Ghost – Nachrichten aus dem Jenseits

Veröffentlicht von Tanja Kaufmann / 26. Mai 2013 / Social Media / 1 Kommentar

Makabrer Gruselfaktor oder kurioses must-have? Willkommen im Social Afterlife!

Wo früher das altbewährte Hexenbrett herangezogen wurde, um Seancen mit Verstorbenen abzuhalten, bieten nun skurrile Plattformen wie Dead Social oder LivesOn die Möglichkeit, mit unseren dahingeschiedenen Geliebten in Kontakt zu treten – oder wohl eher sie mit uns.

Facebook, Twitter & Co. begleiten uns durch unser tägliches Leben, warum also nicht auch durch unser Social Afterlife?

Von Geistern und Zombies

Was ist eigentlich das Social Afterlife? Wie bereitet man sich darauf vor?

So spektakulär sich das Ganze anhört, dahinter steckt nichts Paranormales. Es ist das uralte Geschäft mit dem Tod. Diese Marktlücke hat nun auch eine Gruppe von Startups für sich entdeckt. Statt die eigenen „berühmten“ letzten Worte in altmodischen Briefen festzuhalten, kann man festlegen, dass nach dem eigenen Tod vorgefertigte Nachrichten versendet, Kommentare auf Facebook oder Twitter gepostet werden. Ein Unternehmen geht sogar einen Schritt weiter und erweckt die Toten zum Leben.

Eine dieser Spukplattformen ist DeadSocial. Hier kannst du deine Nachrichten für die Nachwelt erstellen und sie auf einen bestimmten Tag vordatieren, um sie später über Facebook, Twitter und Linkedin zu verschicken. Audio- und Videobotschaften sind ebenfalls möglich. Damit diese Nachrichten auch wie von Geisterhand nach dem Tod gepostet werden, ernennt jeder User mindestens einen „Executor“. Die Aufgabe des „Executors“, also des Nachlassverwalters, besteht darin, den Tod des Users zu bestätigen.

 

 

Dann gibt es noch If I Die, eine auf Facebook basierende App. Anders als bei DeadSocial wirst du dazu aufgefordert 3 Freunde auszuwählen, die dazu berechtigt sind, später dein Ableben zu bestätigen. Per Video- oder Textmessage kannst du anschließend deinen individuellen Abschiedsgruß verfassen, Rache nehmen oder selbst im Tod für gehöriges Aufsehen sorgen, indem du ein lang behütetes Geheimnis ausplauderst. So sorgst du dafür, dass deine letzten Worte unvergesslich bleiben!

 

 

Und LivesOn twittert aus der Geisterwelt:

„When your heart stops beating, you’ll keep tweeting.
Welcome to your social after life.“

LivesOn ermöglicht es den Toten noch aus dem Grab heraus, fröhlich zu followen und zu twittern, pardon – heimzusuchen und zu spuken. Dieser düstere Voodoo-Zauber nennt sich „Künstliche Intelligenz“. Noch während Lebzeiten wird dein Twitter-Stil analysiert. In diesem Prozess erlernt dein virtueller Klon deine Verhaltensmuster, Vorlieben, Abneigungen sowie Schreibweise mit dem Ziel, dich nach deinem Tod bestmöglichst zu imitieren.

Das Forum für Poltergeister ist geschaffen, aber wie sieht es mit den Hinterbliebenen aus? Ist es pietätlos, seine Familie und Freunde heimzusuchen? Unter moralischen und strafrechtlichen Aspekten besteht reichlich Diskussionsbedarf, schließlich können Tote für Stalking und Co. nicht belangt werden.

Der Tod ist ein heikles Thema, gerade im Bereich Social Networks. Heutzutage hat fast jeder von uns einen Social Media Account und hinterlässt in vielfältiger Art seinen digitalen Fußabdruck (Blogs, Videos, Bilder etc.). In Social Networks interagieren wir mit Lebenden, daher befassen wir uns gar nicht mit der Frage, was nach unserem Tod mit unseren Accounts passieren soll.

Die Verwaltung unseres digitalen Nachlasses ist für die Hinterbliebenen eine schwierige Angelegenheit – das fängt schon bei den unterschiedlichen Passwörtern und Accounts des Verstorbenen an. Den Erben sind Usernamen, Passwörter und Betreiber der Accounts oft völlig unbekannt. Was mit den Profilen passieren soll, steht ebenfalls in den Sternen. Soll ein Profil in Form einer Gedenkstätte erhalten bleiben, um sich gemeinsam an den Verstorbenen zu erinnern? Soll es gelöscht werden? Was ist mit den geposteten Inhalten? Was wäre im Sinne des Verstorbenen gewesen?

Fragen über Fragen und ein langer beschwerlicher Weg für die Erben, Ordnung ins Chaos zu bringen. Profile und Inhalte zu löschen, ist nicht so einfach, wie man denkt. Zum Einen müssen die entsprechenden Seitenbetreiber über den Tod des Users in Kenntnis gesetzt werden, zum Anderen unternehmen sie erst etwas, wenn ihnen die notariell beglaubigten Papiere vorliegen, die den Tod bestätigen.

Memento Mori. In Zeiten von Social Media und Co. gewinnt unser digitales Erbe an Bedeutung, schließlich überdauern Avatare, Accounts, E-Mails, Blogs usw. – kurz unser virtuelles Leben – unseren Tod. Es gibt bereits einige Anbieter, bei denen man in Form eines digitalen Testaments seine persönlichen Daten sowie Passwörter hinterlegen kann. Aus datenschutzrechtlichen Gründen ist dies jedoch kritisch zu beäugen. Im Rahmen der Vorsorgeberatung sollten auch Banken aktiv werden und ihre Kunden dafür sensibilisieren. Werfen wir einen Blick in die Kristallkugel. Banken bieten ihren Kunden eine geeignete Plattform für die Nachlassverwaltung 2.0 und erhöhen damit den „Mehrwert“.

Bei wem würde man all seine sensiblen Daten hinterlegen, wenn nicht bei der Bank seines Vertrauens? Der moderne Kunde verwaltet sein digitales Bankschließfach ganz individuell, unkompliziert und sicher. Er kann Register über seine Accounts führen, sämtliche relevanten Daten hinterlegen und Instruktionen hinterlassen, was damit geschehen soll. Ebenfalls ernennt er mehrere Vertrauenspersonen, die dann später als Nachlassverwalter fungieren, und gibt ihre jeweiligen Kontaktdaten an.
Da Passwörter hin und wieder geändert werden oder Accounts dazukommen ist eine up-to-date Funktion integriert, die den Kunden in einem beliebig wählbaren Intervall automatisch per Mail benachrichtigt und auffordert eine Datenaktualisierung vorzunehmen. Die Nachlassverwaltung 2.0 beinhaltet ebenfalls eine digitale Vorsorgevollmacht – für den Fall der Fälle – und eine Hinterbliebenen-Guideline, bei der die Bank die Angehörigen dabei unterstützt, die Netzwerkanbieter über den Tod des Accountinhabers zu informieren, und den Erben wichtige Hinweise zum Umgang mit dem digitalen Erbe gibt.

Um unseren Hinterbliebenen zumindest den Spießrutenlauf im Kampf um das Erbe abzunehmen, damit sie in Ruhe trauern können, sollte sich jeder von uns mit der Verwaltung seines Nachlasses – ob nun analog oder digital – auseinandersetzen und dies in seinem Testament festhalten.

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