Social Media (SoMe)- die nächsten Entwicklungen sind erst recht revolutionär

Veröffentlicht von Meike Boj / 19. März 2013 / , , / 1 Kommentar

Im vergangenen Jahr knackte Facebook die Hürde von 1 Milliarde Nutzer. Eine Studie der Universität Götheborg zeigt, dass der durchschnittliche Facebook-User 75 Minuten pro Tag auf der Plattform verbringt. Die mobile Nutzung hat in den letzten zwei Jahren ebenfalls stark zugenommen: 2012 wurden im Vergleich zum Vorjahr 42% mehr Smartphones, bei 17%iger Weltmarktdurchdringung, verkauft. Weitaus bemerkenswerter ist die Aussicht auf die Zuwachsraten der meisten entwickelten Volkswirtschaften: Hier werden 70-80% Marktdurchdringung innerhalb der nächsten paar Jahre erwartet! Die Absatzzahlen des iPhones übertrafen den des iPods um Längen. Das iPad wiederrum überholte dann das iPhone wie im Sturm. Heute allerdings verbreiten sich Androidhandys, wie das Samsung Galaxy III, mit der 600 prozentigen Verbreitungsrate des iPhones (Quelle: Gartner / Morgan Stanley).

Gastbeitrag von Brett King

Dies hat zu einem massiven Anstieg der mobilen Nutzung von sozialen Medien geführt. WeiXin, das neue chinesische „Social Network“ von Tencent, brauchte nur 14 Monate um 100 Millionen Nutzer zu erreichen und weitere 6 Monate um die 200 Millionen-Hürde zu knacken. 60 Millionen Handyfotos pro Tag  oder 5 Milliarden Schnappschüsse in etwas weniger als einem Jahr, werden von Nutzer über den Dienst des US-Unternehmen Snapchat versendet. Facebook´s eigene Bemühungen in Sachen „mobile“ haben sich gelohnt: Die 40 prozentige Umsatzsteigerung ist größtenteils auf die Verbesserung der mobilen Werbung zurückzuführen.

Google Plus verzeichnet ebenfalls ein deutliches Wachstum und nahm damit Twitter den begehrten Titel als „Nr. 2“ im Feld der sozialen Netzwerke ab. Twitter ist aber lange nicht abzuschreiben: In diesem Jahr brach das Unternehmen einige seiner eigenen Rekorde einschließlich dem, des höchsten Retweets aller Zeiten (3.5m in 24 Stunden über 200 Ländern) „Four More Years“ von @BarackObama.

Während Social Media sich weiter in der modernen Gesellschaft verankert, gibt es immer noch viele alteingesessene Unternehmen und Marken die den Sinn des Ganzen noch suchen. Wo ist der ROI? Wie ist der Business Case für Social Media? Ist abgesehen von den „likes“ auf Facebook, tatsächlich jemand in der Lage, hier Geld zu verdienen? Ist es nicht ironisch, dass es noch garnicht so lange her ist, dass wir dieselben Gedanken zum Thema „Internet“ hatten?

Als kürzlich der Facebookaktienkurs stockte, sahen sich viele Skeptiker in ihren Ansichten über das Social-Media-Business genau in diesem Kursrückgang bestätigt. Dennoch: Facebook ist immer noch hier, ebenso wie LinkedIn, Twitter, Google Plus und all die Anderen. Viele Vorkommnisse und Ansichten sind ähnlich der Zeit des Dotcom-Booms: Viele Unternehmen, die damals nicht ins „Web“ investierten oder dieses Business und dessen Natur nicht verstanden haben, fühlten sich nach Platzen dieser Blase in ihrer Entscheidung bestätigt. Am Ende jedoch, waren die größten und wachstumsstärksten Unternehmen des letzten Jahrzehnts, auch nach der sogenannten Dotcom-Blase, all die Unternehmen, die eng mit dem Internet verbunden waren.

Einige sehr bekannte Muster der Geschichte wiederholen sich im Social Media-Bereich wieder. Das führt mich zur Spekulation, ob dies erst der Beginn einer grundlegenden neuen Art ist, zukünftig Geschäfte zu machen.

War das Alles nicht schon mal da gewesen?

Als das Radio erstmals in den frühen 1900er Jahren populär wurde, befürchteten Kritiker, dass das Radio äußerst schädlich für die Gesellschaft wäre. Diese Befürchtungen waren von der Angst erfüllt, dass Familien nur noch rund um die Uhr Unterhaltungsprogramme hören würden und so wertvolle Zeit miteinander verschwenden würden. Das Gegenteil war der Fall und das Radio revolutionierte die Haushalte mit brandaktuellen Neuigkeiten und Berichten aus aller Welt, ohne auf die Zeitung des nächsten Tages warten zu müssen. Darüber hinaus wurde der Zuhörer mit Hörspielen, Geschichten und Sportberichten unterhalten und an das neue Medium gefesselt. Die ersten Unternehmen, die mit durch das Radio Geld verdienten, waren die Eigentümer der Radiostationen und die Produzenten der Programminhalte. Die zweiten Gewinner waren diejenigen, die Werbung und Marketingkampagnen produzierten. Schließlich profitierten alle Unternehmen, die das Potential des Radios erkannt und verstanden hatten und dieses anzapften, um so neue Zielgruppen zu erreichen.

„Rundfunk ist spektakulär und amüsant, aber praktisch nutzlos. Es ist schwer, den Zuhörer vom Mehrwert des Radios zu überzeugen, dass nun von den amerikanischen Sendern übertragen wird … Ist die ganze Aufregung über das Radio am Ende nur eine weitere Pharse, um die amerikanische Sensationsgier weiter anzuheizen?“
EE Free [Wissenschaftsredakteur], „Radio Real Uses“,  Das Forum, März 1926.


Das Radio wurde von einigen Kritikern als eine Bedrohung für die Gesellschaft wahrgenommen. Als das Fernsehen Ende der 50ger Jahre als Massenprodukt in die Haushalte kam, tauchten die gleichen Bedenken wieder auf: Fernsehen würde Zeit verschwenden, zum Moralverlust führen und das Familienleben beim gemeinsamen Radiohören zerstören. Das Radio verschwand nicht aus den Haushalten als Folge des Fernsehens. Das TV brachte den Zuschauern nun eine noch weitreichendere Vielfalt an Inhalten. Die ausgestrahlten Sendungen, die Programme, die Werbung und das Marketing waren nun weitaus unterhaltsamer und spaßiger. Die Profiteure dieser neuen Ära waren die Netzwerk-Giganten der TV-Unterhaltung – ABC, CNN, NBC, BBC und dergleichen – und die Werbefirmen, denen es gelang in einem 30-Sekunden-Spot packende Geschichten und mitreißende Emotion beim Zuschauer zu wecken. Unternehmen, die sich Werbung in diesem Medium leisten konnten, gelingt es bis heute signifikante Ergebnisse und Umsatzsteigerungen durch die Bekanntheit ihrer Marke zu generieren.

Das Internet und dessen Einführung verliefen nach demselben Muster, mit dem Unterschied, dass nun im Gegensatz zu allen früheren Medien, Interaktion möglich war. Dies ermöglichte dem Internet die Weiterentwicklung zur Business-Plattform, in der Transaktionen in Echtzeit stattfinden konnten. Die ersten Big Player in diesem Feld glaubten, dass der reale Wert allein im Besitz dieses Netzes und in der Verbreitung von Inhalten über dieses Netz wäre. Sehr bald jedoch wurde klar, dass der wahre Wert nicht in den Inhalten sondern in der Plattform an sich lag. Die revolutionärste Veränderung des Internets traf die bestehenden Vertriebswege der Unternehmen. Diese Entwicklungen könnten möglicherweise den Untergang der alteingesessenen Giganten im Einzelhandel, Verlags- und Musikwesen sowie den Untergang des vermittelnden Gewerbes wie Reisebüros, Makler und Händler führen und gleichzeitig den Aufstieg neuer Giganten wie Amazon bedeuten.

Auf Netzwerk, Inhalt und Werbung folgt echter Umsatz

Social Media folgen dem gleichen Muster. Hier dreht sich alles um das Thema „Netzwerk“. Die Werbeindustrie macht sich dies zum Nutzen, um so noch mehr Inhalte und Nachrichten „an den Mann“ zu bringen. Die wirklich interessanten Entwicklungen liegen in den neue Möglichkeiten, wie künftig Geschäfte über Social Media-Plattformen zustande kommen und wie sich durch dieses Medium bestehende Marktsegmente verändern: Die klassischen Marktsegmente mit ihren Zielgruppen und Demographiestrukturen werden durch bunt durchgemischte Communities, die durch die selben Interessen und Verhalten entstehen, neu definiert. Unternehmen, die das verstanden haben, werden Wettbewerber, die allein auf physikalische und geografische Zielgruppen setzen, aus dem Markt verdrängen.

Mit Social Media kamen eine Fülle von „Apps“, Marketingkampagnen, Communities in das Netz und das „Like“ wurde geboren. Instagram, Foursquare, Pinterest, Vine, Cinemagram und viele andere wurden nach dem Vorbild der Plattform Facebook gebildet und um die Eigenschaft „Interaktion“, in Form von Beiträgen und Verlinkungen, von Plattform zu Plattform erweitert. Wenn ein User ein Foto bei Instagram hochlädt, kann es nicht nur dort, sondern auch auf Facebook zu sehen sein. Freunde, die das Bild anklicken werden eingeladen Instagram selbst einmal auszuprobieren.

Die größte Herausforderung für Unternehmen liegt darin, ertragreiche Geschäftsmodelle im Feld Social Media zu finden. Firmen wie „Pets.com“ und „Webvan.com“ waren genau deshalb zum Scheitern verurteilt, weil sie diese Geldquelle nicht schnell genug finden konnten. Viele werden vom Modell „Social Media“ profitieren, aber es werden nicht zwingen die Plattformeigentümer (Facebook, G+, Twitter), sondern vielmehr die Unternehmen sein, die mit Communities, Kollaborationen und der Dimension „social“ neue Wege gehen. Wie in den Fällen von Radio, Fernsehen und Internet werden diese Unternehmen die alteigesessenen und großen Akteure in diesem Markt massiv bedrängen und sich als Art neue Giganten des nächsten Jahrzehnts behaupten.

Einige interessante Beispiele völlig neuer Unternehmen im Social Media-Bereich sind Unternehmen wie Kickstarter, Peer-to-Peer Lending, Airbnb, Yelp, Uber und andere. Unternehmen, die mit dem Klebstoff „social“ auf Gemeinschaft und Zusammenarbeit setzen schaffen so nicht nur einen Mehrwert für alle in der Community, sondern auch die Monetarisierung des Ganzen in einer einzigartiger Weise.

Und? Sind sie sich immer noch nicht sicher, ob es einen ROI in Social Media gibt? Während sie darüber nachdenken, finden es andere vielleicht schon. Social Media ist die Zukunft und heute ist erst der Anfang.

 

Dieser Artikel ist im englischen Original erschienen auf www.banking4tomorrow.com. Brett King ist Autor des Bestsellers BANK 2,0, Amerika´s Bankinnovator des Jahres 2012 und Gründer der Mobilebank Moven. Er ist ein angesehener Blogger, Kommentator und internationaler Topspeaker im Bereich Retail Financial Services.

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