„Sich neu erfinden!“ – Interview mit Gunter Dueck

Veröffentlicht von Maik Jost / 2. Juni 2013 / / 1 Kommentar

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Foto von CommonLense.de

Hallo Herr Dr. Dueck. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um mir ein paar Fragen zu beantworten. Herr Dr. Dueck, können Sie sich unseren Lesern kurz vorstellen und uns verraten, was Sie antreibt?

Sorge um Menschen und einigen Zorn darüber, wie sie mit sich umgehen. Ich versuche, „artgerechte Haltung von Menschen zu predigen“ und mich für neue Bildungs- und Erziehungsformen, ja, eigentlich für ein positiveres Menschenbild einzusetzen.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht etwas über Veränderung und Wandel in der Presse steht. Wie sehen Sie aktuell das Berufsbild Bankkaufmann/-frau? Und wie wird sich dieses Berufsbild Ihrer Meinung nach in den nächsten 10-20 Jahren verändern?
Früher war dieser Beruf eine Bank – so sagte man, wenn man etwas für ewig nachhaltig ansah. Diese Ansicht ist gecrasht. Das Internet saugt einen großen Teil des Banking auf. Die Banken halten mit Kosteneinsparungen dagegen und gehen insoweit zu weit, als sie immer mehr auf unerfahrenes Bedienpersonal mit Zeitarbeitsvertrag setzen. Damit diskreditieren sie ihre eigene Selbstbehauptung, Superberatung zu bieten, und halten eine Teufelsspirale in Gang. Im Grunde bezahlt der Kunde eben den Service nicht (gar keinen – nirgendwo), und um diese Tatsache tanzen viele Branchen herum, etwa der Handel, der unter dem Internetverkauf stöhnt.

Herr Dr. Dueck, was müssen Ihrer Meinung nach Banken heute schon tun, um sich auf diese Veränderung/Anpassung des Berufsbildes eines „Bankers der Zukunft“ einzustellen?
Neue Produkte anbieten, für die Beratung bezahlt wird. Man kann von einer Bank aus die Steuerproblematiken, die Buchführung von Selbstständigen oder ganze Berufs-IT-Anwendungen anbieten, etwa für den Klempner auch eine Einkaufslösung für den Teileankauf, die Rechnungsstellung und Verbuchung. Darunter stöhnen doch die Kleinunternehmer! Das ist ein großer Markt. Was sagen Banken, wenn ich so etwas vorschlage? „Das ist nicht Aufgabe der Bank.“ Was ist denn noch die Aufgabe? Diese Frage muss neu gestellt und beantwortet werden.

Die Zeit des autoritären Führungsstils neigt sich bekanntlich dem Ende zu. Wie muss Ihrer Meinung nach die Führungskraft der Zukunft aussehen? Mit welchen Kompetenzen muss sie ausgestattet sein und welche Fähigkeiten muss sie besitzen?
Sie muss coachen, entwickeln, positiv motivieren, den Mitarbeiter ernst nehmen etc. Das sagen „alle“, es ist aber sehr schwer umzusetzen. Lesen Sie Machiavelli. Der sagt etwa so, in meinen Worten: „Es wäre am besten, der Fürst würde vom Volk geliebt. Aber es ist schwer für einen Fürsten, geliebt zu werden. Einfacher ist es, das Volk gerade so weit in Furcht zu halten, dass es nur fürchtet, aber nicht hasst.“ Ich will sagen: Das, was vom Manager der Zukunft erwartet wird, ist eine höhere Schule. Autoritär sein dagegen kann jeder und viele von diesen begehen sogar die Todsünde, die Hassgrenze nicht zu beachten. Deshalb stirbt das Autoritäre nicht aus, bis wir genug Top-Talente im Management haben.

In Ihrem Buch „Aufbrechen! Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen“ beschreiben Sie den Niedergang der Dienstleistungsgesellschaft. Was bedeutet das Ihrer Meinung nach für den Einzelnen und für den Bankensektor?
Dienstleistungen werden durch Computer so automatisiert wie die Landwirtschaft durch den Trecker und die Produktion durch die Roboter. Die Bank bleibt also immer noch da, aber das Personal wird insoweit nicht mehr gebraucht, als es „einfache“ Arbeiten ausführt, die der Kunde am Computer selbst erledigt. Viele Banker „verkaufen“ nur noch, die eigentliche Arbeit ist schon weitgehend automatisiert. Das merken die Kunden und stellen fest, dass eine Bank fast wie ein Handy-Shop geführt wird, in dem nur Verträge verkauft werden – das Telefonieren ist „im Netz“.

Das Internet bietet die Möglichkeit sich nahezu über alles zu informieren. Überall gibt es Bewertungsportale, es werden Rezensionen über Produkte oder Berater abgegeben oder wenn man etwas nicht versteht wird „gegoogelt“ oder ein YouTube-Video angeschaut. Wie stehen Sie zu diesem Thema und wie müssen sich Ihrer Meinung nach Banken generell entwickeln, um in der Finanzwelt bestehen zu können?
Sich neu erfinden! Etwas bieten, was noch nicht gegoogelt werden kann. Ich hatte ja die Kleinunternehmen genannt, Rechnungsführung usw. Das sind Leistungen, für die Selbstständige oft Teilzeitkräfte einstellen, also viel Geld ausgeben… Warum nimmt die Bankenwelt nicht einen Teil davon?

 

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