Bank 2.0: It´s all about context?!

Veröffentlicht von Franz Sebastian Welter / 21. Februar 2013 / , , , , / 0 Kommentare

Mehr und mehr zeichnet sich ab, dass kontextbasierte Informationen, Services und Produkte ein großes Ding der Bank 2.0 Entwicklung werden. Aber was kann man eigentlich darunter verstehen, wenn Treiber der Bank 2.0-Szene, wie Brett King, von kontextbasierten Informationen sprechen? Wo ist der Unterschied zu heutigen Finanzdienstleistungen?

Kontextbasierte Finanzdienstleistungen stellen dem Kunden Informationen und Services unter Berücksichtigung einer spezifischen Ausgangsitutation zur Verfügung. Nun könnte man sagen, dass das ja irgendwie jedes Finanzprodukt macht. Eine Baufinanzierung wünscht sich der Kunde schließlich, wenn er bauen möchte und somit würde es sich bei einer Baufinanzierung und der entsprechenden Beratung um kontextbasierte Informationen handeln. Soweit richtig. Auch jede Beratung ist letztentlich kontextbasiert, denn schließlich basiert sie auf den Wünschen und Zielen des Kunden. Die Beratung wird also in den Kontext der Situation des Kunden gestellt. Soweit auch richtig. Also alles nichts Neues mit diesen kontextbasierten Informationen, Dienstleistungen und Produkten? Ich glaube nicht, denn es gibt durchaus neue Ansätze und Wege, die ich im folgenden skizzieren möchte. Insbesondere, wenn es um digitale Bankdienstleistungen geht.

Neben traditionellen Finanzprodukten, die schon immer kontextbezogen waren (wie beispielsweise die Baufinanzierung), gibt es nämlich andere Produkte, die nur sehr wenig Kontextbezug aufweisen. Nehmen wir als Beispiel das Girokonto. Die Bank stellt dem Kunden ein Girokonto zur Verfügung. Sie bietet sozusagen den Zugang zum Zahlungsverkehr an. Wie, wo, wann und wofür der Kunde das Konto nutzt, bleibt weitgehend ihm überlassen (mit Ausnahme einiger Rahmenbedingung wie z.B. die Höhe des Dispos etc.). Der Kunde steht vor der Herausforderung das Girokonto vor dem Hintergrund seiner derzeitigen Lebenssituation zu managen. Diese Lebenssituationen variieren natürlich von Kunde zu Kunde. Und genau hier gibt es verschiedene Ansätze, einen Kontextbezug herzustellen und dem Kunden so einen Mehrwert zu bieten.

Personal Finance Management Tools bieten dem Kunden einen Überblick über seine Einnahmen und Ausgaben. Automatisch werden Umsätze kategorisiert und Auswertungen erstellt. Außerdem bieten viele Tools die Möglichkeit Cash-Flow Prognosen aufzustellen. Der Kunde hat also auch im Überblick wie sich sein Kontostand in der Zukunft weiterentwickelt (auf Basis historischer Daten). Durch dieses automatisierte Haushaltsbuch, werden Zahlungsverkehrsinformationen auf dem Girokonto (wie z.B. Umsätze) in den finanziellen Kontext des Kunden gestellt und mit nützlichen Infos (wie z.B. Prognosen) erweitert. Soweit so gut und auch nichts mehr ganz Neues…

Brett King verdeutlichte bei der Finovate an einem einfachen Beispiel, wie sich kontextbasierte Informationen auf das Konsumverhalten auswirken könnten. Moven (die Bank von Brett King), bietet seinen Kunden eine mobile Banking Applikation. In Verbindung mit einem Sticker, welcher auf die Rückseite des Smartphones geklebt wird, können in den USA Bezahlvorgänge über das Smartphone abgewickelt werden. Der Clou an der Geschichte? Via Smartphone und Location Based Services, kann der Ort des Bezahlvorgangs lokalisiert werden und der Kunde bekommt in Realtime Auswertungen zu seinem Zahlungsverhalten. So kann ein Nutzer zum Beispiel in Echtzeit sehen, dass er in diesem Monat schon 300 $ bei Starbucks ausgegeben hat und dann gegenbenfalls sein Ausgabeverhalten anpassen. Ob er das dann auch wirklich macht, sei mal dahingestellt… In jedem Fall bekommt der Nutzer in realtime Informationen, die den aktuellen Ort und das bisherige Ausgabeverhalten berücksichtigen. Ich glaube in der Kombination aus Location Based Services und Mobile Banking Applikationen stecken noch große Entwicklungspotenziale. Man stelle sich einfach mal vor, wie die Kombination aus Mobile Banking und Projekten wie „Google Glass“ aussehen könnten.

Ein weiteres spannendes Beispiel von kontextbezogenen Services stellte die IND Group für ihr Online-Banking System vor. Dort kann sich der Nutzer sogenannte „Stories“ laden. Eine „Story“ ist eine Sammlung von Aktivitäten zu einem bestimmten Lebensereignis wie z.B. „Kauf eines Hauses“, „Wir erwarten ein Baby“ usw. Diese „Stories“ gilt es zu absolvieren. Ein spielerischer Ansatz, der das Online-Banking für bestimmte Zielgruppen aufwerten kann. Wenn Sie auf den Screenshot unten klicken, können Sie sich auf der Webseite der IND-Group ein kurzes Video dazu ansehen. Die Stories stehen ab min. 2:49 im Fokus. By the way… das Video lohnt auch, wenn Sie sich einen Überblick über ein zeitgemäßes Personal Finance Management Tool machen wollen.

Die finnische StartUp Bank Holvi verfolgt mit ihren „Templates“ einen ähnlichen aber weit radikaleren Ansatz. Hier basiert das ganze Konto auf einer Lebensituation und enthält die für diese Lebenssituation wichtigsten Features und Dienstleistungen. Ein Template enthält beispielsweise die wichtigsten Einnahme- und Ausgabekategorien für die spezifische Lebenssiutation inkl. entsprechender Budgets. Außerdem gibt es weitere Funktionen wie beispielsweise die Möglichkeit aus dem Template eine Crowdfunding-Aktion zu starten, um etwas gemeinsam zu finanzieren. Zudem lassen sich externe Dienstleister anbinden, die ihre Dienstleistungen in Bezug auf das gewählte Template anbieten können. So wäre es beispielsweise möglich eine Hochzeit per Crowdfunding zu finanzieren, die Blumen, die Räumlichkeiten, die Ringe und andere benötigte Dinge, direkt über Servicedienstleister zu beziehen, die in das Template – also in das Konto – integriert sind. Auf diese Art und Weise wird das ganze Konto, durch die Templates, in den Kontext einer Lebenssituation gesetzt. Oder anders gesagt: Das Girokonto wird zum Hub einer Lebenssituation.

Die Ansätze von moven, holvi und IND auf der einen Seite und Trends wie Mobile Banking, Location Based Services und Personal Finance Management auf der anderen Seite, lassen erahnen, dass digitale Bankdienstleisstungen in der Zukunft wohl noch viel mehr auf den gegenwärtigen Kontext des Kunden ausgerichtet sein werden. Aus Kundensicht ist das zu begrüßen. Banken stellt es meiner Meinung nach vor die Herausforderung, in den nächsten Jahren mit dem Entwicklungstempo Schritt zu halten.

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