Cebit 2013 – Review

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 5. April 2013 / , , , , , , , , , , / 0 Kommentare

 

Nach über 10 Jahren Abstinenz hatte ich Anfang März die Möglichkeit, die Cebit in Hannover besuchen zu dürfen. War ich noch bei meinen vorherigen Besuchen aus „Consumersicht“ auf der Messe, ging es nun darum, die Messe aus beruflichem Interesse zu besuchen und Kontakte zu knüpfen.
Die Cebit hat sich seit meinem letzten Besuch deutlich verkleinert und man merkt, dass sich der Charakter der Messe von einer Publikumsmesse zu einer reinen Business-Messe wandelt. Dies zeigte sich schon daran, dass es in mehreren Hallen viele Vortragsbereiche gab, die nur bestimmten (Business-)Themen gewidmet waren. So gab es die „Webciety“, bei der es den ganzen Tag um das Leitthema der Cebit, „Shareconomy“ ging. Der Begriff leitet sich von Share (teilen) und Economy (Wirtschaft) ab und zeigt einmal mehr, dass sich das Teilen von Informationen, welches unter Privatpersonen schon zur Normalität geworden ist, auch bei den Unternehmen ankommt.

 

In vielen Vorträgen und interessanten Diskussionsrunden wurde dort ausführlich über die Chancen und Risiken dieses Trends gesprochen. Einerseits betonte Klaus-Peter Fett von Google Enterprise, „Wer nicht shared, kommt nicht weiter“, andererseits gab es aber auch kritische Töne aus dem Publikum, gerade wenn es um sensible Informationen und den Wissensvorsprung vor Mitbewerbern geht. Direkt um die „Webciety“ präsentierten sich dann viele Firmen mit ihren Enterprise 2.0 Lösungen. Diese ermöglichen es, Wissen überall und jederzeit zur Verfügung zu stellen und untereinander zu teilen. Eine wichtige Erkenntnis dabei war, dass 80% der Projekte in den Firmen nicht wegen der Technologie scheitern, sondern weil der kulturelle Wandel im Unternehmen nicht stattfindet und alte Strukturen nicht aufgebrochen werden können.

Ein weiteres Schwerpunktthema für mich war der E-Commerce Park auf der Cebit. Dort ging es unter anderem um die aktuellen und künftigen Trends im Bereich der Onlineshops. In einer Podiumsdiskussion wurde daher ausführlich über die Themen „Mobile Commerce“, also den Einkauf von Waren über mobile Endgeräte und dem damit einhergehenden „Responsive Design“, also der Vereinheitlichung der Nutzererfahrung über alle Endgeräte hinweg gesprochen. Das Fazit von allen Teilnehmern war hier, dem Nutzer den Einkauf über alle Kanäle so gut wie möglich zu erleichtern, damit er den Einkauf nicht abbricht und zum Mitbewerber geht. Gerade auch der Einbindung von Sozialen Netzwerken und den Social Logins wurde in der Runde eine hohe Bedeutung beigemessen, um den Kaufprozess zu beschleunigen und zu vereinfachen, aber auch um über soziale Empfehlungen an neue Kunden zu gelangen. Schließlich werden in vielen anderen Ländern soziale Netzwerke sehr stark als Absatzkanal genutzt und da gibt es in Deutschland noch einen ordentlichen Nachholbedarf. Ein schwieriges Trend-Thema, gerade für die deutschen Online-Händler, ist das kurz angeschnittene Thema „Same-Day-Delivery“ (Bestellung und Lieferung am selben Tag). Diesen Trend, bei dem der US-amerikanische Markt Vorreiter ist, könnte sich gerade für den kleinen Onlinehändler als schwierig gestalten. Auch hier präsentierten dann wieder viele Firmen ihre Lösungen, sowohl für den kleinen, aber auch den großen Händler unter dem Motto, dass technisch alles machbar ist.

Neugierig, da tags zuvor in der Presse gelesen, ließ ich mir dann am Stand der Bundesdruckerei einen Geldautomaten vorführen, bei dem man nur mithilfe seines elektronischen Personalausweises Geld abheben kann. Dies funktioniert reibungslos, sofern man den neuen Ausweis besitzt. Allerdings muss man beim ersten Mal einen Registrierungsprozess durchlaufen, bei welchem man dann die Kontonummer und Bankleitzahl seines Kreditinstitutes hinterlegt. Die Anlage eines Zweitkontos, z.B. eines Haushaltskontos, war zum Zeitpunkt der Messe noch nicht möglich. Es ist zwar sicherlich praktisch, eine (oder später vielleicht auch mehrere) Karten weniger im Geldbeutel zu haben, ob dabei allerdings die Banken mitspielen und ihre Automaten vor Ort umrüsten bzw. ersetzen, vor allem, da sie ja dann einen Teil ihrer „Identität“ mit der Karte verlieren, wage ich allerdings zu bezweifeln. Interessanter war dann schon die Anwendung „Kesh – smart bezahlen“, die mir ein Herr vorstellte, der von der Firma, die für die Software des Geldautomaten der Bundesdruckerei verantwortlich ist, kam. Hierbei handelt es sich um eine mobile Wallet, die es per App und QR-Code ganz einfach ermöglicht, Zahlungen an Freunde oder auch Händler via Smartphone zu übertragen. Einzig und alleine die Prepaid-Funktion, bei der man vorher Geld aufgeladen haben muss, um bezahlen zu können sagte mir persönlich nicht zu und spricht eher gegen Spontankäufe.

Ein weiterer großer Trend auf der Messe war der 3-D-Druck. Ein Thema in den Medien war in den letzten Wochen auch das Risiko dieser Drucker, wenn es zum Beispiel darum geht, Waffen zu drucken. Was im ersten Moment unvorstellbar klingt, wurde auf der Cebit noch weiter erörtert. Denn laut dem US-Starökonom Jeremy Rifkin, der dort zitiert worden ist, läutet der 3-D-Druck nicht weniger als die dritte industrielle Revolution ein. Auch schrieb Götz Hamann (ZEIT Journalist) kürzlich, dass „diese Drucker die globale Wertschöpfungskette verändern“. Auf der Cebit wurde dann auch treffend dazu folgende Frage gestellt: Warum werden in Zukunft noch Zulieferer benötigt, wenn man sich doch eine große Maschine hinstellen könnte, die diese Teile einfach und kostengünstig „druckt“? Man geht sogar davon aus, dass es dann wieder günstiger sein kann, bestimmte Dinge nicht in ein Billiglohnland zu verlagern, sondern in der eigenen Werkshalle auszudrucken. Der Tenor war, dass die Produktion wieder lokaler werden wird. Sicher wird es noch einige Zeit dauern, bis man an diesem Punkt angekommen ist, jedoch könnte sich dieses Thema zu einer ernsthaften Gefahr für manchen Mittelständler entwickeln, der zum Beispiel bestimmte kleinere Teile für die großen Automobilhersteller fräst.

Eine beeindruckende Präsentation gelang der Frauenhofer Gesellschaft mit seiner „Key2Share“ Technologie. Dabei handelt es sich bei dieser, gerade für den geschäftlichen Bereich gedachten Zukunftstechnologie um ein System zur Zugangskontrolle mittels Smartphone. Ein Vorteil dieses Systems ist es, dass die digitalen Schlüssel auch delegiert werden können. Dies bedeutet, dass man anderen Personen via Email eigene Schlüsselberechtigungen digital senden kann. Bis ein fertiges Produkt bereit steht, wird es zwar noch etwas dauern, jedoch konnte die Demonstration schon sehr überzeugen.

Mein Fazit der Cebit 2013 fällt insgesamt positiv aus. Zwar waren die „Aha-Momente“ rar gesät, jedoch waren die vielen Vorträge und Diskussionsrunden sehr aufschlussreich. Auch die Möglichkeit sich mit vielen interessanten Menschen vor Ort auszutauschen und zu vernetzen, machte aus der Cebit eine gelungene Veranstaltung.

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