Innovationsfähigkeit = hohe emotionale Mitarbeiterbindung?

Veröffentlicht von Frank Gutknecht / 17. April 2013 / , , , , / 0 Kommentare

Fehlende Motivation auf Seiten der Mitarbeiter kosten die Unternehmen jährlich Milliarden. Insbesondere wird durch die innere Kündigung die Innovationsfähigkeit von Unternehmen gefährdet, so die Gallup Studie für 2012, über die wir schon an anderer Stelle berichtet haben.

Bereits seit 2001 erstellt Gallup jährlich einen „Engagement-Index“, der Auskunft über die emotionale Bindung der Mitarbeiter gibt, die sich auf die Motivation und das Engagement bei der Arbeit auswirkt. Dabei wurden in einer repräsentativen Umfrage 2. 198 Arbeitnehmer über 18 Jahren telefonisch befragt. Gemäß der Studie (siehe unten stehende Grafik) sind nur wenig Arbeitnehmer emotional stark an den Arbeitgeber gebunden.



–       Fast ein Viertel (24%) der Arbeitnehmer haben bereits innerlich gekündigt

–       Der Großteil (61%) macht „Dienst nach Vorschrift“

–       Ein geringer Anteil (15%) haben noch eine hohe emotionale Bindung

Was sind die Folgen dieser alarmierenden Zahlen?

„Die Folgen mangelnder Mitarbeiterbindung für die Leistungsfähigkeit der Unternehmen sind erheblich“ so Marco Nink, Strategic Consultant bei Gallup. Durch mangelnde emotionale Bindung leidet die Eigeninitiative, die Bereitschaft Leistung zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen. Dazu kommen erhöhte Fehlzeiten auf Grund von Krankheit. Gallup beziffert nach eigenen Hochrechnungen die Kosten, die durch mangelnde Produktivität entstehen auf 112 bis 138 Milliarden Euro. Zusätzlich belegt die Studie, dass emotional gebunden Mitarbeiter durchschnittlich 45 % mehr Anregungen für Verbesserungen im Unternehmen einbringen, als ungebundene Mitarbeiter. Darüber hinaus haben gebundene Mitarbeiter meist auch die besseren Ideen.

Was sind die Ursachen?

Die Ursachen sind meist im Führungsverhalten zu finden. Die anfängliche hohe Motivation der Arbeitnehmer sinkt demnach dramatisch. Dann, wenn die Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum nicht beachtet, Ihre Bedürfnisse und Wünsche nicht erfüllt werden und auf konstruktives Feedback vom Chef verzichtet wird. Besonders in der Innovationskultur von Unternehmen spiegelt sich dieser Sachverhalt wider: „Nur wenn die Führungskraft für die Mitarbeiter erreichbar ist, sich Zeit nimmt und eine vertrauensvolle Umgebung schafft, können aus Ideen wirkliche Innovationen entstehen“. Deshalb ist es wichtig, dass der Vorgesetzte auch für Ideen und Vorschläge offen ist. Schuld für die schlechte Mitarbeiterführung kann die oft schlechte Ausbildung in Mitarbeiterführung der Mittelmanager sein. Dazu kommen die gestiegenen Anforderungen, insbesondere der Arbeitsaufwand, an genau diese Manager.

Fazit:

Nicht nur Banken müssen daher dem Thema Mitarbeiterbindung in den nächsten Jahren eine stärkere Aufmerksamkeit schenken. Der prognostizierte demographische Wandel einhergehend mit einem Fachkräftemangel  sowie unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen verschiedener Generationen lässt diese Fokussierung noch verstärken. Wenn positive Rahmenbedingungen und eine vertrauensvolle Unternehmenskultur nicht geschaffen werden, verliert die Organisation ihre Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Zudem sind die Folgekosten für mangelnde Produktivität, wie in der Studie gesehen, enorm. Selbst der Kunde merkt im Umgang mit dem Arbeitnehmer ob dieser für die Organisation einsteht, sich engagiert und die Werte lebt, deshalb sollten Implikationen auf die Kundenbindung nicht vernachlässigt werden.

Auswirkungen aus diesem Sachverhalt haben unter anderem schon Unternehmensberater oder Coaching-Agenturen erkannt. Auch Social Media spielen dabei immer eine wichtigere Rolle: Bewertungsportale, insbesondere solche, die Dienstleistungen von Unternehmen bewerten oder Arbeitgeberportale wie kununu.de, die aus dem Kern der Organisation sprechen, sprießen aus dem Boden. Die Verknüpfung von xing und kununu.de zeigt wie die Glaubhaftigkeit von Unternehmensauftritten erheblich gesteigert werden kann und somit für das Thema Mitarbeiterbindung (oder Recruiting) eine wertvolle Basis geschaffen werden kann. Blogs über Personalmarketing, insbesondere EmployerBranding (umfasst die Stärkung der Arbeitgebermarke) sind zunehmend zu finden. Zudem fördern Organisationen Mitarbeiterblogs, Azubiblogs, gewähren während der Arbeitszeit freien Zugang zum Internet oder bieten Innovationsworkshops an. Dabei soll es nicht um Schaufenstermaßnahmen gehen, indem Unternehmen einen aufgesetzten Imagefilm drehen. Glaubhafte und transparente Maßnahmen, die unreflektiert von innen kommen und ehrliche Bemühungen auf Seiten des Arbeitgebers können eine positive Wirkung haben. In solch einer Kultur lassen sich Auswirkungen auf die Mitarbeiter finden und somit auch indirekt auf das Führungsverhalten.

Motivierte Mitarbeiter, die in ihrem Unternehmen nicht auf ihre Werte und Bedürfnisse angesprochen werden, werden sich Organisationen suchen, welche dies erfüllen. Jene Mitarbeiter aus Organisationen, die sich in ihrer Einschätzung auf Grund von glaubhaften internen Bewertungen positiv bestätigt fühlen, werden noch stolzer, zufriedener sowie stärker emotional gebunden und engagieren sich noch stärker.

Wie sehen Sie die Bindung in Ihrem Unternehmen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht mit Unternehmen, die Ihre Werte und Ziele (nicht) ansprechen und/oder die Führungskraft Sie bis in die Haarspitzen (nicht) motiviert?

 

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