Kaufen oder nicht Kaufen – frag das Netz!

Veröffentlicht von Maik Jost / 14. November 2012 / Allgemein / 0 Kommentare

Sich im Internet vor einem Kauf über Produkte zu informieren, ist gelebte Praxis. Ein beliebtes Hilfsmittel sind auch Bewertungsportale. Auf den einzelnen Onlineplattformen berichten Verbraucher über ihre Erfahrungen. So entstehen positive oder auch negative Berichte, die auch das Geschäft der Banken beeinflussen können.

Online-Rezensionen sind mittlerweile bei vielen Verbrauchern fester Bestandteil der Entscheidungsbildung, bevor es zum Kauf oder Inanspruchnahme von Dienstleistungen kommt. Laut einer Bitkom-Studie suchen 70 Prozent der Deutschen online Informationen über Waren und Dienstleistungen. Damit liegt Deutschland im EU-Vergleich über dem Durchschnitt von 56 Prozent. Spitzenreiter sind die Niederlande mit 82 Prozent. In den USA schenken knapp 90 Prozent der Teilnehmer der „Online Influence Trend Tracker Studie” des amerikanischen Marketingunternehmens Cone Comunications Onlinebewertungen ein hohes Vertrauen.
In Deutschland liest jeder zweite Internetnutzer vor einem Kauf die Online-Bewertungen anderer Kunden, besagt eine weitere Erhebung des Bitkom. Jeder dritte lässt sich von der Meinung anderer Verbraucher in seiner Kaufentscheidung direkt beeinflussen.

Bankberater online bewerten

Auch in der Finanzwelt ist es möglich, sich darüber zu informieren, welcher kompetente Berater sich in der Nähe befindet, welches Finanzprodukt möglicherweise interessant ist und welche Erfahrungen andere Kunden mit verschiedenen Banken gemacht haben. Ein Beispiel hierfür ist das Bewertungsportal „WhoFinance“, das mit über 25.000 Kundenbewertungen über Finanzinstitute und Versicherungen schon einen recht hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Auf whofinance.de ist es einerseits möglich, sich einen themenspezifischen Berater in der Nähe mithilfe einer Postleitzahleingabe anzeigen zu lassen. Andererseits kann der eigene Berater bewertet werden. Es wird nach den Themen Geldanlage, Immobilienfinanzierung, Altersvorsorge, Krankenversicherung und Sonstiges unterscheiden. Die Bewertungen richten sich hierbei nach Beratungskompetenz, Servicequalität, Produktangebot und Weiterempfehlungsgrad. Die Bewertungsskala reicht von einem Stern für „mangelhaft“ bis fünf Sterne für „sehr gut.“ Zum Abschluss wird noch nach einem persönlichen Kommentar gefragt, um der Rezension eine authentische und subjektive Note zu verleihen.

Beim Immobilienportal immobilienscout24.de wurde neben der Suche der eigenen vier Wände ein Überblick der Baufinanzierer in der Kundenumgebung eingefügt. Durch Eingabe der Postleitzahl und des gewünschten Kaufpreises in die Suchmaschine werden entsprechende Anbieter vorgeschlagen. Die Angebote sind nach dem effektiven Jahreszins, dem Sollzins und der geschätzten monatlichen Belastung geordnet. Zwar ist dort wieder die Kondition ausschlaggebend, jedoch gibt es ein weiteres Bewertungskriterium. Die einzelnen Anbieter werden zusätzlich mit Sternen bewertet. Es wird ähnlich wie bei WhoFinance bewertet. Durch den Button „Empfehlungen anzeigen“ werden dem Benutzer die verschiedenen Anbieter nach günstigstem Zins, hohen Bewertungen und nach der Häufigkeit der Kontaktaufnahme angezeigt. So wird der Suchende automatisch vor die Wahl gestellt, ob ihm Kondition und/oder die Qualität wichtig ist.

Das Arbeitgeberbewertungsportal kununu.com gibt Arbeitnehmern die Chance, ihren Arbeitgeber nach verschiedenen Kriterien zu bewerten. Die Kriterien umfassen Bereiche von Vorgesetztenverhalten, Kollegenzusammenhalt über Work-Life-Balance bis hin zum Gehalt. Der Benutzer kann seinen Arbeitgeber oder ein bestimmtes Unternehmen direkt suchen, sich mithilfe der Postleitzahleingabe oder mithilfe einer Deutschlandkarte anzeigen lassen. Das ermöglicht Berufsstartern subjektive Meinungen von Angestellten einzuholen und sich aus Insiderkreisen zu informieren, bevor sie sich bei einem Unternehmen bewerben. Arbeitgeber wiederum haben hierbei die Möglichkeit zu prüfen, ob sie bereits auf einem guten Weg sind oder Verbesserungspotenzial besteht, beispielsweise durch gute Rezensionen oder im Falle von Kritik.

Glaubwürdigkeit hinterfragen

Die Bewertungsportale sollten aber auch kritisch betrachtet werden, da einzelne Rezensionen teilweise zu hart, oder ohne über die Konsequenzen für den Bewerteten nachzudenken, verfasst und veröffentlicht werden. Zudem ist es schwer, die persönliche Leistung einer einzelnen Person sachlich zu beurteilen, wenn es nicht um die Bewertung einer Sache, sondern um eine Tätigkeit oder die Fähigkeiten eines Menschen geht. Da keine Richtlinien für die einzelnen Bewertungen existieren, können diese oberflächlich sein. Dass negative Bewertungen eine rufschädigende und nachhaltige Wirkung haben, belegt die Cone-Studie. Es bedarf vieler guter Kritiken, diesen wieder herzustellen. Auch Manipulationen können nicht ausgeschlossen werden. Wenn nur wenige aber sehr gute Bewertungen zu einem Produkt oder einer Dienstleistung vorliegen, könnte der Verdacht naheliegen, dass die Rezensionen aus Eigeninteresse selbst verfasst oder von einer Firma in Auftrag gegeben wurden.

Die verschiedenen Berwertungsportale können eine gute Orientierungshilfe für einzelne Entscheidungen bieten. Durch die vielen subjektiven Meinungen von verschiedenen Personen wird es dem Einzelnen ermöglicht, ein objektives Meinungsbild zu einer Dienstleistung oder einem Produkt zu bekommen. Das kann dem Leser helfen, beispielsweise bei Finanzdienstleistern, den so genannten „schwarzen Schafen” aus dem Weg zu gehen. Der positive Nebeneffekt von guten Bewertungen für Berater, für Banken oder auch für Produkte: Es gibt kaum eine bessere Werbung als zufriedene Kunden oder Konsumenten. Aber auch kritische Bewertungen können für die Anbieter von Dienstleistungen oder für die Hersteller von Produkten eine wichtige Hilfe sein. Der Verbraucher gibt somit direkt Rückmeldung über Verbesserungsmöglichkeiten und Anregungen.

Qualität hervorheben

Bewertungsportale bieten nicht nur die Möglichkeit, persönliche Erfahrungen mit anderen zu teilen, sondern auch Feedback und Verbesserungswünsche direkt los zu werden. Unter bestimmten Voraussetzungen können diese Meinungsplattformen ergänzend zu den Aftersales-Befragungen eine Chance sein, die Repräsentanz der Meinungsauswertungen zu erhöhen. Die Bewertungsportale können auch eine Chance für die Genossenschaftsbanken sein, sich im Qualitätsbereich besonders hervorzuheben und – wie im Beispiel von immobilienscout24.de – das Kriterium der Kondition noch weiter zu relativieren.

Erschienen im Magazin BankInformation Ausgabe 10/2012
(Deutscher Genossenschafts-Verlag eG)

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