Kundenbindung und Markenstärke durch Gold- Labeling – sind wir bereit für den neuen Trend?

Veröffentlicht von Meike Boj / 15. Mai 2013 / , , / 0 Kommentare

Die Praxis des „White-Labelings“ – das sind Produkte, die von einem Drittanbieter entwickelt, und unter dem eigenen starken Markennamen angeboten werden – ist in allen Märkten weltweilt verbreitet.

Auch in der Welt der Banken findet sich White-Labeling wieder. Die Personal Finance Management (kurz PFM)-Anbieter, wie zum Beispiel Geezeo und Money Desktop, „white- labeln“ ihre Produkte in der Finanzdienstleistungsbranche. White-Label-Mobile-Banking, P2P-, PFM- Lösungen und (vor allem in den USA) Scheckeinreichungen kommen in Bankenbranche sehr häufig vor.

Die Beliebtheit von White-Label-Lösungen ist nicht schwer zu verstehen. Einerseits braucht man ein Vermögen, um aus einem eigenen Produkt eine national anerkannte starke Marke zu schaffen. Andererseits stehen die meisten Banken stark unter Druck, die geeigneten Mittel und Wege zu finden, neue marktdurchdringende Produkte, Dienstleistungen und Technologien zu entwickeln.

Der PFM-Markt ist ein gutes Beispiel hierfür: Geezeo und Wesabe starteten beide als Newcomer mit dem Ziel, Kunden direkt mit ihren Produkten und Dienstleistungen zu begeistern und sich so als B to C –Unternehmen zu etablieren. Beide Anbieter scheiterten an der harten Realität. Geezeo schaffte den Übergang zum White-Label-Anbieter gerade noch, Wesabe verpasste diesen Schritt.

Nicht nur Großbanken, auch Kreditgenossenschaften und Sparkassen können nur schwer PFM-Tools im Alleingang entwickeln. Auch die eigentlichen App-Anbieter können es nicht und gehen so Partnerschaften mit den „Geezeos“, „Money Desktops“ und „Lodos“ dieser Welt ein. Das gleiche Bild spiegelt sich auf der Seite des Mobile-Bankings mit mFoundry und M-Com wider.

Derzeit ist jedoch die Entstehung eines neuen Trends im Bankenbereich zu beobachten, der sich in den nächsten paar Jahren weiter ausweiten könnte: Das so genannte „Gold- Labeling“. Amerikanische Kreditinstitute bieten bereits markengeschützte Produkte und Dienstleistungen an. Was heißt das jetzt genau? Die Antwort liegt zunächst im Gegenteil: Die Kernprämisse des White- Labelings ist die, dass die zugrunde liegende Marke des Händlers stärker ist als die des Herstellers.

Das Spannende dabei ist, dass sich im Kontext der Bankenwelt gerade das begonnen hat zu verändern! Für Banken eröffnen sich durch die Kreativität, Entwicklungsfähigkeit und Markenbildung der Startups und Newcomer ganz neue Chancen das White- Label- Modell auf den Kopf zu stellen, um daraus genau das Gegenteil zu schaffen: Das Gold-Labeling. Die Kernprämisse hierbei liegt darin, dass die neu entstandene Marke des Herstellers stärker oder hipper ist, als die des Händlers.

Aktuell gibt es ein paar Beispiele des Gold-Labelings, die ich hier kurz vorstellen möchte:

1) Kasasa: Das ein völlig branchenfremder Drittanbieter die Grundvorstellung eines Girokontos neu, sexy und dazu verständlich kreiert, wirkt für die meisten traditionellen Finanzdienstleister sicherlich völlig absurd. Genau das tut Kasasa. Und mehr noch: Für US-Banken erweist sich der Dienstleister als sehr erfolgreich und das obwohl einige der Institute im selben Geschäftsgebiet operieren. Es ist nicht nur die Markenstärke von Kasasa (das Produkt), die neue Kunden anzieht. Es sind darüber hinaus die zugrunde liegenden Marketingkompetenzen, die BancVue (die Entwicklerfirma von Kasasa) mitbringt – Marketing Kompetenzen, die viele Banken im Alleingang nicht entwickeln konnten.

2) Mint: Als Intuit Mint im Jahr 2009 kaufte, war ich der Meinung, dass das Unternehmen allmählich seinen Finanzbetrieb einstellen würde und Mint ausschließlich als PersonalFinance Mangement Tool am Makt anbieten würde. Es kam anders. Neulich kündigte Intuit gegenüber der amerikanischen Bankenwelt an, Mint künftig als integrativen Bestandteil des bankeigenen Onlinebankings anzubieten. Dieses Angebot wirft eine wichtige Frage auf: Könnte die Marke „Mint“ helfen, die PFM-Nutzung weiter zu verstärken? Könnten so bestehende Kundenbeziehungen vertieft werden? Oder dadurch sogar neue Kunden gewonnen werden?

3) Mobile Apps. Keine Zweifel- diese Dinger sind echt wichtig! 😉 Piper Jaffray schätzt, dass die App-Umsätze für iPad / iPhone bis zum Jahr 2015 auf 14.000.000.000 $ anwachsen werden und dass etwa 8% dieser Käufe nur für Finance-Apps ausgegeben werden! Firmen wie „Check“ bauen stetig ihr Markenbewusstsein und ihre Wiedererkennung beim Verbraucher aus. Während Mobile App-Anbieter Markenbekanntheit und Affinität weiter stärken, ist es durchaus vorstellbar, dass Banken davon profitieren würden, als Händler für solche Apps im Markt aktiv zu werden und diese als festen Bestandteil in ihrem Kerngeschäft zu implementieren.

4) „Girokonto 2.0“: Firmen wie „Simple“ und „Moven“, die eine neue Art des Bankings anbieten, werden mit ihrer Marke wohl einige Erfolge durch Neukundengewinnung speziell in der Zielgruppe „Generation Y“ erzielen. Doch wie sprechen sie auch andere Zielgruppen an? Ein möglicher Weg könnte dabei sein, ihre Produkte durch etablierte Banken zu vertreiben und so nach einer möglichen Produkteinstiegsstrategie bei Kunden zu suchen und ihre Reichweite dadurch zu verstärken.

Bei all diesen Beispielen und den aufgeführten Möglichkeiten frage ich mich, ob das auch bei uns im Bankenmarkt klappen könnte? Welche Marken könnten einer Volksbank Raiffeisenbank helfen? Gibt es in Deutschland überhaupt starke Marken, mit denen es sich lohnt als Bank zu kooperieren? Oder sind im deutschen Markt doch eher White- Label-Lösungen gefragt und auch fähig, sich zu etablieren? Oder ist der deutsche Markt allgemein noch lange nicht soweit? Wie sehen Sie den Trend des Gold-Labelings?

Ich freue mich über Ihre Meinungen und Ansichten gleich hier unten im Kommentarfeld.

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