Facebook und Foursquare – Rossmann auf dem Weg zum Spendenmarathon2.0?!

Veröffentlicht von Maik Jost / 8. Januar 2013 / , / 0 Kommentare

Die Wochen vor Weihnachten gelten in Deutschland als Spenden-Hochsaison. Das dachte sich auch die Drogeriemarktkette Rossmann und stellte mit Hilfe einer Applikation in Facebook und einer Anbindung an einen standorbasierten Dienst, in diesem Fall Foursquare, einen Spendenmarathon auf die Beine. In der Vorweihnachtszeit konnte mah in den verschiedenen Rossmann-Filialen per Foursquare einchecken und gleichzeitig etwas Gutes tun.
Die Kunden müssen sich zuvor in der dazugehörigen Facebook-App anmelden und dabei ihre Heimatadresse angeben. Durch die Verbindung zwischen den beiden Anwendungen werden so die Kilometer zwischen den Check-Ins bei den Drogeriemark-Filialen und der Heimatadresse ermittelt. Pro Kilometer, den die Kunden zurücklegen, spendet die Drogerie einen gewissen Betrag an die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung. Je mehr Kilometer zusammenkommen, desto mehr wird gespendet. Das maximale Spendenvolumen wurde auf 65.500 Euro gedeckelt. Dieses wird bei 150.000 Kilometern erreicht. Zwei weitere Stufen von 50.000 und 100.000 Kilometern sind zudem vorhanden. In der Anwendung ist es möglich, zehn verschiedene Badges frei zu spielen, die auf Facebook gesammelt wurden. Die Badges werden, abhängig davon wie oft und wann man eincheckt, freigespielt.

Die standortbasierten Dienste erfreuen sich in Deutschland einer immer größeren Beliebtheit. Das zeigt eine Studie der TNS Infratest, laut der nutzen bereits 30% der Deutschen sogenannte Location Based Services und weitere 29% interessieren sich dafür. In den USA liegt die Zahl bei 40%. In Deutschland werden standortbasierte Dienste im Vergleich zu den USA etwas geringer genutzt, dennoch könnten sie für einige regionale Unternehmen sehr interessant sein. Das Rossmann-Beispiel zeigt, wie man diese Dienste systematisch für ein soziales Unterfangen einsetzen kann. Regionale Unternehmen und auch beispielsweise Genossenschaftsbanken mit ihrem großen Filialnetz könnten durch diese Dienste profitieren.

Quelle: http://www.tnsglobal.com/mobile-life/country/feature/de/us 

Nach wie vor bleiben die standortbasierten Dienste aus Datenschutzgründen kritisch zu betrachten. Sie machen den User auch in diesem Fall zum gläsernen Kunden. Das bedeutet, dass Anbieter dieser Dienste die positionsrelevanten Daten auswerten und entsprechend für sich nutzen können. Während der Aktionszeit werden die (Bewegungs-) Daten der Rossmann-Kette zur Verfügung gestellt. Ein eventueller Abgleich mit dem Einkaufsverhalten oder ähnliches wäre somit denkbar. Die Studie von TNS Infratest erhebt für Deutschland, dass 30%  standortbasierte Dienste nutzen. Es ist aber nicht erkennbar wie aktiv oder intensiv sie genutzt werden. Auch bedeutet es nicht, dass von den ermittelten 30% alle Foursquare-Nutzer sind.

In der Spendenkampagne werden die Nutzer animiert in die Rossmann-Filialen zu gehen und einzuchecken. Das bringt zwei Vorteile: Zum einen ist der Kunde vor Ort und könnte etwas kaufen und andererseits dient er als Multiplikator für Werbung. Viele Foursquarenutzer haben eine Verbindung mit ihrem Twitter- und Facebookaccount und könnten so die Freunde und Follower beim Teilen auf die Aktion aufmerksam machen. Die einzelnen Unternehmen könnten durch gezieltes Marketing die onlineaffinen Kunden auf entsprechende Angebote in der Nähe aufmerksam machen. Die Aktion zeigt zudem, dass die standortbasierten Dienste eine Verknüpfung zu den regionalen Händlern herstellen können. Es ist ein erstes praktisches Beispiel dafür, wie die Einbeziehung solcher Dienste umgesetzt werden kann. Auch für andere regionale Unternehmen, wie die Volksbanken Raiffeisenbanken wären potentielle Nutzer dieser Dienste. Beispielsweise haben Regionalbanken ein recht großes Filialnetz, das eine Grundlage für eine solche Spendenaktion bietet. Eine Spendenaktion oder vergleichbare Kampagne wären hier denkbar!

Eine Chance also für Regionalbanken?
In der Bundesrepublik gibt es über 1.100 Genossenschaftsbanken mit knapp 13.000 Filialen.  Als gemeinschaftliches Projekt wäre es sicherlich möglich eine ähnliche Spendenkampagne zu starten, jedoch wäre das auch mit einem relativ hohen Aufwand verbunden. Der Spendenmarathon verdeutlicht, dass die standortbasierten Dienste eine Ergänzung zum klassischen Marketing darstellen können und das noch ein hohes Potential in ihnen steckt. Gerade Regionalbanken und lokale Händler könnten von den Location Based Services irgendwann stark profitieren. Jedoch stehen und fallen diese Dienste mit dem Nutzungsverhalten. Im Moment können gerade in ländlicheren Gegenden und in Vorstädten die aktiven Nutzer solcher Dienste stark von den ermittelten Zahlen von TNS Infratest abweichen. Auch ist es ein Unterschied für welchen Zweck man diese Dienste nutzt, denn nicht alle Anwender von standortbasierten Diensten sind Foursquare-Nutzer. Es sind somit noch einige Hürden zu nehmen, doch gleichzeitig ist meiner Meinung nach großes Potenzial bei Foursquare & Co vorhanden. Warten wir also ab, ob eine solche Aktion eine Eintagsfliege bleibt oder ob es sogar ein Anstoß für weitere Kampagnen wird. Vielleicht sogar in der Finanzbranche? Was meinen Sie?

 

 

 

 

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