Mitarbeiterbefragung 2.0 – Stimmungsbild in Echtzeit

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 24. Juni 2013 / , / 0 Kommentare

Anfang des Jahres wurde in mehreren Medien über eine „Gallup“-Studie berichtet, die die emotionale Bindung von Mitarbeitern zu ihrem Unternehmen beleuchtete. Auch mein Kollege Frank Gutknecht hat sich in seinem Blog-Beitrag dieser Studie angenommen. Heraus kam dabei, dass „jeder vierte Arbeitnehmer innerlich gekündigt“ hat.  „ Alleine 18 Milliarden Euro kosten die Fehltage die Unternehmen, die auf Unlust der eigenen Mitarbeiter zurückzuführen sind“. Nach „Gallup“-Hochrechnung belaufen sich die“ insgesamten Einbußen durch fehlende Motivation der Mitarbeiter der Unternehmen jährlich sogar auf 112 bis 138 Milliarden Euro“. Denn, so die Aussage der Studie, „liefern Mitarbeiter mit verlorener Bindung weniger Ideen, sind häufiger krank und stecken die Kollegen mit ihrer Unlust an“. Die größte Rolle für „das Abhandenkommen der Bindung zum Unternehmen spielt fast immer der direkte Vorgesetzte des Mitarbeiters. Diese sind nicht in der Lage notwendige Unterstützung bei der Tätigkeit zu geben und auch wenig bis keine konstruktive Kritik zu äußern“. (Quelle: Gallup & Focus.de )

In einem Artikel, der über die sogenannte Quantified Self Bewegung berichtet hat, bin ich auf ein interessantes Self-Tracking-Tool gestoßen. Mittlerweile gibt es ja in fast allen Lebensbereichen Tools und Apps die einem helfen, seinen Gewichtsverlauf zu überwachen, Blutdruck, Blutzucker, sowie verbrauchte Kalorien oder zurückgelegte Schritte und Strecken zu messen. Diese Informationen lassen sich dann über Soziale Netzwerke teilen oder können teilweise auch direkt an den Hausarzt gesandt werden. Auch meine Kollegin Anja Gempler hat mit ihrem Artikel im Dezember 2012 über das Projekt Jumiya schon den Bezug zu der Finanzdienstleistungsbranche hergestellt.  Die mittlerweile große Bereitschaft solche Dinge zu erfassen und zu teilen, macht sich nun auch das Unternehmen MoodPanda zu Nutzen. Bei diesem Dienst erfassen Nutzer ihre Stimmung täglich auf einer Skala zwischen 1 und 10. Der Grundgedanke dahinter ist es, Nutzer die eine schlechte Stimmung haben, von der Gemeinschaft aufmuntern zu lassen. Man kann auch seine persönliche Stimmung über bestimmte Zeiträume überwachen. Interessant ist es aber auch, sich anzeigen zu lassen, wie denn die Stimmung an bestimmten Orten ist. Und genau hier möchte ich den Bezug zu der Gallup Studie ziehen.

Stellen Sie sich ein Unternehmen mit mehreren Abteilungen vor. Jeder Mitarbeiter erfasst täglich anonymisiert seine Stimmung. Daraus ergibt sich für die Geschäftsleitung ein detailliertes, zeitnahes Stimmungsbild im Unternehmen, das man nach Abteilungen auswerten kann. Wenn aus so einem Stimmungsbild die richtigen Rückschlüsse gezogen werden und man sich in einem offenen und ehrlichen Dialog mit der jeweiligen Abteilung auseinandersetzt und die Probleme rechtzeitig erkennt, erörtert und beseitigt, könnte man einen Teil der wirtschaftlichen Schäden für das Unternehmen verhindern.  Um die Mitarbeiter zur Erfassung ihrer Stimmung zu motivieren, könnte zum Beispiel ein Belohnungssystem hinterlegt werden. So hätten alle Seiten einen Vorteil daraus. Der finanzielle Schaden für das Unternehmen könnte reduziert werden und ein Teil dessen an die Mitarbeiter ausgeschüttet werden.

Einen etwas anderen Weg geht das Unternehmen KEAS. Hier soll nicht die Stimmung der einzelnen Mitarbeiter erfasst werden, sondern sie sollen dazu motiviert werden, gesünder zu leben, sich sportlich zu betätigen und einen Ausgleich zur Arbeit zu schaffen. Dabei bilden die Mitarbeiter verschiedene Teams und es werden ihnen Aufgaben, „challenges“, gestellt. Dabei soll erreicht werden, dass sich die Teammitglieder untereinander gegenseitig anspornen, bestimmte Gesundheitsziele zu erreichen. Ziel hierbei ist es die Ausgeglichenheit und damit die Zufriedenheit der Mitarbeiter im Unternehmen zu stärken und somit wieder wirtschaftliche Schäden, wie die Gallup-Studie beschrieben hat, zu reduzieren.

Die Ansätze beider Plattformen sind sehr interessant, auch eine Kombination aus beidem könnte ich mir sehr gut vorstellen. Dass ein ausgeglichener, gesunder Lebenswandel sich auch auf die Arbeitsleistung auswirkt, steht für mich außer Frage. Ob die Mitarbeiter aber bereit sind, diese Informationen mit ihren Kollegen zu teilen ist fraglich. Als ersten Schritt dahin finde ich den Ansatz von MoodPanda interessanter, wenn täglich ein Pop-Up aufgeht und jeder Mitarbeiter anonymisiert seine Stimmung angibt. Denn gerade den nicht Social-Media affinen Mitarbeitern fällt es doch schwer, ihre Meinung mit ihrem Namen vor allen zu äußern. So würden aber auch sie mal gehört und man hätte ein aktuelles Stimmungsbild.

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