Das Bank-Innovation-Comic-Dilemma

Veröffentlicht von Franz Sebastian Welter / 21. März 2013 / , / 1 Kommentar

Vor kurzem bin ich über folgenden Comic gestolpert (siehe unten). Und dieser hat mich ehrlich gesagt ein bisschen ins Grübeln gebracht. Viele der Grabsteininschriften könnte man auch auf die Finanzdienstleistungsbranche übertragen…

Wobei Totgesagte bekanntlich länger leben. Dennoch, insbesondere neue Wettbewerber werden meines Erachtens noch zu wenig berücksichtigt und zu wenig ernst genommen. Aber kann man sich wirklich nur auf regulatorische Hürden verlassen, die den Markt vor neuen Services schützen? Oder anders gefragt: Wann ist eigentlich der Zeitpunkt gekommen, ein neues Produkt eines neuen Wettbewerbers ernst zu nehmen?

Das Comic oben beschreibt den typischen Diffusionsprozess von Innovationen. Diese Theorie beruht auf den Forschungen des Wissenschaftlers Everett Rogers. Nach Rogers durchläuft jede Innovation – z.B. ein neues Produkt – 5 Phasen. Der Diffusionsprozess beginnt mit der kleinen Gruppe der Innovatoren. Sie sind begeisterungsfähig und innovativ. Sie agieren als Botschafter für die Innovation. Sobald der Nutzen der Innovation etwas bekannter wird, springen die Early Adopters auf den Zug auf und „nutzen“ die Innovation. Early Adopter wollen als Trendsetter gesehen werden. Sie sind leicht zu überzeugen und sprechen gerne über ihre Erfolge. Letzteres kann die Story rund um eine Innovation weiter anheizen und ist essentiell wichtig für den erfolgreichen Start einer Innovation (Take-Off). An verschiedenen Stellen wird von einer Kluft („Chasm“) zwischen den Early Adoptern und der „Frühen Mehrheit“ gesprochen. Diese Kluft soll entstehen, weil viele Innovatoren und Early Adopters andere Bedürfnisse als die „Breite Masse“ haben. Auf diese Art und Weise soll erklärt werden, warum viele erfolgreich gestarteten Innovationen am Massenmarkt scheitern.

Soweit zur Diffusionstheorie. Aber genau hier beginnt die große Herausforderung. Insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung in der Finanzdienstleistungsbranche. Was sind vielversprechende Services, Produkte oder Geschäftsmodelle, welche den Massenmarkt erreichen und nicht in den Phasen der „Innovators“ und „Early Adopters“ stecken bleiben? Wann soll man auf neue Trends reagieren und in welche Technologien investieren? Was ist mit Geschäftmodellen wie P2P-Krediten, Mobile Payments, Crowdfunding, neuen Payment-Anbietern im E-Commerce, Personal Finance Management, Do-it-yourself-Banking Services oder Mobile Banking?

Die Bewertung von Ideen, Trends, neuen Geschäftsmodellen und innovativen Produkten ist für die Zukunftsfähigkeit also von essentieller Bedeutung. Leider kann man feststellen, dass immer wieder die gleichen „Killerargumente“ genannt werden, um jede innovative Idee auch nur im Keim zu ersticken. Die folgenden vier Grafiken können in diesem Zusammenhang auch als Handbuch der Innovation-Killer-Argumente verstanden werden.

Heute kann man beobachten, dass viele neue Wettbewerber und neue Geschäftsmodelle in der Finanzdienstleistungsbranche noch nicht richtig ernst genommen werden. Aber müssen sich innovative Produkte, Services und Geschäftsmodelle erst im Massenmarkt etabliert haben, damit diese ernst genommen werden? Wird erst investiert, wenn ein positiver ROI sicher ist? Müssten Banken nicht experimentierfreudiger werden und viel mehr ausprobieren?

Die großartigen Comics in diesem Artikel stammen von Tom Fishburne. Mehr davon gibt es auf http://tomfishburne.com.

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