Weile so bleiben.

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